So wurde ich Betreiber

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Wie wird man eigentlich Betreiber, wenn man es noch nicht ist? Selten war es so einfach wie heute, günstig Anlagen einzukaufen. Das liegt vor allem daran, dass sie nicht richtig funktionieren. Einer meiner Käufe begann in Düsseldorf. Wir, der Betreiber einer 800-Kilowatt-Anlage und ich, standen am Fenster eines Büros im zehnten Stockwerk und blickten über den Rhein.

Ich hörte zum x-ten Male die Geschichte von der angeblichen Erfolgsstory Photovoltaik. Es habe damit angefangen, dass ihm bunte Teaser pittoresk die Vorteile der Solarkraftwerke und der damit verbundenen Investitionen aufgezeigt hätten. 20 Prozent Rendite auf das Eigenkapital und mehr seien in Aussicht gestellt worden. Die Arbeit für den Investor war gering. Der Solarteur berichtete regelmäßig über den Baufortschritt, der Vermittler organisierte das Rechtliche, und die Bank war unter Abtretungsvereinbarungen willig, bis zu 90 Prozent Fremdkapital ins Projekt zu schießen.

Hastig marschierten alle in Richtung Inbetriebnahme, um den Einspeisetarif vor der nächsten Absenkung der Vergütung zu sichern. Nach dem Verkauf war der Erfolg auch für den Investor schnell da, und das erste tilgungsfreie Jahr zeigte seine Wirkung. Der Vermittler war dann schon nicht mehr greifbar, und der Investor stand mit einem riesigen Haufen Papier alleine ohne technisches, wirtschaftliches und auch juristisches Know-how da. Allerdings verlor er die Anlage ein wenig aus dem Blick, da ja regelmäßig Erträge auf seinem Konto eingingen. Damit war der Misserfolg des Projektes vorprogrammiert.

Pünktlich nach der Garantie Nach Ablauf der zweijährigen Garantie der Solarteure zeigte das Kraftwerk seine ersten Schwächen. Ein im Vorfeld angebotener Wartungsvertrag wurde nicht geschlossen. „Wozu braucht ein Solarkraftwerk einen Wartungsvertrag? Alles sollte doch so einfach und reparaturfrei sein“, rief er mir erbost zu. „Die Wartungsverträge waren ja viel zu teuer.“ Im fünften Betriebsjahr kann das Kraftwerk gerade mal den Kapitaldienst decken. Hätte ein Wartungsvertrag den Ertragsrückgang verhindern können?

Vermutlich nicht. Die Gründe sitzen viel tiefer. Zum einen ist es auch bei einwandfrei funktionierenden PV-Kraftwerken nicht unüblich, dass reale Erträge in lichtschwachen Monaten 25 Prozent und in lichtschwachen Jahren zehn Prozent von den prognostizierten Erträgen abweichen. Diese hätten einkalkuliert und mit einem monetären Polster abgefedert werden müssen. Ein gutes Monitoring wäre nötig gewesen, um das zu erkennen. Außerdem kann auch ein EVU einen Fehler machen. Nicht zuletzt darf das EVU seit 2013 Photovoltaikkraftwerke über zehn Kilowattpeak nach unten regeln. Hier muss ein Modus der Abrechnung gefunden werden, um den erzeugten, aber nicht eingespeisten Strom vergütet zu bekommen. Zugegeben ist das aber noch ein äußerst seltener Fall. Zum anderen ist es eben das unternehmerische Risiko, dass die eingesetzten Module unter Umständen nach einigen Jahren nicht mehr die erwartete Leistung bringen.

Ich erklärte dem Investor, dass Photovoltaikkraftwerke keine Selbstläufer sind und ständige Aufmerksamkeit und Kontrolle erfordern, und machte ein Übernahmeangebot. Er war froh, das Problem los zu sein. Ein Photovoltaikkraftwerk, um das man sich kümmern muss, wollte er nie haben. Bei der Anlage musste ich nach dem Kauf rund fünf Prozent der Komponenten, sowohl Wechselrichter als auch Module, tauschen. Dazu muss man sich aber mit dem Kraftwerk beschäftigen, entweder einen vertrauenswürdigen Installateur finden oder es selbst machen. Denn die zu tauschenden Komponenten muss man ja erst einmal identifizieren.