„Es mangelte an politischem Willen“

Ende Dezember wurde die Solarinitiative München (SIM) abgewickelt. Auf Ihre Initiative war das Unternehmen 2010 gegründet worden. Sind Sie enttäuscht?

Sabine Nallinger: Ich bin schon viel früher enttäuscht gewesen, weil ich gemerkt habe, dass die SIM ein großes Potenzial hat, aber der politische Wille fehlte.

Woran lag es?

Die SPD als deutlich stärkerer Teil der rot-grünen Stadtregierung hat hier ihren Einfluss geltend gemacht. Nach anfänglicher großer Sympathie für dieses Projekt des damaligen Oberbürgermeisters Christian Ude ließ bei der praktischen Umsetzung die politische Unterstützung aus der SPD-Fraktion zunehmend nach. Meine Idee war es, dass der OB zunächst für das Projekt wirbt. Der weitere Plan war, dass mit der geballten politischen Kraft der rot-grünen Koalition ein Schneeballeffekt in der Münchner Bevölkerung ausgelöst werden sollte.

Haben auch die Stadtwerke München dazu beigetragen, dass die SIM bei Weitem nicht die Photovoltaikleistung erreicht hat, die möglich gewesen wäre?

Das Verhalten der Stadtwerke war nicht gerade förderlich. Die Zusammenarbeit war problematisch. Die Stadtwerke waren zunächst Großanteilseigner an der SIM, sie blockierten von Beginn an ein erfolgreiches Agieren der Initiative. Ihre Strategie bei erneuerbaren Energien basiert überwiegend auf überregionalem Ausbau, größtenteils im Ausland. Regionale Konzepte haben dagegen einen weitaus geringeren Stellenwert. Die Stadtwerke sind zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt München, und wenn es den politischen Willen gegeben hätte, hätten sie die entsprechenden Vorgaben bei der SIM umsetzen müssen.

Was genau kritisieren Sie an der Strategie der Stadtwerke?

Es reicht nicht, beim Klimaschutz nur an Megawattzahlen für erneuerbare Energien zu denken, es müssen auch sämtliche Potenziale vor Ort genutzt werden. Auch wenn es vielleicht etwas angestaubt klingt, ist es immer noch richtig, global zu denken und lokal zu handeln. Die Stadtwerke haben noch nicht erkannt, dass es einen enormen Wandel gibt. In Zukunft wird es viel mehr intelligente, dezentrale Projekte mit erneuerbaren Energien oder BHKWs geben auf Basis von Eigen- oder Mieterstromversorgung.

Was empfehlen Sie anderen Städten, die ein Unternehmen für mehr Photovoltaik gründen wollen?

Zunächst einmal braucht es Leute, die das Thema vorantreiben. Die Verwaltung kann den Photovoltaikausbau stark bremsen. Deshalb sollte es Zielvorgaben für die operativ Verantwortlichen geben, zum Beispiel für das Liegenschaftsamt oder die Stadtwerke. Eine Taskforce Photovoltaik, die am besten beim höchsten Vertreter einer Kommune angesiedelt ist, könnte dies mit einem Durchgriff qua Amtes entscheidend voranbringen. Vonnöten ist nicht nur der politische Wille, es braucht auch die entsprechenden Strukturen in den nachgelagerten Behörden.