Anhaltende Konsolidierung treibt Übernahmen und Fusionen in Energiewirtschaft

Das Volumen an Übernahmen und Fusionen in der Energiewirtschaft ist im vergangenen Jahr um 47 Prozent auf 293 Milliarden US-Dollar gewachsen. Der Umbruch der Branche, angetrieben durch erneuerbare Energien und die Digitalisierung, aber auch die stabilen Erträge in der Energiewirtschaft, hätten zu steigenden Interesse an Transaktionen geführt, so ein am Montag veröffentlichtes Ergebnis des Report „Power and Renewables Deals 2017“ von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Auch die anhaltende Konsolidierung innerhalb der Energiebrache habe zu dem starken Anstieg beigetragen.

Für das laufende Jahr sind die PwC-Analysten nicht mehr ganz so optimistisch. Die Aussichten seien aber trotz einiger politischer Unsicherheiten grundsätzlich gut. „Viele Marktteilnehmer befürchten eine Korrektur der Klimaschutzpolitik durch den neuen US-Präsidenten. Der grundlegende Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien und der weltweite Trend hin zum Abbau von Investments mit hohen CO2-Emissionen sind aber nicht aufzuhalten“, erklärt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC. Auch weil erneuerbare Energien weiter an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Zudem sorgten innovative Technologien, wie Energiespeicherung und intelligentes Einspeisemanagement, für zusätzliche Optionen. Auch die Elektromobilität verbreite sich weltweit. Neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle resultierten aus diesen Entwicklungen.

Zudem stimmen nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer auch die Rahmenbedingungen im Energiesektor. „Für Investoren sind die stabilen, oft über einen längeren Zeitraum kalkulierbaren Erträge in der regulierten Energiewirtschaft nach wie vor attraktiv. Deswegen rechnen wir damit, dass das Interesse an Fusionen und Übernahmen groß bleibt und die Bewertungen potenzieller Kaufkandidaten weiter steigen“, so Schwieters weiter. Vor allem das Interesse von institutionellen Investoren und Infrastrukturfonds habe im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Sie seien an Transaktionen im Wert von 65 Milliarden US-Dollar beteiligt gewesen – nach 37 Milliarden US-Dollar 2015.

Der Stromsektor der Energiewirtschaft sei mit 148,7 Milliarden US-Dollar der mit Abstand wichtigste Bereich für Transaktionen gewesen. Rund 38 Milliarden US-Dollar an Deals seien auf erneuerbare Energien entfallen. Dies sei ein Rückgang um 31 Prozent gegenüber 2015. Am Gesamtvolumen für Übernahmen und Fusion habe der nordamerikanische Markt mit 167 Milliarden US-Dollar den größten Anteil. Dies sei ein neuer historischer Höchstwert. Allein 87 Milliarden US-Dollar gingen auf Fusionen und Übernahmen in den USA zurück. Während die Deals 2016 deutlich angestiegen seien, verlieren sie mittlerweile wieder etwas an Fahrt, wie es in dem PwC-Bericht heißt. Ein Grund sei die Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen anzuheben, was die Finanzierungskosten insgesamt erhöhe.

In Europa sei die Zahl der Fusionen und Übernahmen im vergangenen Jahr um knapp 20 auf 326 Deals gesunken; der Wert der Transaktionen jedoch von 39 auf 51 Milliarden US-Dollar gestiegen. Der noch ungewisse Ausgang des Brexit und die Wahlen in Frankreich und Deutschland sorgen derzeit für etwas Unsicherheit auf dem Kontinent. Die Auswirkungen auf den Märkt schätzt PwC als nicht so stark ein. „In einem Umfeld mit niedrigen Zinsen und vergleichsweise schwachen Wachstum bleiben Transaktionen im Energiesektor in Europa weiter attraktiv“, so Schwieters. (Sandra Enkhardt)