Photovoltaik-Zubau in Europa sinkt im Vergleich zum Vorjahr deutlich

Ein aktueller Bericht des europäischen Solarverbands Solarpower Europe zeigt, dass in Europa im dritten Quartal 2016 neue Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1,56 Gigawatt installiert wurden. Damit sei der Zubau um zehn Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden dem Solarverband zufolge in Europa rund 5,3 Gigawatt Photovoltaik installiert. Das entspreche einem Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 6,5 Gigawatt zugebaut wurden.

Ein wesentlicher Grund für den geringeren Zubau sei ein starker Nachfragerückgang in Großbritannien, nachdem dort die Einspeisevergütung für kleinere Anlagen gekürzt und das Förderprogramm für große Solarkraftwerke zum Ende des ersten Quartals beendet wurde. Im vergangenen Jahr hatte Großbritannien 4,1 Gigawatt Photovoltaik neu installiert, in den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es nur noch 1,5 Gigawatt – das meist davon im ersten Quartal.

In einigen anderen europäischen Märkten sei die Nachfrage nach Solarenergie auch gestiegen, sagt Solarpower Europe. Einer der stärksten Wachstumsmärkte sei zum Beispiel die Türkei. Wie sich der Markt in Zukunft entwickeln wird, sei aber aufgrund der dortigen politischen Situation und der starken protektionistischen Maßnahmen nur sehr schwer vorherzusagen.

Falls sich das vierte Quartal ähnlich wie im Vorjahr entwickelt, liege der Gesamtzubau in Europa im Jahr 2016 bei rund 7,1 Gigawatt und damit um 17 Prozent niedriger als im Jahr 2015, in dem noch 8,6 Gigawatt installiert wurden.

Michael Schmela, Vorstandsvorsitzender und Leiter Market Intelligence bei SolarPower Europe, sagt: "Angesichts der Pariser COP21-Vereinbarung ist es bedenklich, dass sich das Wachstum des europäischen Solarmarkts verlangsamt, vor allem jetzt, wo Photovoltaik in viele europäischen Regionen die kostengünstigste Stromquelle geworden ist."

Schmela zieht dann noch einen Vergleich mit anderen Regionen. Während der Zubau in Europa rückläufig ist, würden die USA ihren Zubau im Vergleich zum Vorjahr vermutlich um 88 Prozent steigern können und insgesamt 14,1 Gigawatt neuer Photovoltaik-Anlagen installieren. In China würden in diesem Jahr möglicherweise rund 30 Gigawatt zugebaut. Das wäre mehr als der gesamte Photovoltaik-Zubau in Europe in den vergangenen drei Jahren.

James Watson, CEO von Solarpower Europe, plädiert dafür, den Einspeisevorrang für Erneuerbare in jedem Fall beizubehalten und die vorgeschlagenen EU-Ausbauziele von 27 auf 35 Prozent zu erhöhen. Außerdem sollte der vorgeschlagene Ansatz für Kapazitätsmechanismen verbessert werden, um die Stromerzeugungsüberkapazitäten in Europa abzubauen. (Mirco Sieg)