Second-Life-Batterien bieten gewaltiges Potenzial für Energiewende

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„Wir sind in einer Revolution“, sagt Gerard Reid bei der Vorstellung seiner Studie „Second Life-Batterien als flexible Speicher für Erneuerbare Energien“ am Donnerstag in Berlin. Speicher sind nach seiner Ansicht eine Schlüsselkomponente der Energiewende. Zugleich haben sie ein riesiges Potenzial, denn anders als Solarmodule seien sie vielfältig einsetzbar. Mit der zunehmenden Digitalisierung verschiedener und Elektromobilität haben sich die Kapazitäten für Batterien in den vergangenen Jahren massiv gesteigert. Gleichzeitig sinken die Kosten. Diese Entwicklung steht allerdings erst am Anfang.

In seiner Kurzstudie, die Reid gemeinsam mit Javier Jules im Auftrag des Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und die Hannover Messe angefertigt hat, geht es speziell um Second Life-Batterien, also ausgemusterte Batterien aus Elektrofahrzeugen, die im Zuge der Energiewende noch an anderen Stellen sinnvoll eingesetzt werden können. Unter der Annahme, dass die Bundesregierung ihr Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 erreicht, könnte Deutschland 2025 über eine ans Stromnetz angeschlossene Speicherkapazität von knapp 25 Gigawattstunden verfügen. Dies würde ausreichen, um ganz Deutschland eine halbe Stunde lang mit Strom zu versorgen, heißt es in der Studie. Seine Rechnung ist dabei einfach. Die Batterien der Elektroautos sind in der Regel nach fünf Jahren nicht mehr leistungsfähig genug für die Fahrzeuge und müssen getauscht werden. Sie können dennoch eingesetzt werden, um etwa Regelenergie anzubieten.

Eines der ersten Pilotprojekte dazu setzt derzeit das Schweizer Unternehmen The Mobility House AG (TMH) mit gebrauchten Smart-Batterien von Daimler in Lünen um. Der stationäre Speicher soll über eine Kapazität von 13 Megawatt verfügen. TMH-Vorstandschef Thomas Raffeiner geht davon aus, dass die Second Life-Batterien „locker noch 40 bis 50 Jahre“ halten werden. Angelegt ist das Projekt auf sieben Jahre, dann hätten sich die Batterien amortisiert. Das Recycling solle dann eigentlich nach 20 Jahren erfolgen. Möglich sei dies, weil die Batterien nicht mehr volle Ladezyklen durchliefen, erklärt Raffeiner auf Nachfrage von pv magazine. TMH betreibe die Batterien im Projekt immer um ihren optimalen Ladestand herum, daher gebe es kaum Alterungserscheinungen.

Allerdings geht Raffeiner noch einen Schritt weiter. Er sieht die Zukunft in aggregierten Schwarmspeichern. Dies bedeute, dass man sowohl die Batterien der Elektrofahrzeugen auf den Straßen und in den Garagen nutzt sowie zusätzlich die ausgemusterten Batterien in stationären Speichern. Auch dazu gibt es bei THM erste Testversuche. Ein Problem sind allerdings die derzeit bestehenden Rahmenbedingungen in Deutschland. BEE-Geschäftsführer Hermann Falk fordert etwa die Erhöhung von Anreizen für die Umsetzung von Second Life-Batterieprojekten. Zudem dürften Speicher nicht doppelt mit Abgaben für das Be- und Entladen mit Strom belastet werden, so Falk. Auch die Entwicklung flexibler Strommärkte müsse vorangetrieben werden, um die Wertsteigerung und die Flexibilität des Systems zu quantifizieren und zu realisieren können, ergänzt Studienautor Reid. Dafür müssten Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber sowie Behörden zusammenarbeiten.

Wie groß das Potenzial sein könnte, zeigt Reid von Alexa Capital in seiner Studie auf. Kostete die Kilowattstunde eines Lithium-Ionen-Pakets im vergangenen Jahr noch 500 Euro, seien es dieses Jahr noch 300 Euro und 2020 würden es nur noch 150 Euro sein. Eine Second Life-Batterie liefere jedoch schon heute Strom für 150 Euro pro Kilowattstunde. „Damit werden Second Life-Batterien schon in den nächsten Jahren einen zusätzlichen Schub bei der Kostensenkung von Batterien leisten können“, sagt Reid. Er rechnet in seiner Studie mit Kostensenkungen von 15 Prozent jährlich bei Batteriespeichern. Gleichzeitig werde sich die Produktion von Batteriespeichern bis 2020 vervierfachen. 50 Prozent aller Akkus müssten dann nach fünf bis sieben Jahren Lebensdauer recycelt werden.

Elementar sei nun aber, dass die Bundesregierung endlich Elektroautos fördere, sagt Reid. Dies sei nicht nur für die Energiewende wichtig, sondern auch für die deutschen Autobauer, die er bei der Elektromobilität schon im Hintertreffen sieht. Verglichen mit den günstigen Elektroautos, wie etwa von dem chinesischen Anbieter BYD, oder den technisch ausgereifteren Modellen von Tesla hinkten die Elektroautos deutscher Marken schon heute hinterher. Die Entscheidung von Daimler, nun auch Photovoltaik-Batteriespeicher anzubieten, sei ein riesiger Schritt für den Konzern gewesen, ergänzt Raffiner. BEE-Geschäftsführer Falk verweist darauf, dass Daimler auch 500 Millionen Euro in eine weitere Batteriefertigung in Kamenz investieren will. Doch nach Ansicht von Reid werden sich die Player auf dem Energiemarkt der Zukunft noch deutlich wandeln und die deutschen Unternehmen müssten jetzt etwas tun, um den Anschluss nicht zu verpassen. Gerade bei der Elektromobilität hat Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern wenig bewegt. (Sandra Enkhardt)

entnommen aus der Kurzstudie, Seite 27,Link zur Studie

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