SAFE: Handelsbarrieren hemmen deutsches Photovoltaik-Handwerk

Die Vereinigung Solar Alliance für Europe (SAFE) hat ihre Forderung nach einem Auslaufen der Anti-Dumping-Maßnahmen für chinesische Photovoltaik-Hersteller in der EU erneuert. Damit würde wieder für eine steigende Photovoltaik-Nachfrage gesorgt und dies würde dem Handwerk in Deutschland helfen. „Durch den Wegfall von Handelsbeschränkungen wird der Solarmarkt entscheidend belebt werden“, erklärte SAFE-Sprecher Holger Krawinkel. Nach Ansicht der im Juni gegründeten Vereinigung könnten rund 50.000 Handwerksbetriebe in Deutschland Photovoltaik-Anlagen installieren; viele hätten sich aber in den letzten Jahren aufgrund der rückläufigen Nachfrage vom Photovoltaik-Markt verabschiedet.

SAFE reagiert mit seiner Meldung auf Ankündigung vom Montag, dass sich 111 Installationsbetriebe der Vereinigung EU Prosun angeschlossen haben. Diese hatte die Anti-Dumping- und Subventionsbeschwerde bei der EU-Kommission gegen die chinesischen Hersteller eingereicht hatte, die schließlich 2013 in der Verabschiedung des derzeit geltenden Undertakings mit Mindestimportpreisen und Volumenbegrenzungen für chinesische Hersteller mündete.

„Kurzfristig kann es für Installateure, aber auch Großhändler, attraktiv erscheinen, wenn Preise, zum Beispiel durch Zölle, künstlich hochgehalten werden. Ich verstehe die Kollegen, die sich scheinbar EU Prosun anschließen, wie jetzt bekannt wurde. Allerdings teile ich die Meinung nicht, dass Strafzölle auf chinesische Module den Installateuren langfristig Aufträge sichern. Statt eines hochpreisigen Nischenmarktes brauchen wir in Europa günstigere Solarenergie. Davon profitieren dann auch wieder Tausende von Installationsbetrieben“, erklärte Michael Tittmann, Geschäftsführer von Tittmann Solar aus Waiblingen, zur Lage der Installationsbetriebe.

Der Photovoltaik-Markt in Deutschland ist derzeit auf einem Niveau von 1,2 bis 1,4 Gigawatt angekommen. Damit ist er weit vom Zielkorridor der Bundesregierung, die den anvisierten jährlichen Zubau im EEG 2014 bei jährlich 2400 bis 2600 Megawatt festgeschrieben hat, weit entfernt. „Wir sitzen in der Nische fest“, erklärte SAFE-Sprecher Holger Krawinkel. Wer den Installateuren Hoffnungen mache, die Politik werde diese Tendenz durch eine Erhöhung der Vergütung umkehren, streue ihnen Sand in Augen. „Die einzige realistische Chance für eine Erholung des deutschen und europäischen Solarmarkts besteht in der Abschaffung der Strafzölle. Sinken die Modulpreise, kann auch Solarenergie günstiger erzeugt werden und die Nachfrage steigt wieder“, erklärte Krawinkel.

Er sieht zudem die Kapazitäten des Handwerks noch fünfmal höher als allein schon für den Photovoltaik-Zubau von rund 2,5 Gigawatt benötigt würden. SAFE kommt auf die Zahl von 50.000 Handwerksbetrieben, die Photovoltaik in Deutschland installierten könnten, indem es aus den knapp 56.000 Handwerksbetrieben des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) die reinen Elektronikbetriebe rausrechnet. Dies bestätigte nun SAFE-Sprecher Holger Krawinkel auf Anfrage von pv magazine. Der ZVEH vertritt nach eigenen Angaben 55.579 Unternehmen aus den drei Handwerken Elektrotechnik, Informationstechnik und Elektromaschinenbau. Der Verband gehört zu den Unterstützern von SAFE.

In der Mittelfristprognose hatten zuletzt die Übertragungsnetzbetreiber ein relativ düsteres Szenario für die Entwicklung des Photovoltaik-Marktes in Deutschland bis 2020 gezeichnet. Sie gehen davon aus, dass bis dahin der anvisierte Zubau jedes Jahr unter der politischen Zielmarke liegen wird. „Angesichts der nach wie vor erschwerten Wirtschaftlichkeit wird der Ausbaupfad der Bundesregierung (2400 – 2600 Megawatt) dennoch in keinem der Szenarien erreicht“, heißt es in der Studie, die die Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichten. Als Grund für die rückläufige Marktentwicklung in den vergangenen Jahren werden dabei die Degression der Solarförderung, die internationale Preisentwicklung sowie die Unsicherheit der Ausschreibungsverfahren für Photovoltaik-Freiflächenanlagen genannt.

Das Undertaking läuft offiziell bis zum 8. Dezember. EU Prosun hat im Namen von mehr als einem Dutzend europäischer Photovoltaik-Hersteller im September eine Auslaufprüfung bei der EU-Kommission beantragt. Wenn die EU-Kommission diesem Antrag nachkommt, gilt das Undertaking zumindest für die Zeit der Überprüfung weiter. (Sandra Enkhardt)