Sinkende Börsenstrompreise kommen nicht bei Privathaushalten an

Die Erzeugerpreise für Strom sind im vergangenen Jahr um drei Prozent gesunken. Dies hat das Statistische Bundesamt in dieser Woche veröffentlicht. Allerdings gebe es eine deutliche Diskrepanz zwischen den Abgabepreisen an Stromversorger und Haushaltskunden, teilt nun die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) mit. Während die Preise für Weiterverteiler um 9,2 Prozent gegenüber 2013 sanken, mussten Haushalte für Strom im Schnitt 1,3 Prozent mehr zahlen. „Börsenpreisdämpfende Effekte wie der Ausbau der erneuerbaren Energien kommen noch zu wenig bei den Haushaltskunden an“, sagte AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer.

Im Vergleich zu 2010 sei der Börsenstrompreis um 30 Prozent gefallen. Ähnlich sei es auch bei den Abgabepreisen an die Stromversorger. Nur bei den Haushaltskunden verzeichnet der Index des Statischen Bundesamts genau die umgekehrte Richtung – einen Anstieg um 25 Prozent seit 2010. An der Entwicklung des Börsenstrompreises zeige sich auch der preisdämpfende Einfluss der erneuerbaren Energien. „Sinkende Beschaffungskosten sollten die Stromversorger genauso schnell an die Haushaltskunden weitergeben, wie sie es in der Vergangenheit mit steigenden Abgaben getan haben“, fordert Vohrer. Gerade die Haushalte die immer noch in der Grundversorgung seien, bekäme am wenigsten von der Kostensenkung mit.

Eine Analyse der Strompreiskomponenten zeige auch, dass im Gegensatz zu Abgaben und Umlagen, die gleichermaßen an die Kunden weitergegben werden beim Preisbestandteil „Einkauf, Vertrieb, Marge“ ein gewisser Spielraum vorhanden sei. Aus dem Monitoringbericht 2014 der Bundesnetzagentur gehe hervor, dass dieser Preisbestandteil bei Kunden, die den Stromlieferanten gewechselt haben, von 2011 bis April 2014 gefallen sei, berichtet die AEE. Im Gegensatz dazu war der Preisbestandteil „Einkauf, Vertrieb, Marge“ beim Grundversorger seit 2010 stabil. Erst zum 1. April 2014 sank er erstmals geringfügig auf 8,7 Cent je Kilowattstunde, wie es weiter hieß.

Die Energiepreise sind in Deutschland sind zum Jahreswechsel 2015 so stark gefallen wie in keinem Monat seit Ende 2008 mehr, wie die Auswertung des Energiepreis-Monitors der European Climate Foundation durch Agora Energiewende ergab. Gegenüber November hätten die privaten Haushalte im Schnitt allein 3,9 Prozent weniger für Energie ausgeben müssen. Einen noch stärkeren Rückgang hatte es zuletzt vor sechs Jahren gegeben. Seit August seien die Energiepreise damit um insgesamt sieben Prozent zurückgegangen, was fast dem gesamten Preisanstieg zwischen Anfang 2011 und Mitte 2013 entspreche.

Grafik: Agora Energiewende

Hauptgrund für die Verbilligung der Energie sei der dramatische Verfall der Ölpreise an den Weltmärkten. Im Dezember habe der durchschnittliche Preis für ein Barrel auf den Weltmärkten nach HWWI-Angaben bei nur noch 61 US-Dollar; im Frühsommer seien es noch 110 US-Dollar gewesen. Der Preis für Benzin und andere Kraftstoffe fiel im Schnitt allein um knapp sieben Prozent; dies erklärt knapp zwei Drittel des Gesamtrückgangs der deutschen Energiepreise im Dezember, wie es weiter hieß. Auffällig sei, dass die Entlastung der Verbraucher in Deutschland sogar stärker ausfällt als im Schnitt der EU und in anderen großen europäischen Ländern. (Sandra Enkhardt)