Es fehlt ein schlüssiges Konzept

Mit der Speicherförderung ging es am Ende schneller als alle Beteiligten gedacht haben. Während des pv magazine Gesprächs am Nachmittag des 25. November diskutierten Thomas Bareiß, der für die CDU im Bundestag sitzt, Kai-Phillip Kairies von der RWTH Aachen und Andreas Piepenbrink, Geschäftsführer des Speicherherstellers E3/DC noch über die Speicherförderung und wie der zu diesem Zeitpunkt noch geplante Wegfall verhindert werden könne. Ein Tag später teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, dass die Speicherförderung doch noch weitergeht.

Über die Energiepolitik lässt sich natürlich trotzdem noch ausgiebig diskutieren. Im Folgenden stellen wir einige Aussagen zusammen.

Zum Podcast

Andreas Piepenbrink bemängelt, dass es immer noch keine Linie gebe (zum nachhören: ab 25 Min, 25 Sek.). Das zeigt sich zum Beispiel an der Diskussion um die Einnahmeausfälle, wenn durch Eigenverbrauch Umlagen und Abgaben sinken. Das sei nämlich nicht das Problem der Stromspeicher, sondern der fehlenden Strategie. Bei der Elektromobilität wirke der gleiche Effekt. Wenn die Bundesregierung Elektroautos in großem Maßstab haben will, müsse sie sich überlegen, wie sie die Mindereinnahmen durch die Minaralölsteuerausfälle kompensiert. „Da gibt es keine Pläne. Wir werden genauso über die Anzahl der Elektroautos rumdiskutieren, wie wir über die Stromspeicher rumdiskutieren“, sagt Piepenbrink. „Es fehlt das Konzept“. Man müsse überlegen, wo will man hin, und wie macht man das. Stattdessen werde der Mangel verwaltet und der Umbau behindert.

Holger Laudeley hat ein Mietshaus aus den 70er Jahren energetisch mit Batteriespeicher, Photovoltaik, Wärmepumpe und BHKW saniert.Die die Energie wird für die Bewohner billiger, die Mieten steigennicht und für den Vermieter amortisiert sich die Investition. Dafür hat er den pv magazine Award bekommen. Mehr dazu in dem letzten Webinar der von E3/DC Reihe am Donnerstag, 17.12. um 15:00, Andreas Piepenbrink und Holger Laudeley.Zur Anmeldung

Thomas Bareiß ist bezüglich eines Masterplans skeptischer. „Ich höre schon seit vielen Jahren, wir brauchen einen Masterplan“, sagt er. Die Energiewende sei aber sei ein „Riesenprojekt“, und die Randbedingungen veränderten sich sehr schnell.

Der CDU-Politiker sieht nicht, dass Deutschland auf einem schlechten Weg ist. Was die Umlagen und Abgaben betrifft, müsse man dem Sachverhalt Rechnung tragen, wenn diejenigen, die die Umlagen und Abgaben aufbringen müssen sagen, dass sie die Lasten nicht mehr tragen können. Diesem Sachverhalt müsse man Rechnung tragen. Man könne das über Steuern finanzieren oder über einen Fond die Lasten in die Zukunft zu verschieben. Bareis ist beiden Vorschlägen gegenüber skeptisch. „Wir müssen schauen, dass wir dieses in sich stimmige System der Umlage aufrecht erhalten und dass wir nicht wieder einen Turbo auslösen und alle in die Eigenstromregelung reinspringen, weil sie ein Sparmodell sehen“, sagt er. „Wir müssen schauen, dass wir das moderat gestalten“.

Bezüglich der Förderung waren die drei Diskutanten einer Meinung. „In der frühen Phase ist es gerechtfertigt, dass wir eine Förderung geben“, sagt Thomas Bareiß, der sich vor zwei Jahren und jetzt wieder für die Speicherförderung stark gemacht hat. Er sieht die Energiewende als großes Technologieprojekt, das große Chancen für Industrieunternehmen in Deutschland schaffe.

Wirtschaftlichkeit der Energiespeicher

Für viele ist die Gretchenfrage, wie wirtschaftlich Batteriespeicher sind und werden. „Wir werden Preisdegressionen nur sehen, wenn wir entsprechende Stückzahlen bekommen. Das gilt für das Elektroauto genauso wie für den Hausspeicher“, sagt Andreas Piepenbrink (bei 6 Min.). „Die Stückzahlen sind nicht da“. Damit sich diese entwickeln können, bedürfe es einer langfristigen Perspektive für „verlässliche Marktteilnehmer und nicht für Late-state-Startups“ und wenn für die Energieversorger eine wirtschaftliche Basis gegeben sei, an diesem Markt teilzunehmen.

Die Motivation zum Speicherkauf lag bisher nach den Umfrageergebnissen der RWTH Aachen allerdings nicht hauptsächlich in einer vermeintlichen oder echten Wirtschaftlichkeit. „Entscheidend ist tatsächlich die Partizipation an der Energiewende, das Interesse an der Technologie, oder auch der Wille, sich unabhängig vom Stromversorger zu machen“, sagt Kai-Phillip Kairies (bei 9 Min.). Aus technischer Sicht habe das Förderprogramm aber Standards etabliert. In einem fortgesetzten sei die Idee, diese Standards weiter zu entwickeln. „Es geht darum, dass der Speicher nicht nur dem Haushalt nutzt, der den Eigenverbrauch hat, sondern dass er eine Netzdienlichkeit hat, und dass die umgesetzt werden muss“.

Die Förderung sei ein Gesamtpaket, die für sorge, dass weiterhin im Bereich Speicher investiert wird, sagt Thomas Bareiß (bei 9 Min. 25 Sek.). Dazu gehöre die Standardsetzung, die ja auch eine gewisse Qualitätssicherung widerspiegele. Außerdem: „Durch die weitere Förderung schaffen wir auch eine weitere Preissenkung hinzubekommen“, sagt er. „Ich glaube, dass wir in zwei bis drei Jahren sehen, dass wir ohne die Förderung zurechtkommen“, sagt er. Das gute sei, dass im Gegensatz zu anderen Subventionsmechanismen die Gesamtsumme gedeckelt sei. „Die kleine Summe müssen wir auch als Technologieförderung sehen“.

Preisentwicklung bei Batteriespeichern

Das hat auch schon bisher gewirkt. Außer dass die Förderung Standards gesetzt hat, seien die Preise bei Lithium-Ionen-Speichersystemen seit Mitte 2013 die Preise drastisch um etwa 30 Prozent gefallen (bei 12 Min.). Bei Bleispeichern seien die Preise weniger gefallen. Der Markt bezüglich der Batterietechnologie sei „total gekippt“. Mitte 2013 bis Mitte 2014 hätten die Kunden überwiegend Bleibatterien gekauft. In den letzten zwei Quartalen seien dagegen 70 bis 80 Prozent der verkauften Systeme mit Lithiumbatterien ausgestattet worden. „Das zeigt, dass möglicherweise durch das KFW-Förderprogramm der Markt so in Schwung kommt, dass er sich jetzt schneller konsolidieren kann“.

Allerdings seien die Batteriepreise gar nicht gefallen, gibt Andreas Piepenbrink zu Bedenken, sondern die Hersteller der Batterien hätten ihre Investitionskosten anfangs umgelegt und dann nicht mehr (ab 16 Min.). „Sie können also schon mit wenigen tausend Speichern sogar spezifische Batterieentwicklungen relativ schnell abbezahlen“, sagt er. In zwei bis drei Jahren werde es Skaleneffekte bei Wechselrichtern und Energiemanagementsystem geben. Vor allem werde die Autoindustrie leistungsfähigere Elektroautobatterien in die Häuser bringen, da diese „die Batterien einfach habe“. Es gehe darum, den Übergang fließender zu machen und die Stückzahlen steigt zu steigern, damit er sich seriös entwickeln könne. (Michael Fuhs)

Hier können Siedas gesamte Gespräch nachhören.

In der aktuellen pv magazine Ausgabe finden Sie ein Roundtable-Gespräch der Leiter der nach dem RWTH-Monitoring vier führenden Hausspeicherhersteller Deutsche Energieversorgung, SMA, Sonnenbatterie und E3/DC über die Haltbarkeit, über die Wirtschaftlichkeit und über die Systemdienlichkeit der Hausspeicher. (Wie lange halten Batteriespeicher?,16, 20 oder 40 Cent pro Kilowattstunde,Was Speicher der Energiewende bringen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.