GTM Research erwartet 2017 rückläufigen Photovoltaik-Zubau in USA

Im dritten Quartal 2017 sind in den USA Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2031 Megawatt neu installiert worden. Es sei das achte Quartal in Folge, in dem die Marke von zwei Gigawatt überschritten worden sei, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht von GTM Research und dem US-Photovoltaik-Verband SEIA. Gegenüber dem Vorjahresquartal sei der Zubau jedoch um 51 Prozent eingebrochen. In den ersten drei Quartalen ist damit im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 22 Prozent weniger Photovoltaik-Leistung neu installiert worden, wie es weiter hieß. Dies liege im Rahmen der Erwartungen des Rückgangs für das Gesamtjahr. Nach dem Rekordzubau von 12,4 Gigawatt 2016 prognostiziert GTM Research für dieses Jahr 21 Prozent weniger – also 11,8 Gigawatt.

Die Anpassung der Prognose für das Gesamtjahr hatten die Analysten bereits im Vorquartal vorgenommen. Diese sei wegen der Herausforderungen im privaten Photovoltaik-Sektor sowie bei der Verschiebung von Großprojekten im Zuge der erwarteten Handelssanktionen erfolgt. „Die Solarindustrie ist eine widerstandsfähige Gruppe, doch dieses Quartal hat uns gezeigt, was passiert, wenn politische Unsicherheit zu einem Störfaktor wird: Die Preise steigen, die Lieferungen werden verschoben und der Markt reagiert entsprechend“, erklärte SEIA-Präsidentin Abigail Ross Hopper. Sie erneuerte ihre Forderung an US-Präsident Donald Trump, er möge im Zuge der Section 201-Petition auf Zölle verzichten, um das Wachstum nicht zu gefährden.

Im dritten Quartal ist in den USA vor allem die Nachfrage nach gewerblichen Photovoltaik-Anlagen deutlich angezogen. Mit 481 Megawatt verzeichneten sie gegenüber dem Vorjahresquartal ein Wachstum um 22 Prozent. Mit einem Anteil von 51 Prozent – also gut 1000 Megawatt – sind der Auswertung zufolge große Photovoltaik-Kraftwerke der stärkste Zubautreiber. Zu den gewerblichen Projekten zählt GTM Research auch Bürgersolarparks. Für solche Projekte verzeichneten die Analysten einen Anstieg um mehr als 50 Prozent. Bei privaten Photovoltaik-Dachanlagen sei dagegen die geringste Nachfrage seit dem ersten Quartal 2015 zu verzeichnen gewesen.

Landesweit sind derzeit große Freiflächenanlagen mit vier Gigawatt Gesamtleistung im Bau, wie aus dem jüngsten “U.S. Solar Market Insight report” weiter hervorgeht. Für das letzte Quartal des Jahres erwarten die Analysten einen Zubau von nochmals 3,9 Gigawatt. Dies wird aber nicht ausreichen, um den Photovoltaik-Zubau aus dem Vorjahr zu übertreffen – allerdings wird es das zweitstärkste Jahr in der US-Geschichte werden.

In dem Bericht wird die sinkende Nachfrage zu zwei Faktoren zurückgeführt. So gebe es zum einen Schwierigkeiten bei der Kundenakquise für private Photovoltaik-Anlagen. Zudem würden große Installationsunternehmen profitable Vertriebskanäle über das Wachstum ihres Geschäfts stellen. „Das Jahr 2017 ist bisher unkonventionell für die Photovoltaik verlaufen. Das bedeutet, dass wir für die Kraftwerkssparte und die privaten Dachanlagen, also die Bereiche die historisch bisher immer am stärksten gewachsen sind, 2017 einen Rückgang erwarten“, sagt Austin Perea, Solaranalyst von GTM Research. Bei großen Photovoltaik-Anlagen stecke eher eine Kompensation dahinter, da 2016 die ausstehende Entscheidung über die Steueranreize (ITC), die Nachfrage extrem getrieben habe. Nach der Verlängerung der ITC habe sich der Markt wieder beruhigt. Im Bereich der privaten Dachanlagen sei dagegen die Kundengewinnung weiterhin die größte Herausforderung.

Im Blick auf die kommenden Jahre benannten GTM Research und SEIA die anstehenden Schutzmaßnahmen bei der Section 201-Petition und die geplante Steuerreform in den USA als größte Risiken für die Marktentwicklung. Damit bestünde die Gefahr eines weiteren Rückgangs. Für eine genauere Prognose wollten die Analysten jedoch erst die finale Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zu den Photovoltaik-Importen sowie die Abstimmung des Kongresses über die Unternehmenssteuerreform abwarten.