Investor übernimmt Mehrheit an Graciosa-Projekt von Younicos

Das Graciosa-Projekt des Berliner Speichersystemintegrators Younicos hat einen neuen Mehrheitseigner bekommen. Der dänische Finanzinvestor Recharge hat 50,1 Prozent an dem von Younicos entwickelten System übernommen, das einen Gesamtwert von 24 Millionen Euro erreicht. „Diese Investition wird weit über Graciosa hinaus Wirkung zeigen. Zusammen mit Recharge schaffen wir eine vollkommen neue Anlageklasse für Erneuerbare“, sagt Stephen Prince, CEO von Younicos.

Der Strom aus dem Projekt wird über einen Stromabnahmevertrag (PPA) mit dem lokalen Versorger EDA verkauft. Die erzielten Kosteneinsparungen, die im Vergleich zu einer Stromerzeugung mittels Dieselgeneratoren entstehen, sollen unter den Investoren und den portugiesischen Endverbrauchern aufgeteilt werden. Younicos meldet, dass dieses Abkommen gerade von der portugiesischen Regulierungsbehörde ERSE ratifiziert wurde. Scott Macaw, Mitgründer und Direktor von Recharge sagt: „Das bei diesem Projekt erstmals angewandte Geschäftsmodell macht die Finanzierung von Erneuerbaren zu einem attraktiven Investment, das überall dort wiederholt werden kann, wo Strom durch teuer importierten Diesel erzeugt wird.“

Seit mehr als fünf Jahren engagiert sich der Berliner Speicherhersteller Younicos bereits auf der Azoreninsel Graciosa. Ziel ist es, die Stromversorgung der Insel zu nahezu 100 Prozent auf Wind- und Solarstrom umzustellen. Dies soll unter anderem durch große Batteriespeicher möglich werden. Im April 2015 kündigte der Schweizer Batteriehersteller Leclanché eine Kooperation mit Younicos auf Graciosa an. Leclanché liefert seit dem hauseigene Batteriespeichersysteme mit Lithium-Ionen-Zellen für das Projekt. Das Investmentunternehmen Recharge, das auch Mehrheitsaktionär von Leclanché ist, stellte damals zudem eine Wandelschuldverschreibung in Höhe von 3,5 Millionen Euro für die Projektsteuerungsgesellschaft Graciolica von Younicos bereit.

Aktuelle Entwicklungserfolge feiert das Graciosa-Projekt mit der Fertigstellung einer Ein-Megawatt-Photovoltaikanlage durch das Bauunternehmen DST. Ein Windpark mit 4,5 Megawatt Leistung befindet sich derzeit ebenfalls im Bau. Der Batteriepark mit final 3,2 Megawattstunden Speicherkapazität wird im Moment mit Lithium-Speicherzellen von Leclanché ausgestattet. Nachdem alle Komponenten fertiggestellt und angeschlossen sind, soll es das Energiemanagementsystem von Younicos ermöglichen, mit dem netzbildenden Batteriekraftwerk kurzfristige Stromschwankungen auszugleichen. So könnten die rund 4.500 Einwohner von Graciosa ihren Strom teilweise vollständig aus Wind und Sonne beziehen. Der Dieselmotor müsse dann nur noch genutzt werden, wenn die Wetterbedingungen langanhaltend ungünstig bleiben. (Mirco Sieg)