Bilfinger: Kochs neueste Attacke auf die Energiewende

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Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger SE hat seine Geschäftserwartungen für das laufende Jahr gesenkt. Der Grund dafür ist aus Sicht des Vorstandschefs Roland Koch die Energiewende in Deutschland. „Insbesondere das Geschäftsfeld Power leidet unter den Folgen der Energiewende in Deutschland, die bei den Energieversorgern zu einer erheblichen Investitionszurückhaltung führt. Die negativen Auswirkungen auf das Investitionsverhalten in anderen Ländern Zentraleuropas waren in ihrer Dimension nicht absehbar. So verhindert beispielsweise kostenloser deutscher Windstrom Kraftwerksneubauten in Polen“, teilte der Konzern nun mit. Zudem führten fehlende Kraftwerksprojekte in Deutschland dazu, dass Gerüstbauer und weitere Gewerke auf andere Märkte ausweichen müssten. Dies verstärke den Preisdruck in der Prozessindustrie. Neben der Energiewende in Deutschland mache auch der Schiefergas-Boom in den USA dem Konzern zu schaffen. „Im Geschäftsfeld Industrial spürt der Öl- und Gassektor die drastischen Sparmaßnahmen seiner europäischen Kunden in der Wartung und Instandhaltung, ausgelöst durch die sinkenden Gaspreise in den USA“, hieß es dazu.

Die zuvor erwartete deutliche Ergebnissteigerung für das laufende Jahr sei daher nicht zu erwarten. Bilfinger gehe nun eher von einem leichten Ergebnisrückgang aus. Bei einem Umsatz von rund 7,9 Milliarden Euro sei mit einem bereinigten Ergebnis von 230 bis 245 Millionen Euro zu rechnen, teilte Bilfinger mit. Bilfinger-Vorstandschef Koch, der früher hessischer CDU-Ministerpräsident war, kündigte nach Reuters-Angaben ein Sparprogramm mit erheblichem Stellenabbau für die Kraftwerkssparte an. Bereits zuvor hatte Bilfinger den Abbau von 1250 Stellen in der Verwaltung angekündigt. Nun sollten keine frei werdenden Jobs mehr besetzt werden und weitere Entlassungen seien geplant, sagte Koch Reuters zufolge. Den zusätzlichen Restrukturierungsaufwand für die weiteren kurzfristigen Kostensenkungsprogramm beziffert Bilfinger mit einer niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionensumme.

Koch hatte bereits in seinen Jahren als hessischer Ministerpräsident mehrfach gegen die Energiewende in Deutschland gewettert. 2010 schied er aus der Politik aus, um schließlich im Juli 2011 den Vorstandssessel bei Bilfinger zu übernehmen. Auch nach seinem Wechsel zu Bilfinger hielt er an dieser Linie fest. So kritisierte er die Energiewende im November 2012 als „spontan“ und „nicht vollständig durchdacht“. Ende vergangenen Jahres rief er dann auf einer Veranstaltung dazu auf, den Bau neuer Photovoltaik-Anlagen dadurch zu stoppen, dass „man Steine drauf wirft“. Daraufhin ging eine Strafanzeige wegen Gewaltaufrufs bei der Staatswaltschaft Stuttgart gegen Koch ein. Das Verfahren wurde an die Staatsanwaltschaft Wiesbaden weitergeleitet, die allerdings kein Ermittlungsverfahren einleitete, weil sie die Äußerung als strafrechtlich nicht relevant einstufte. „Die Äußerung des Beschuldigten ist jedoch ersichtlich politischer Natur und entsprechend plakativ“, hieß es zur Begründung. (Sandra Enkhardt)