Wie Abakus Solar in Encomes Strategie passt

Warum hat Encome den Projektierer und Betriebsführer Abakus Solar gekauft?

Burkhard Söhngen: Encome verfolgte von Beginn an die Strategie zu wachsen, auch durch Zukäufe. Wir haben allein in den vergangenen 18 Monaten drei Unternehmen gekauft. Die letzte Transaktion war Abakus Solar. Das Unternehmen war uns als qualitativ sehr hochwertiger Projektierer und Betriebsführer aufgefallen. Und wir wussten von deren Vorhaben, in Großbritannien große Mengen an neuen Anlagen zu begleiten. Auch für uns ist das ein wichtiger Markt. Abakus war deshalb strategisch für uns eine große Bereicherung, aber auch durch die Mitarbeiter und ihr Know-how.

Waren Sie dann eher an dem Betriebsführungs- oder dem Projektgeschäft interessiert?

Vor allem an der Betriebsführung, die ja auch unser Kerngeschäft ist. Auch die Projektierung ist uns wichtig. Das Einzige, was wir immer noch nicht machen, ist bauen, um die Interessenkonflikte zwischen Errichtung und Betriebsführung zu vermeiden.

Wie unterstützt Sie das Projekt-Know-how von Abakus bei Ihrem Design-to-operate-Konzept?

Wir stellen bei vielen Kunden fest, dass es sehr schwierig ist, im Nachhinein die Betriebskosten deutlich zu senken. Dabei könnte man mit geringen zusätzlichen Investitionen in der Projektierungs- und Bauphase die langfristigen Kosten viel stärker beeinflussen. Diese Lücke versuchen wir mit zusätzlichem Know-how in der Planungsphase und mit unserem Konzept Design-to-operate zu schließen.

Sie übernehmen auch Verfügbarkeits- und Performance-Ratio-Garantien. Wie teilen Sie sich die Verantwortlichkeiten mit den EPCs?

Robin Hirschl: Wir stehen als Designer der Anlage für die Planung gerade und später als Betriebsführer für die Reaktionszeiten in der Fehlererkennung und -behebung. Der EPC ist für alle Bauleistungen verantwortlich. Wenn also die garantierte Performance aufgrund einer nicht optimalen Planung verfehlt wird, kann der Kunde über seinen Vertragspartner, den EPC, auf uns durchgreifen. Sie haben eine deutliche Trennung zwischen den Baurisiken, die beim EPC liegen, und den Risiken der Betriebsführung, die beim O&M-Provider liegen. Damit vermeiden Sie den typischen Interessenkonflikt, der entsteht, wenn der, der baut, auch unmittelbar den Betrieb führt. Denn wenn ein Baumangel ersichtlich wird, stellt sich die Frage: Zeigt der EPC ihn an? Wann zeigt er ihn an? Rettet er sich erst einmal über die Gewährleistungsfrist? Oder macht er das, was ein ordentlicher Betriebsführer tun muss, nämlich die Hand heben?

Burkhard Söhngen: Wenn man das Modell zu Ende denkt, dann ist es für alle eine Bereicherung. Der EPC kann sich auf seine Kernaufgabe konzentrieren und so schnell wie möglich zum nächsten Entwicklungs- und Errichtungsprojekt vorgehen. Er muss sich nicht um die Serviceinfrastruktur kümmern. Dafür hat er einen unabhängigen und erfahrenen Partner an der Seite, der sicherstellt, dass etwaige Garantien gedeckt sind. Und alles kommt dem Investor zugute.

Wie sehen die Vertragsverhältnisse zwischen den beteiligten Parteien aus?

Üblicherweise ist es so, dass in den ersten zwei Jahren, also während der Gewährleistungsfrist, der EPC noch der unmittelbare Vertragspartner des Investors ist und wir die Nachunternehmer des EPCs. Direkt im Anschluss kann das direkte Vertragsverhältnis auf uns übergehen. Es gibt aber auch die Konstellation, dass uns ein Investor mit der Planung beauftragt und wir uns dann gemeinsam einen Errichter suchen, der dann „nur“ baut, während wir sofort mit Inbetriebnahme die Betriebsführung übernehmen.

Das Gespräch führten Michael Fuhs und Cornelia Lichner