DGS: Neue Norm für Photovoltaik-Balkonmodule auf gutem Weg

Derzeit wird mit Hochdruck an der neuen Norm VDE 0100-551 gearbeitet. Bei einer Sondersitzung des dafür zuständigen Arbeitskreises der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) zeichnete sich nach Angaben der DGS-Initiative „PVplug“ nun ab, dass die Einspeisung von Strom aus sogenannten Photovoltaik-Balkonmodulen in gemischte Stromkreise künftig normgerecht möglich sein wird. Die neue Norm werde sich an der HD 60364-5-551:2010 orientieren, womit in Deutschland die Einspeisung in den Endstromkreis möglich werde, berichten Teilnehmer des Treffens. Die Sondersitzung war einberufen worden, nachdem gegen einen ersten Entwurf zur Neufassung der Norm DIN VDE 0100-551-1 vom vergangenen September hunderte Einsprüche. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenergie (DGS) hat nach eigenen Angaben die Einsprüche mit Gutachten untermauert, die der Einspeisung in gemischte Stromkreise Gefahrlosigkeit bescheinigten.

Für einen normkonformen Anschluss müsse ein Elektriker den Stromkreis auf Reserven prüfen. Wenn keine Reserven vorhanden seien, könnten diese durch einfaches Herabsetzen der Sicherung erzeugt werden. Der Elektriker installiere eine System-Steckdose und markiere diese mit der Leistungsreserve. „Wenn die Norm so gültig wird, ist dies schon ein großer Schritt nach vorn, der ursprüngliche Entwurf sah ja ein generelles Verbot der Einspeisung in gemischte Stromkreise vor“, sagte Marcus Vietzke, Sprecher der DGS-Initiative „PVplug“. Noch keine Entscheidung gebe es zu den Einsprüchen, die auf eine Bagatellgrenze für Stecker-Solar-Geräte oder die Zulassung von Überlast erkennenden Solar-Geräten abzielten. Bezüglich der Bagatellgrenze werden durch eine Untersuchung der DGS derzeit noch geklärt, ob für alle Leitungen im Bestand kurzfristig ein höherer Maximalstrom zulässig sei, so Vietzke weiter.

Momentan sehe es zudem so aus, dass mit der neuen Norm auch die Forderung nach einer Systemsteckdose verbunden sein werde. Die DGS habe Ende vergangenen Jahres einen Antrag für die Erstellung einer eigenen Produktnorm für Stecker-Solar-Geräte gestellt. Der DKE-Arbeitskreis 373.0.4 „Steckerfertige PV-Systeme“ werde sich in Kürze konstituieren. Im Endeffekte könnte der Schuko-Stecker für diese Geräteklasse dann zur Norm werden, hieß es weiter. Darauf müssten allerdings Besitzer von Photovoltaik-Balkonmodulen nicht warten. Für die Auseinandersetzungen mit Netzbetreibern, die Stecker-Solar-Anwender immer wieder führen müssten, sei die zukünftige Norm nicht relevant. Nach einem Urteil der Clearingstelle dürften die Netzanbieter den Anschluss über einen Schuko-Stecker bereits jetzt nicht verbieten.„Anwender sollten sich von Netzbetreibern nicht verunsichern lassen und sich auf pvplug.de informieren, wenn sie ein Schreiben erhalten, in dem mit rechtlichen Konsequenzen gedroht wird“, sagt Vietzke dazu. Die Neuregelung werde in jedem Fall für mehr Klarheit sorgen. (Sandra Enkhardt)