Rückzug von Hanwha Q-Cells ist Reaktion auf schwachen europäischen Photovoltaik-Markt

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pv magazine: Hanwha Q-Cells hat angekündigt, seine Produktion aus Deutschland an wettbewerbsfähigere Standorte zu verlagern. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?

Stefan de Haan: Die Photovoltaik-Märkte in Deutschland und Europa befinden sich immer noch in einer Konsolidierungsphase Der Zubau wird ab diesem Jahr zwar wieder anziehen und auch in den Folgejahren zunehmen, allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Zubauzahlen, die wir 2011 und 2012 in Deutschland und Europa sahen, werden auf absehbare Zeit nicht mehr erreicht werden. Zudem betreibt Hanwha Q-Cells in Deutschland nur relativ kleine Produktionen, so dass keine Skaleneffekte greifen können. Die Firma steht aber in direkter Konkurrenz zu den großen chinesischen Herstellern. Von daher ist die Ankündigung, die Produktion an wettbewerbsfähigere Standorte zu verlegen, durchaus nachvollziehbar. Zumal auch der Lohnfaktor einen immer größeren Einfluss auf den Gesamtpreis für die Solarmodule erlangt.

Hanwha Q-Cells betont auch, dass die Verlagerung nicht im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss mit Hanwha Solarone steht. Glauben Sie das?

Ja, ich sehe auch keinen direkten Zusammenhang zur Ankündigung der Fusion von Hanwha Q-Cells und Hanwha Solarone. Immerhin hat Hanwha nach der Übernahme Q-Cells als eigenständiges Unternehmen weiterlaufen lassen. Das hat zunächst gut funktioniert. Nun hat sich der Schwerpunkt des globalen Photovoltaik-Marktes aber weg aus Europa und hin nach Südostasien verlagert. Auf diesen Umstand reagiert Hanwha Q-Cells nun anscheinend.

Ist eine weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Q-Cells in Deutschland auch ohne die Produktion möglich und sinnvoll?

Es muss sich zeigen, wie lange die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten von Hanwha Q-Cells in Deutschland bestehen bleiben werden. Ich schätze es so ein, dass die Forscher in Deutschland schneller Fortschritte und Erfolge bei der Weiterentwicklung der Technologie erzielen müssen als etwa an anderen Hanwha-Standorten oder auch gegenüber der Konkurrenz. Wenn ihnen das gelingt, wird Hanwha an der Forschung und Entwicklung in Deutschland sicher festhalten. Ich denke, Hanwha wird dies in zwei bis drei Jahren auf den Prüfstand stellen und dann entscheiden.

Wie wird sich die Entscheidung auf die Wahrnehmung der Marke Q-Cells in Deutschland auswirken?

Ich denke nicht, dass die Auswirkungen spürbar sein werden. Q-Cells gilt natürlich als Premiummarke, die Produkte zielen aber nicht auf Nischenmärkte, in denen „Made in Germany“ eventuell wichtig wäre. Es gibt zahlreiche asiatische Produzenten, die hierzulande als Qualitätshersteller gelten. Da sollte es für Q-Cells mit deutschen Wurzeln und deutscher Forschungs- und Entwicklungsabteilung erst recht möglich sein, diesen Ruf zu behalten.

Das Interview führte Sandra Enkhardt.

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