Quaschning watscht Baake ab

Volker Quaschning ist als einer der größten Verfechter der Energiewende in Deutschland bekannt. Auf dem 3. Bürgerenergiekonvent nutzte der HTW-Professor die Gelegenheit, um dem anwesenden Staatssekretär Rainer Baake die aktuellen Fehlentwicklungen der deutschen Energiepolitik direkt unter die Nase zu reiben. Während sich die Bundesregierung international gern als Vorreiter bei Energiewende und Klimaschutz gibt, reicht die derzeitige Politik nicht aus, die Versprechen einzuhalten. Bis 2040 sei eine CO2-freie Energieversorgung notwendig, wenn man die Ziele bei der Erderwärmung erreichen wolle. „Davon ich in der deutschen Politik noch nichts gehört“, sagte Quaschning. Während es im Stromsektor in den vergangenen Jahren einige Erfolge gegeben habe, liege der Anteil der Erneuerbaren über alle Sektoren gerechnet erst bei zwölf Prozent. Wenn diese Politik fortgesetzt werde, werde Deutschland erst im Jahr 2150 die Energiewende abschließen können.

Vortrag von Volker Quaschning auf Youtube.

„Wir liegen so dermaßen daneben, wenn wir das Klimaziel von 1,5 Grad erreichen wollen“, sagte Quaschning weiter. Es gehe nicht um kleine Korrekturen, sondern erhebliche Änderung, wie einen raschen Kohleausstieg und einen deutlich stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien in allen Sektoren – Strom, Wärme und Verkehr.Dazu hatte Quaschning bereits im Juni eine Studie der HTW Berlin vorgestellt. Für eine konsequente Energiewende seien so 400 Gigawatt Photovoltaik in Deutschland bis 2040 notwendig. Derzeit liegt die installierte Photovoltaik-Leistung in Deutschland bei 40 Gigawatt. Die Ergebnisse dieser Studie schlug er nun auch Staatssekretär Baake um die Ohren.

Er forderte von der Bundesregierung eine „Energierevolution“, bei der die Menschen mitgenommen würden und nicht gegen sie gestaltet werde. „Gegeneinander werden wir die Welt nicht retten können, deswegen sollten wir es gemeinsam versuchen“, sagte Quaschning in Richtung Baake. Die Energiekonzerne hätten nicht das Geld, um die Energiewende in Deutschland zu stemmen. Die Bürger, die aus Sicht der Regierung wahrscheinlich wie Zwerge wirkten, doch „wir sind ganz, ganz viele Zwerge“. Die mehr als 81 Millionen Menschen in Deutschland verfügten über ein Geldvermögen von über 5000 Milliarden Euro. „Wir können die Energiewende vom Sparbuch bezahlen“, sagte Quaschning weiter. Er fügte in Richtung Baake hinzu: „Nehmen sie doch dieses Engagement an und lassen sie die Bürger doch die Anlagen bauen.“

Zur Seite sprang Quaschning nun auch der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber. „Es muss der unmittelbare Kohleausstieg stattfinden, sonst werden wir auf der internationalen Bühne nicht ernstgenommen", sagte er am Donnerstag auf der Zeit-Konferenz Energie & Klimaschutz. Schellnhuber begrüßte zwar die Einigung auf der Klimakonferenz in Paris, doch die Ergebnisse seien nicht ehrgeizig genug. Selbst mit Umsetzung der Klimaziele sind wir im Risikobereich." Nun sei es notwendig, mit "Hochgeschwindigkeit gesellschaftliche Veränderungen" umzusetzen, schon alleine wegen der nachfolgenden Generation, sagte er weiter. (Sandra Enkhardt)Link zum Video mit Volker Quaschnings Vortrag