Größtes Smart-Grid der Karibik in Haiti eingeweiht

Nur etwa dreißig Prozent der rund elf Millionen Haitianer haben Zugang zur Elektrizität. Gemeinsam mit der Biohaus-Stiftung sorgt die Hilfsorganisation NPH-Deutschland mit dem neuen hybriden Smart-Grid für eine stabile Stromversorgung ihrer Einrichtungen in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince.

Die Lithium-Ionen-Batterien stammen vom Berliner Solartechnik-Unternehmen Qinous, die Messtechnik kommt von Solargy in Hannover, die Solarmodule sind aus Venezuela und Mexiko importiert und den Zentralwechselrichter steuerte Bonfiglioli Deutschland bei. Am vergangenen Freitag ist das größte unabhängige Smart-Grid des Karibik-Raums in Port-au-Prince ans Netz gegangen. „Mit der neuen 450-Kilowatt-Anlage speisen wir die gesamte Stromversorgung aller unserer Einrichtungen, von der Nahrungsmittelproduktion und der KfZ-Werkstatt bis zur Schule und unserem Krankenhaus St. Damien während der Sonnenstunden zu einhundert Prozent aus Solarenergie“, sagte Heiko Seeger, Vorstand von NPH-Deutschland, bei der Eröffnung des Smart-Grids in Anwesenheit des Deutschen Botschafters in Haiti, Manfred Auster, sowie der haitianischen Projekt-Partner und wichtigsten Vertreter der Solarindustrie des Landes.

Die Hilfskooperative von NPH-Deutschland und der US-amerikanischen St. Luke Foundation, die rund 1800 haitianische Mitarbeiter beschäftigt, spart durch das Smart-Grid aufgrund des entfallenden Treibstoffs für die in Haiti bis heute verbreiteten Dieselgeneratoren jährlich Energiekosten in Höhe von umgerechnet rund 500.000 Euro und außerdem 2000 Tonnen CO2 ein. Das Geld soll weiteren Hilfsinitiativen zugutekommen. Solar-Pionier und Koordinator des Projekts, Willi Ernst von der Biohaus-Stiftung, sagte während der Eröffnung: „Was wir hier tun, ist nötig, um unseren Planeten zu retten. Und dass wir es hier tun, ist nötig, damit möglichst viele dem Beispiel folgen. Denn nur zusammen schaffen wir das.“

Die Idee zur Schaffung des Smart-Grids entstand bereits 2010 infolge des verheerenden Erdbebens, das auch Teile der Infrastruktur gerade in der Hauptstadtregion Haitis zerstörte. Der Landwirtschaftsunternehmer und seit sieben Monaten amtierende Präsident Haitis, Jovenel Moïse, kündigte unlängst ein äußerst ehrgeiziges energiepolitisches Programm an. Innerhalb von 24 Monaten soll das ärmste Land der westlichen Hemisphäre unter anderem mithilfe von solaren Energiequellen komplett elektrifiziert werden. Zudem sollen die hohen Importzölle auf Photovoltaik-Produkte entfallen. (Cornelius Wüllenkemper)