16. Forum Solarpraxis: Wie dezentral wird die neue Energiewelt?

Das 16. Forum Solarpraxis in der vergangenen Woche trug den Titel "Wege in die neue Energiewelt". Im Fokus vieler Sessions der Konferenz stand deshalb das Thema, wie zentral oder dezentral die neue Energieversorgung werden soll und welche Konzepte und Rahmenbedingungen es dafür braucht. Immerhin 750 Teilnehmer hatten sich angemeldet, um darüber zu diskutieren – darunter viele Vertreter der Photovoltaik- und Speicherbranche, aber auch von Stadtwerken und konventionellen Energieversorgern. Die Konfrontation zwischen neuer und alter Energiewelt blieb aus. Einig waren sich die Teilnehmer, dass der Umbau der Energieversorgung Geld kostet und dass die Betreiber konventioneller Kraftwerke mitgenommen werden müssten. „Auch die Kohle- und Atomkraftwerke sind mit Staatswillen gebaut worden“, sagte Karl-Heinz Remmers, Vorstandschef des Veranstalters Solarpraxis „Neue Energiewelt“ AG. Nun müsse der Markt rückwärts gedacht werden, wenn man wieder neue Regeln aufstelle.

Bei den derzeit herrschenden rechtlichen Rahmenbedingungen monierte Clemens Triebel, Chef des Berliner Speicherpioniers Younicos, dass derzeit eine Entsolidarisierung der Gesellschaft befördert werde. Es gebe keine Anreize, die die Menschen am Netz hielten. Jeder versuche nur noch seinen Eigenverbrauch zu optimieren und werde so irgendwann auch noch das letzte Kilowatt selbst erzeugen, so Triebel weiter. Jochen Kreusel von ABB betonte, dass auch künftig ein System gebraucht werde, dass Energie liefere, wenn die Menschen sie brauchten. Auch deshalb hält er es für sinnvoll, dass Preissignale über das Netz gesendet werden sollten. Zudem müsse das Stromnetz stärker europäisch betrachtet werden. Die Entwicklung der Speichertechnologie gehört ebenso zur neuen Energiewelt. Die gerade von Steag angekündigten Großprojekte sind dabei ein Fingerzeig.

Mit Blick auf die letzten 20 Prozent – also die Kraftwerksleistung, die bei einem Anteil von 80 Prozent erneuerbaren Energien noch gebraucht werden – klang der Tenor durch, dass es viel zu wenig Vertrauen in die Innovationskraft der Branche gebe. Holger Krawinkel von MVV Energie fand dazu auch einen Grund. Die Politik habe Angst vor einem Kontrollverlust. „Wir sollten mehr Optimismus ausstrahlen. Die Bürger wollen die Energiewende und wir müssen ihnen die Produkte für bieten“, sagte Krawinkel.

Volker Quaschning, Professor an der HTW Berlin, rief zudem dazu auf, dass Markthemmnisse abgebaut werden müssten. Gerade auch aus Klimaschutzgründen sei eine Verzehnfachung des derzeitigen Photovoltaik-Zubaus in Deutschland notwendig, so Quaschning auf dem 16. Forum Solarpraxis in Berlin. Thomas Volz, Vorstandschef von Astronergy Deutschland, zeigte sich hingegen enttäuscht, dass die Politik derzeit den Erneuerbaren gegenüber so wenig Interesse aufbringe. „Die Politik müsste wegen des Klimaschutzes auf die Erneuerbaren-Energie-Branche zugehen“, so sein Wunsch. Zugleich müsse die Branche aber auch die Bevölkerung besser aufklären und den Druck erhöhen. Volz forderte vor diesem Hintergrund wie Veranstalter Karl-Heinz Remmers eine Vereinigung der vielen Erneuerbaren-Verbände, um dem eigenen Anliegen politisch mehr Gewicht zu geben. (Sandra Enkhardt)