Taiwan: Gintech, Solartech und Neo Solar Power fusionieren zu UREC

Wie bereits Ende vergangener Woche spekuliert, haben die führenden taiwanesischen Solarzellenhersteller Gintech, Neo Solar Power (NSP) und Solartech nun ihre Fusion zu einem einzigen Unternehmen beschlossen. Der Name des neuen Unternehmens ist United Renewable Energy Co., Ltd (UREC). Es soll offiziell Ende Dezember gebildet werden und der Abschluss der Fusion ist für das dritte Quartal 2018 vorgesehen, wie NSP mitteilte. Eine entsprechende Absichtserklärung – die nicht rechtlich bindend ist – haben die Führungsgremien der drei Unternehmen unterzeichnet und darin die Bedingungen für den Zusammenschluss festgelegt.

Interessanterweise wird die Gründung von UREC demnach auf allen drei Firmen basieren, die bei der Führung des neuen Unternehmens gleichberechtigt sein sollen und gleichermaßen davon profitieren. Aus rechtlichen Gründen wird allerdings NSP nach der Fusion mit den beiden anderen Firmen erst einmal bestehen bleiben. Nach Abschluss des Zusammenschlusses solle dann aus NSP UREC werden.

Nach Aussagen von Sam Hong von NSP ist geplant, dass UREC fünf separate Geschäftsbereiche bekommt, die jeweils von verschiedenen Fraktion innerhalb des Unternehmens geführt werden: die Wafer von Gintech, die Zellen und neue Geschäftsmodelle von Solartech und Module sowie das Projektgeschäft von NSP. „Angesichts eines hart umkämpften und zunehmend konzentrierten Marktes sind die Unternehmen der Auffassung, dass sich taiwanesische Hersteller zusammenschließen und so ein Photovoltaik-Flaggschiff-Unternehmen formieren sollten, das einen Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt hat und eine blühende und erfolgreich integrierte Plattform aufbauen kann“, heißt es in der Mitteilung von NSP. UREC wolle dabei auch neue Geschäftsmodelle für Taiwans grüne Industrie schaffen. Andere Unternehmen seien eingeladen, sich an der Plattform zu beteiligen, „um die nachhaltige Entwicklung und Weiterentwicklung von Taiwans Solarindustrie zu erleichtern“.

Ein erklärtes Ziel sei es, ein neues vertikal integrierten Hersteller zu schaffen, der eigene Module produziert und in die Kraftwerksentwicklung einsteigt. Zuvor gab es Bedenken innerhalb des Landes, dass die Solarzellhersteller von Chinas Photovoltaik-Hunger zu sehr abhängig und darauf angewiesen seien. In den vergangenen Monaten hatten alle drei Unternehmen erste Schritte zur Modernisierung unternommen sowie als Reaktion auf die raueren Marktbedingungen ihre Geschäftstätigkeiten rationalisiert.

Für Analysten kommt die Ankündigung des Zusammenschlusses nicht überraschend. „Die taiwanesischen Solarzellenfirmen haben immer eng zusammengearbeitet, daher ist der offizielle Zusammenschluss ein wenig überraschender nächster Schritt“, sagt Jenny Chase, Analystin von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) auf Anfrage von pv magazine.

Edurne Zoco, Seniormanagerin bei IHS Markit, erklärte, dass die Fusion wahrscheinlich mit dem heimischen Photovoltaik-Markt im Hinterkopf erfolgt sei. „Der Markt für den Solarzellenhandel ist klein und in Taiwan sind die meisten Hersteller angesiedelt“, sagt Zoco. „Sie haben weder eine Machtposition gegenüber den großen Waferproduzenten in China noch gegenüber den Modulherstellern in China oder sonstwo auf der Welt. Wenn die Preise also beginnen zu sinken, sind die Zellhersteller gewöhnlich die ersten, die den Preisdruck von den Modulherstellern zu spüren bekommen. Gleichzeitig haben sie aber nur begrenzte Macht, um niedrigere Preise mit den Waferproduzenten auszuhandeln“, so Zoco. Zudem sei die Kostenstruktur der taiwanesischen Zellhersteller höher. Alle drei Firmen hätten trotz eines global positiven Marktumfeldes im ersten Halbjahr Schwierigkeiten gehabt. „Dies ist ein Indiz für ernste Schwierigkeiten. Die Bündlung der Kräfte könnte helfen, bessere Beschaffungsbedingungen zu erhalten“, sagt Zoco.

IHS Markit erwartet, dass Taiwan bald die Grenze von einem Gigawatt beim jährlichen Photovoltaik-Zubau durchbrechen werde. Ein Unternehmen UREC, dass sich vor allem auf den Heimatmarkt fokussiert, könnte zu diesem Wachstum beitragen. „Allerdings sind NSP und Gintech unter den weltweit zehn größten Zellherstellern und ihre kombinierte Kapazität würde klar den Bedarf des lokalen Marktes übertreffen. So müssten sie weiterhin entweder Solarzellen außerhalb Taiwans verkaufen oder zusätzliche Modulkapazitäten schaffen und diese Module dann ins andere Märkte exportieren“, so Zoco weiter.