2016 erneut mehr neue Photovoltaik-Speicher als Elektroautos in Deutschland

Wie schon 2015 sind auch im vergangenen Jahr wieder mehr Photovoltaik-Batteriespeicher in Deutschland neu installiert worden als Elektroautos neu zugelassen worden. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen nutzte die Veröffentlichung der Autodaten durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Mittwoch erneut um diesen Vergleich zu ziehen. Nach ersten Hochrechnungen der Wissenschaftler sind in Deutschland im vergangenen Jahr mindestens 15.000 privat betriebene Photovoltaik-Speicher installiert worden. Dem stehen 11.410 neu zugelassene Elektroautos aus dem vergangenen Jahr gegenüber.

Beide Zahlen liegen unter dem Niveau von 2015. Allerdings weist Kai-Philipp Kairies von der RWTH Aachen, die die wissenschaftliche Evaluierung der KfW-Speicherförderung verantwortet darauf hin, dass die genaue Zahl der neuen Photovoltaik-Speichersysteme für das vierte Quartal noch nicht ganz sicher sei. Es müssten die Verkaufszahlen der Hersteller abgewartet werden. Die KfW hatte die Speicherförderung im Oktober auf Eis legen müssen, da die Bundesmittel für den Tilgungszuschuss ausgeschöpft waren. Seit 1. Januar läuft das Förderprogramm nun wieder. Für 2015 hatten die Wissenschaftler rund 20.000 neu installierte Photovoltaik-Speichersysteme in Deutschland vermeldet.

Die Zahl der neuen Elektroautos in Deutschland stagniert weiterhin auf niedrigem Niveau. Dabei hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr ein milliardenschweres Förderprogramm aufgelegt, dass die Elektromobilität in Deutschland voranbringen soll. Nach Angaben des Bundesamts für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (BAFA) sind gerade einmal 9.023 Anträge auf die Kaufprämie für Elektroautos und Plug-In-Hybride gestellt worden. Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos ist im Jahresvergleich von 12.363 auf 11.410 trotz Anreizprämie gesunken.

Dabei haben sich die Verkaufszahlen für Neuwagen in Deutschland gegenüber den Vorjahren weiter erhöht. Nach KBA-Angaben gab es knapp 3,4 Millionen Neuzulassungen. Neuwagen mit alternativen Antriebsarten kamen demnach auf einen Anteil von zwei Prozent. Knapp 48.000 Hybride hübschen diese Statistik auf. Die 11.410 reinen Elektroautos machen gerade einmal 0,3 Prozent der Neuzulassungen auf deutschen Straßen aus.

Ist in diesem Jahr eine Trendwende zu erwarten? Dies ist sicher schwer vorherzusagen. Ziemlich sicher ist sich Forscher Kairies allerdings, dass die Mittel für die nun wieder aufgenommene KfW-Speicherförderung wohl auch in diesem Jahr nicht reichen werden. Zehn Millionen Euro sind 2017 im Fördertopf, aus dem der Tilgungszuschuss von nun gesenkten 19 Prozent für die Käufer von privaten Photovoltaik-Batteriespeichern finanziert wird. „In Deutschland wird etwa jede zweite neue private Photovoltaik-Dachanlage mit einem Batteriespeicher installiert“, sagt Kairies pv magazine. Die Quote von 50 Prozent sei in den vergangenen zwei Jahren relativ stabil gewesen und werde sich wohl auch weiterhin in diesem Rahmen bewegen. „Ein anziehender Photovoltaik-Markt in Deutschland wird dem Speichermarkt helfen“, so Kairies mit Blick auf die zuletzt wieder steigenden Installationszahlen bei Photovoltaik-Anlagen. Die zehn Millionen Euro Fördermittel haben im vergangenen Jahr gerade einmal für sieben Monate gereicht, da das neue KfW-Förderprogramm auch erst mit Verspätung zum 1. März gestartet war.

Weit weniger Sorgen um auslaufende Fördermittel müssen sich dagegen Interessenten von Elektroautos und Plug-In-Hybriden machen. Im vergangenen Jahr sind gerade einmal gut 32 Millionen Euro der 1,2 Milliarden Euro für die Kaufprämie abgerufen worden. Der Fördertopf, zu dem die Bundesregierung 600 Millionen Euro beisteuert und der bis maximal 2019 reichen soll, ist damit noch prall gefüllt. Ob es in diesem Jahr ein Schub für die Elektromobilität geben wird, hängt aber wohl maßgeblich von den Herstellern ab, die ihr Potenzial bei der Entwicklung von neuer Elektroautos sicher noch lange nicht ausgeschöpft haben. Zudem hapert es noch an der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Doch auch hier will die Bundesregierung mit dreistelligen Millionenbeträgen Abhilfe schaffen. Bleibt abzuwarten, ob die Elektroautos schon in diesem Jahr dann an den Photovoltaik-Batteriespeichern vorbeiziehen können. (Sandra Enkhardt)