16, 20 oder 40 Cent pro Kilowattstunde

Michael Fuhs (pv magazine): Neben der Qualität sind die Kosten der Speicher ein zentraler Punkt in der Diskussion. Wenn wir eine einfache Abschätzung machen, rechnen wir Preis durch Zyklenzahl mal Kapazität. Wir haben das in unserer Marktübersicht gemacht. Die Zyklenzahl haben wir dazu schon auf 5.000 gedeckelt, weil ein Hausspeicher in Deutschland in 15 bis 20 Jahren kaum mehr Zyklen leisten kann. Dann kommen wir auf Speicherstromkosten zwischen 20 und 40 Cent pro Kilowattstunde, wobei 20 Cent die Ausnahme sind. Wo können und müssen wir hinkommen?

Volker Wachenfeld (SMA): Das sind zwei Fragen: können und müssen. Das Müssen ist immer durch die Differenz zu den Ersparnissen definiert, die die Applikation hergibt. Tun wir mal so, als blieben der Strompreis und die Erzeugungskosten stabil, dann müssen wir unter 16 bis 17 Cent speichern können. Wenn der Strompreis weiter steigt, wird es besser. Ebenso wenn die Erzeugungskosten aus Photovoltaik oder KWK weiter fallen.

Fuhs: Dann brauchen wir jetzt noch die Antwort auf die Frage nach dem Können. Sind Speicherstromkosten von 16 oder 17 Cent pro Kilowattstunde für Hausspeicher realistisch?

Andreas Piepenbrink (E3/DC): Die Mathematik, die Sie machen, ist nicht richtig. Nur mit Großspeichern kann man zu so niedrigen Kosten pro Speicherkilowattstunde kommen. Wir hier in der Runde sind alle im kleinteiligen Privatkundengeschäft engagiert, wo die Kostenstruktur zwangsweise schlechter ist. Sie haben acht bis zehn Cent Erzeugungskosten, um den Speicher zu laden. Die Stromspeicher haben zwischen 30 und 60 Prozent Verluste, die sie durch zusätzliche Erzeugung ausgleichen müssen. Das heißt, die Speicherkilowattstunde Solar kostet Sie schon 14 bis 16 Eurocent Grundpreis nur zum Laden, ohne dass Sie die Speicherinvestition rechnen. Zu der Kostenentwicklung: Die reinen Speichereinkaufspreise liegen jetzt schon bei 350 bis 400 Euro pro Kilowattstunde und werden noch deutlich sinken, aber nicht in dem Maße wie in der Vergangenheit. Alle anderen Komponenten, die wir verbauen, sind aus reiferen Industrien und haben daher auch nicht mehr den gleichen Preisverfall wie die Zellen in der Vergangenheit. Und es gibt auch noch Vertriebskosten, Handwerkskosten und Margen. Ich glaube daher nicht, dass mit Heimspeichern 14 bis 16 Cent Erzeugungskosten auf die gespeicherte Kilowattstunde realistisch sind, da wird man eher bei 30 bis 40 Cent liegen. Und ich glaube nicht, dass es gut ist, dem Kunden einzureden, dass die Speicherkilowattstunde so viel günstiger wird. Die Kilowattstunde Speicherstrom wird sich bei 18 bis 20 Cent pro Kilowattstunde im Eigenheim einpendeln.

Wachenfeld: Die Verluste sind wirklich entscheidend. Wenn Sie die Hälfte des Stromes in Verlusten verbrennen – ich habe auch schon solche Systeme am Markt gesehen –, dann müssen Sie in der Rechnung die Erzeugungskosten verdoppeln. Auch beim Strompreis wird teilweise mit astronomischen Steigerungen gerechnet. Das würde ich nicht tun. Das heißt, wir müssen den Speicherstrom günstiger machen. Ich würde sagen, wir sind heute bei 40 Cent pro Kilowattstunde. Dann müssen wir diese Kosten dritteln. Das ist natürlich anspruchsvoll. Die Speicherkosten an sich werden weiter fallen, allerdings auch nicht bis ins Bodenlose. Und bei den zylindrischen Zellen glaubt man heute, dass sie noch mal zehn Prozent günstiger werden, aber mehr wird nicht gehen.

Mathias Hammer (Deutsche Energieversorgung): Wenn ich 20 Prozent Verluste rechne, also einen Wirkungsgrad von 80 Prozent, kann man auf 14 bis 16 Cent Speicherkosten kommen.

Piepenbrink: Alle, die hier im Raum sitzen, haben aber wesentlich schlechtere Normnutzungsgrade als im Datenblatt für Kunden ersichtlich. Insbesondere dann, wenn man in den Übergangszeiten Herbst und Winter einspeichert. Ein realistischer Wirkungsgrad eines extrem guten Speichers liegt bei 70 bis 75 Prozent im Realbetrieb, bei AC-Systemen bei 50 bis 60 Prozent und bei Bleisystemen teilweise unter 50 Prozent.

Hammer: Das ist nicht richtig. Bei Blei hat man einen höheren Wirkungsgrad als 50 Prozent. Den voltaischen Wirkungsgrad kann man ganz simpel rechnen: eingeladene durchschnittliche Spannung durch ausgeladene Spannung. Dann komme ich in etwa auf 80 Prozent. Das ist bestimmt bei den einen mehr und bei den anderen weniger. Was sagen Sie, Herr Wachenfeld?

Wachenfeld: Herr Piepenbrink spricht ja den Jahresnutzungsgrad an. Der Jahresnutzungsgrad, gerade wenn man die älteren Systeme untersucht, ist deutlich schlechter. Da ist viel Optimierung notwendig. Wir arbeiten daran, dass wir gerade in der Übergangszeit so wenig wie möglich ein- und ausspeichern und nicht mit niedrigen Leistungen von zum Beispiel 100 Watt laden und entladen. Das treibt den Wirkungsgrad in den Keller. Ich halte Jahresnutzungsgrade von 80 Prozent für realisierbar, aber vielleicht nicht mit einer Bleibatterie.

Hammer: Wir haben Lithium- und Bleibatterien im Programm. Der Spannungshub bei einem Lithiumakku ist viel größer als bei einem Bleiakku. Wenn ich den voltaischen Wirkungsgrad eines Bleiakkus nehme, ist der also sogar höher.

Wachenfeld: Ja, der Spannungshub schon. Aber der Amperestunden-Wirkungsgrad der Bleibatterie sorgt für deutlich mehr Verluste. Es gibt genügend Untersuchungen von verschiedensten, auch renommierten Instituten, die das ausgemessen haben.

Piepenbrink: Wir sehen also, dass für die Branche Handlungsbedarf besteht. Nur wenn wir es schaffen, Wirkungsgrade und Intelligenz zu erhöhen, werden wir die Chance haben, in die Nähe der veröffentlichten Zahlen zu kommen. Was den reinen Gerätepreis angeht, bin ich immer noch skeptisch.

Fuhs: Heißt das, die Speicherförderung ist noch wichtig? Herr Ostermann von der Sonnenbatterie hat in der Vergangenheit die Speicherförderung eher zwiespältig gesehen. Wie sehen Sie das heute, Herr Koch?

Oliver Koch (Sonnenbatterie): Generell ist eine Förderung gut, um eine neue Industrie in den Markt zu bringen. Das hat hervorragend funktioniert. Langfristig sind solche Förderungen aber schwierig. Aus unserer Sicht geht es auf der einen Seite darum, wie man weiterhin ein politisches Signal setzen kann, dass man Speicher und erneuerbare Energien in Deutschland weiter voranbringen will. Auf der anderen Seite muss man einen Pfad aufzeigen, der nicht bis in alle Ewigkeit die Förderung festschreibt.

Fuhs: Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft der Speicherförderung?

Hammer: Ich wünsche mir eine Speicherförderung, die nicht an einen Kredit gekoppelt ist, sodass sie einfacher abzuwickeln ist. Man könnte einfach 200 Euro Zuschuss pro Kilowattstunde Speicherkapazität geben.

Wachenfeld: Das ist sicherlich ein Thema, sowohl beim Gesetzgeber als auch bei den Verbänden. Die versuchen intensiv, etwas zu bewegen. Um überhaupt eine politische Chance auf eine Verlängerung der Förderung zu haben, muss man aber das Thema Netzdienlichkeit noch stärker in den Vordergrund stellen. Es könnte zum Beispiel sein, dass es eine stärkere Begrenzung der Leistung geben wird, die man einspeisen darf und die derzeit bei 60 Prozent der Nennleistung der Photovoltaikanlage liegt.

Fuhs: Nehmen wir an, die Speicherförderung würde tatsächlich auslaufen. Erwarten Sie, dass der Markt nächstes Jahr trotzdem wächst?

Hammer: Ja, auf jeden Fall.

Koch: Das sehen wir bei der Sonnenbatterie genauso.

Wachenfeld: Wenn man schon länger an einem geförderten Markt existiert, gibt es, wenn sich Modelle ändern und sich die Öffentlichkeit dessen gewahr wird, schon meistens erst mal einen Einschnitt. Auch wenn wir heute immer wieder feststellen, dass nur ungefähr die Hälfte der Systeme gefördert wird, wird es diesen Effekt geben. Danach würde man aber feststellen, dass der Markt trotzdem funktioniert und wieder wachsen wird. Ob wir nächstes Jahr ein echtes Plus hinbekommen oder vielleicht doch eher eine Stagnation sehen werden, traue ich mich aber heute noch nicht einzuschätzen.

Piepenbrink: Ich komme ja nicht aus geförderten Industrien, aber wenn ich mir den Heizungsbau ansehe, dann lebt die Branche seit über 50 Jahren von Förderungen, insbesondere was die technische Sanierung angeht. Es würde doch kein einziger Wärmepumpenhersteller überleben, wenn der Markt nicht gefördert würde. Ich weiß nicht, ob man wirklich ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn private Investments in der Größenordnung von 15.000 bis 20.000 Euro oder mehr gefördert werden. Ich sage es mal so: Für andere Branchen ist eine Förderung eine Selbstverständlichkeit. Nur die Solarbranche hat offensichtlich ein schlechtes Gewissen, weil sie jahrelang gegen die Energielobby überfördert und viel zu stark wachsend gearbeitet hat. Ich habe dazu ein anderes Verhältnis. Ich denke, dass der Fördersatz richtig und alternativlos ist. Außerdem ist die Frage, gegen wen man antritt. Wir haben keine Angst vor den Teilnehmern, mit denen wir hier gerade diskutieren. Wenn aber Börsenmilliarden von Tesla nach Europa gewürfelt werden und wenn Konzerne wie Samsung einfach mal so ein paar Hundert Millionen Euro abschreiben können, weil sie ihre Geräte hier in den Häusern installieren möchten, ist es für den deutschen Mittelstand schwieriger. Wenn jetzt wieder ein Preisdumping in einen fragmentierten Markt mit weniger als 20.000 Einheiten pro Jahr kommt, wird es deutlich härter.