RWE und EDF offen für neue Ideen

Am Mittwoch und Donnerstag präsentierten in Berlin rund 100 junge Unternehmen aus ganz Europa ihre Innovationen im Energiebereich. Dort hat beispielsweise Helioslite aus Frankreich einen Tracker vorgestellt, der nach eigener Aussage 30 Prozent weniger Metall pro Quadratmeter benötigt und langlebiger und tragfähiger sei als Lösungen auf dem Markt. Sensus Energy aus den Niederlanden hat eine Elektronik auf Zellebene entwickelt, mit der Zellen statt wie heute in Reihe parallel geschaltet werden könnten, was vor allem bei Verschattung den Ertrag erhöhe. Dies ist ein ähnliches Thema wie die Optimizer, die seit einigen Jahren auf dem Markt sind und das Problem auf Modulebene angehen. Gramma aus Italien präsentierte die Kombination aus Gewächshaus und Photovoltaik. Das gibt es durchaus schon auf dem Markt. Mitgründer Jacopo Rubbia sieht aber die Vorteile ihrer Entwicklung darin, dass sie schon drei Jahre Felderfahrung hätten und dass ihr Gewächshaus genauso viel wie ein normales Gewächshaus kostet. „Dazu kommen die Kosten für die Photovoltaik.“

Auch Speicher-Entwicklungen waren auf der Veranstaltung in Berlin zu finden. Elestor aus den Niederlanden hat zum Beispiel eine Redox-Flow Batterie auf Brom-Basis entwickelt und ist davon überzeugt, dass sie viermal kostengünstigeren Speicherstrom produzieren kann als die bereits erhältlichen Vanadium-Flow-Batterien.

Die Idee des Organisators KIC Innoenergy ist einfach: Man muss Forschungsinstitute und Geschäftswelt zusammenbringen. Die zukünftigen Game-Changer sollen so entstehen, innovative Produkte und Dienstleistungen sowie natürlich erfolgreiche Unternehmen, so KIC InnoEnergy. Das Unternehmen wird vom Europäischen Institut für Technologie unterstützt. Dies ist ein offizielles EU-Institut und hat 27 Gesellschafter, darunter Forschungsinstitute und namhafte Industrieunternehmen wie ABB und EnBW. Es fördert junge Unternehmen, viele davon aus dem Forschungsumfeld, teilweise mit Geld, teilweise mit Beratung.

Viele Unternehmen kommen aus dem Umfeld der Forschungsinstitue. So zum Beispiel Solelia Greentech. Gründer Per Wickman arbeitete früher am schwedischen Royal Institute for Technology. Solelia hat ein System entwickelt, das es „Solarbank“ nennt. Wenn zum Beispiel ein Solarstromproduzent und ein Betreiber einer Elektrotankstelle an dem Zertifikathandel teilnehmen, wird sichergestellt, dass die Autos bilanziell mit dem Solarstrom aufgeladen werden. Jetzt eruiert er, inwiefern das Modell auf andere Länder übertragbar ist. Ein Ziel von Kic Innoenergy ist gerade die länderübergreifende Vernetzung.

Solche Start-ups haben zunehmend auch in Europa Möglichkeiten. So haben die großen Energieversorger einen Kulturwandel durchlaufen, wie Inken Braunschmidt von RWE und Valery Prunier von EDF bezeugten. „Früher wollten wir immer, dass es unser IP ist“, erklärt Braunschmidt, die den RWE Innovation Hub leitet. Heute seien sie offen für alle Arten der Zusammenarbeit. Über sie könnten junge Unternehmen Zugang zu den 23 Millionen Stromkunden des Unternehmens bekommen, sie könnten mit Lizensierungsmodelle kooperieren oder es gebe auch direkte Investments. So kooperiere RWE auch mitBidgeley aus Kalifornien, das Analyse für Verbrauchsdaten von Privatkunden entwickelt, und Nest, das durch den Einstieg von Google weltbekannt wurde.

„Wir wollten früher das gesamte Ecosystem kontrollieren“, sagt auch Prunier von EDF. „Aber wir können die Wellen nicht stoppen, sondern wollen auf ihnen surfen.“ EDF ist über Electranova Capital zum Beispiel anFirstfuel beteiligt, aktiv bei der Analyse der Verbrauchsdaten von Gewerbekunden. Das geht durchaus auch gemeinsam mit anderen großen Versorgern. So hat Eon ebenfalls in das amerikanische Start-up investiert. )Michael Fuhs)

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Von Anfang anWer Innovationen sucht, muss einen Blick auf Start-ups werfen. Wir haben uns auf die Suche gemacht und wollten dabei nicht nur verstehen, was sie tun, sondern auch warum sie es tun und unter welchen Bedingungen sie arbeiten.