Überzeugungstäter

Noch immer denken viele Bauträger und Architekten vor allem an Dämmung und effiziente Gasheizungen, wenn sie die Anforderungen zum Beispiel der Energieeinsparverordnung (EnEV) oder von KfW-Effizienzhäusern erfüllen wollen. Das sei aber heute nicht mehr zeitgemäß, meint eine Gruppe, die sich als „Energiearchitekten“ bezeichnet. Zumindest dann nicht, wenn sich die gewählten Maßnahmen darin erschöpfen.

Die Gruppe, die bislang aus elf Installateuren und einem Speicherhersteller besteht, will vor allem Aufklärungsarbeit leisten und mit Referenzprojekten zeigen, dass die neuen Konzepte nicht nur nachhaltiger, sondern mittel- bis langfristig auch billiger sind. Natürlich sei es nicht schlecht, ein Gebäude besser zu dämmen oder schlecht isolierende Fenster gegen neue auszutauschen, sagt René Busch vom Installationsunternehmen B&W Energy. „Wir wollen aber darüber hinausgehen, indem wir auch den CO2 -Ausstoß von Heizung und Auto auf ein Minimum reduzieren.“ Die Energie dafür soll zu größtmöglichen Teilen aus selbst erzeugtem Ökostrom stammen. Das ist im Prinzip nichts Neues. Etliche Installationsbetriebe setzen auf ähnliche Konzepte. Die Idee, sich jetzt zusammenzutun, entspringt der Vorstellung, die neuen Technologiekonzepte über die Plattform der Energiearchitekten besser sichtbar machen zu können und damit letztlich auch neue Kundengruppen zu erschließen.

Energie selbst erzeugen

Im Kern der Betrachtungen steht ein niedriger Primärenergieverbrauch. Vorgaben im Baubereich machen zum Beispiel die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) vom Januar 2016 oder die Förderbedingungen der KfW-Bank für KfW-Effizienzhäuser. Diese Vorgaben kann man mit neuen Technologien einhalten und damit im Vergleich zu herkömmlichen Energieeffizienz-Konzepten Geld sparen (siehe pv magazine Juni 2016, ab Seite 12). Die mittlerweile je nach Förderung sehr hohen Anforderungen an die Absenkung des Primärenergiebedarfs sind mit herkömmlichen Methoden zum Teil nur noch schwer zu erreichen. Für ein KfW-Effizienzhaus 40 Plus ist eine lokale, erneuerbare Stromversorgungsanlage sogar Pflicht, genauso wie ein Batteriespeicher, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Visualisierung der wichtigsten Energiedaten.

Das kommt den Zielen der Energiearchitekten entgegen. Sie wollen neben Strom auch Wärme im Gebäude erzeugen, zum Beispiel mit einer Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe oder KWK-Anlage. Dadurch lässt sich der Primärenergiebedarf von Gebäuden effizienter reduzieren als durch eine übermäßige Dämmung, meint zum Beispiel Holger Laudeley von Laudeley Betriebstechnik, einer der Energiearchitekten. Im Studium habe er noch gelernt, dass man zunächst so viel wie möglich dämmen sollte und sich erst danach um die Technik kümmert, die den Primärenergieverbrauch weiter senken kann. „Heute sehe ich das eher umgekehrt“, sagt er. Auch weil er schon eine schlechte Erfahrung gemacht hat. In einem eigenen Haus, das nun seine Tochter bewohnt, habe er gedämmt bis zum Gehtnichtmehr. Der Primärenergiebedarf sei dadurch aber kaum gesunken. „Da hätten wir auch ein normales Niedrigenergiehaus bauen können.“

Ein weiteres Konzept, das Laudeley regelmäßig in eigenen Projekten umsetzt, ist die Gebäudeautomatisation mittels Bus-System. Wenn man Raumtemperaturregelung, Lichtsteuerung und Jalousien über ein Smart-Home-System verbindet, ist das seiner Darstellung nach günstiger, als drei getrennte Insellösungen zu installieren. Darüber hinaus könne man durch eine intelligente Steuerung auch den Energieverbrauch des Gebäudes senken. „In einem Beispielprojekt konnten wir dadurch den Primärenergiebedarf um rund 25 Prozent verringern.“

Bauherren und Architekten erreichen

Doch was heute machbar ist, ist nach Einschätzung von René Busch vielen Akteuren aus der Baubranche noch nicht bewusst. „Zumindest nehmen wir wahr, dass viele Bauträger und Architekten in ihrer Beratung nicht auf unsere modernen Energielösungen eingehen“, sagt er. Bei der Planung würden die neuen Möglichkeiten daher oft nicht berücksichtigt.

Hier wollen die Energiearchitekten ansetzen. Auf der Webseitewww.meine-energiearchitekten.de sollen neue Konzepte und Referenzprojekte vorgestellt werden. Auch eine gemeinsame Infobroschüre ist geplant. Zudem wollen die Energiearchitekten Seminare für Architekten anbieten, unter anderem über die Architektenkammern. „Wir wollen das Baugewerbe systematisch auf erneuerbare Energien umstellen, nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand“, sagt Andreas Piepenbrink. „Das heißt, wir wollen auch die richtig dicken Bretter bohren. Dazu müssen wir auf die Architekten und Bauträger zugehen und ihnen unsere Konzepte erläutern.“

Gemeinsam konkurrenzlos

Was die Energiearchitekten eint, ist der Glaube an die neuen Technologiekonzepte. Für Andreas Piepenbrink ist es eine Philosophiefrage. Die Entwicklung gehe zur Verstromung, sowohl bei der Heizung als auch im Verkehr, und ohne diese sei die Energiewende nicht zu bewerkstelligen, sagt er. Jeder wisse, dass es mit 75 Prozent Marktanteil von Gasbrennwertkesseln im Neubau nicht funktionieren wird. Daher lässt er auch das Argument nicht gelten, dass die Verstromung den Stromverbrauch im Winter erhöht, wenn die Photovoltaikanlagen nur wenig Ertrag bringen.

Konkurrenzdenken spiele unter den Mitgliedsunternehmen keine Rolle, beteuern die Akteure. Im Gegenteil: „Wir wollen gemeinsam die Idee vorantreiben und uns bei der Umsetzung von Projekten gegenseitig unterstützen“, sagt Martin Pape vom Installationsunternehmen Actensys. Das sei zum Teil auch nötig, meint René Busch. Um die hohen Anforderungen zum Beispiel von einem KfW-Effizienzhaus 40 Plus zu erreichen, ist viel gewerkeübergreifendes Know-how und auch eine unabhängige Energieberatung gefragt. „Aber nicht jedes Installationsunternehmen hat Erfahrung mit allen Technologien.“ Daher könne es sowohl im Neubau als auch im Bestand Projekte geben, die so komplex sind, dass man sie alleine nicht stemmen kann. „Dann lösen wir das im Verbund.“

Mitmachen erwünscht

Auch E3/DC-Geschäftsführer Andreas Piepenbrink ruft andere Unternehmen auf, sich der Gruppe anzuschließen. Das gelte auch für andere Speicherhersteller oder auch Modulhersteller und Heizungsbauer. Ein Gebietsschutz oder ein Zwang, nur Produkte bestimmter Hersteller zu verwenden, sei für die Idee nicht förderlich. Aus seiner Sicht sollten die Installateure unter den Energiearchitekten Handwerksgemeinschaften bilden und eng mit verschiedenen Heizungsbauern, Energieberatern und Bauträgern zusammenarbeiten, die die gleichen Konzepte vertreten. „Je mehr mitmachen, desto besser. Wir sollten alle an einem Strang ziehen, um die Sichtbarkeit für die Idee zu erhöhen.“

Wie sich die Energiearchitekten rechtlich aufstellen wollen, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Idee für die Plattform ist noch jung. Das erste Kick-off-Meeting fand im Juli statt, seitdem gibt es regelmäßige Treffen. Wahrscheinlich wird es auf einen eingetragenen Verein hinauslaufen, erklärt Andreas Piepenbrink. „Dann kann jeder mitmachen, der die Idee unterstützt.“ Außerdem solle bei dem Zusammenschluss nicht der Profit im Vordergrund stehen. Der Verein selbst soll also kein Geld erwirtschaften. Die Mitgliedsunternehmen sollen aber durch die Idee, die der Verein vertritt, mehr Aufträge generieren und so auch mehr Geld verdienen können. Das sei auch gut so, meint Piepenbrink. Wirtschaftliches Interesse sei schließlich eine wichtige Triebfeder von Innovation. (Mirco Sieg)