Batteriespeicher: Alle vier Wochen ein Prozent günstiger

Speicher werden alle vier Wochen um ein Prozent günstiger, ein Prozent zyklenfester und ein Prozent energiedichter! Das sagte Lars Thomsen, Gründer und Chief Futurist von Future Matters auf der Tagung "World of Mobility" Anfang Juli in Berlin. Thomsen, der als einer der einflussreichsten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum gilt, schließt daraus, dass es nicht nur aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, Mobilität mit regenerativ hergestelltem Strom zu betreiben. Rechnet man die Prozentwerte auf die Zeit hoch, so werden die Speicher nach der Prognose rund zwölf Prozent pro Jahr günstiger, in fünf Jahren rund 50 Prozent. Gründe dafür sind unter anderem Fortschritte in der Chemie der Batterien und Skaleneffekte durch eine Steigerung der Batterieproduktion. Die Speicher werden außerdem mobiler und bieten eine höhere Reichweite. Thomsen erwartet, dass spätestens 2017 Speicher weniger als 200 US-Dollar pro Kilowatt kosten. „Der Durchbruch im öffentlichen Bereich kommt, sobald die Controller erkennen, dass sich Busse aber auch die anderen kommunalen Fahrzeuge mit Elektroantrieb günstiger betreiben lassen“, sagt Thomsen.

Einen weiteren Schub für Energiewende und Elektromobilität wird es dann geben, wenn die Speicher in den Fahrzeugen bidirektional arbeiten, also Energie bei Bedarf auch wieder in das Netz einspeisen können. Damit können Zusatzleistungen für die Netzstabilität geleistet und vergütet werden, die das Modell gerade für Kommunen aber auch für Privatleute noch attraktiver machen.

Elektromotor günstiger als Verbrennungsmotor

Die Zukunftsforscher beurteilen auch die Marktentwicklung für elektrisch angetriebene private PKW sehr optimistisch. Der Elektromotor mit einem Wirkungsgrad von etwa 90 Prozent wird in naher Zukunft die kostengünstigere Alternative zum Verbrennungsmotor sein. Hier summieren sich zwei Trends: Zum einen wird die Energiegewinnung aus Erneuerbaren Energien, egal ob Photovoltaik, Wind, Wasser, Biogas oder andere Energiegewinnungsformen mit steigender Lernkurve und zunehmender Skalierung immer günstiger. Zum anderen gibt es die bereits erwähnten massiven Verbesserungen beim Stromspeicher.

Damit die Akzeptanz für E-Autos beim Autofahrer steigt, muss der Nutzer im Zentrum der Überlegungen der Entwickler stehen. So hat Tesla begonnen, ein eigenes Netz von Supercharger-Ladestationen für seine Fahrzeuge aufzubauen. Mindestens alle 130 Kilometer sollen entlang der Autobahnen die entsprechenden Ladestationen stehen, die in 20 Minuten die Batterien für 270 Kilometer Fahrt aufladen. Auch wenn man diskutieren kann, ob es Sinn macht, für eine Marke ein eigenes Netzwerk von Ladestationen aufzubauen, so muss man doch zugestehen, dass sich das Unternehmen darüber Gedanken macht, wie die erlernte Nutzererfahrung auf diese neue Form des Antriebs übertragen werden kann. Ein Ladevorgang von 20 Minuten entspricht der typischen Pause eines Autofahrers an der Autobahnraststätte. Dadurch, dass er, anders als beim herkömmlichen Tankvorgang, während des Ladens nicht am Auto bleiben muss, kann er in der Zeit die Toilette aufsuchen und einen Kaffee trinken. Anschließend hat das Fahrzeug wieder Energie für etwa drei Stunden Fahrt.

Brauchbare Tarifmodell und Bezahlverfahren entscheidend

Andere Unternehmen tun sich noch deutlich schwerer, ihr Angebot an die bestehende Kundenerfahrung anzupassen. EnBW zeigte durchaus eindrucksvoll die öffentliche Lade-Infrastruktur, die sie im Rahmen des ALIS-Projektes im Stuttgarter Raum aufgebaut hat. Mit diesem Projekt verbindet sich auch der Wunsch des Unternehmens, Full-Service-Provider für Elektro-Mobilität zu sein. Befremdlich sind allerdings die Tarifmodelle, die EnBW dafür anbietet. Ein monatlicher Grundtarif und danach ein Zeittarif, je nachdem wie lange das Auto an der Ladesäule steht, entsprechen nicht der Erfahrung und Erwartung, die Kunden vom bisherigen Tankvorgang kennen. Es kann sich wahrscheinlich niemand vorstellen, eine monatliche Grundgebühr an das Tankstellennetz seiner Wahl zu zahlen, um dann dort bei Bedarf tanken zu dürfen.

Allerdings sind im Bereich der Abrechnung in Zukunft die größten Veränderungen zu erwarten. Dabei geht es um Themen wie Authentifizierung und Bezahlverfahren. Hier werden sicher Smartphones mit entsprechenden Apps in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Zudem haben die Energieversorger an dieser Stelle natürlich noch mit der Wirtschaftlichkeit der Lade-Infrastruktur zu kämpfen. Erst ab bundesweit etwa 600.000 Elektroautos, so die Experten auf der Konferenz, beginnt sich der Betrieb der öffentlichen Ladesäulen zu rechnen. Dagegen wirken die Zulassungszahlen für Elektrofahrzeuge in Deutschland im Juni 2015 noch recht ernüchternd: Es wurden nur 224 Tesla, 130 BMW i3 und 36 BMW I8 zugelassen. Glaubt man allerdings den Zukunftsforschern, so ist der massive Durchbruch von Elektrofahrzeugen nur noch eine Frage der Zeit. (Rüdiger Mühlhausen)

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