Die Kümmerer

Was treibt Betreiber gerade am meisten um?

Da gibt es mehrere Themen. Wir haben zum Beispiel relativ häufig Anfragen von Kunden, die Rechnungen von Netzbetreibern bekommen haben, die zweifelhaft sind. Einige Netzbetreiber machen momentan viel Arbeit. Sie versuchen, sich durch zusätzliche Einnahmen das Geschäft mit den Photovoltaikanlagenbetreibern etwas zu versüßen. Da gibt es aus unserer Sicht ungerechtfertigte Rechnungen, die auch nirgendwo in den Gebührenverzeichnissen der Netzbetreiber stehen.

Was wird da versucht abzurechnen?

Wir haben zum Beispiel von einem Mitglied eine Rechnung über eine Netzanschlussgebühr von 29,90 Euro zugeschickt bekommen. Das ist ein relativ geringer Betrag, aber wahrscheinlich auch mit Bedacht gering gewählt, um die Widerspruchsquote zu miniminieren. Die Beträge liegen aber auch schon mal bei über 100 Euro. Oder es gibt Rechnungen über Netzanschlussgebühren für Photovoltaikanlagen oder für die Nachrüstung eines Rundsteuerempfängers. Die sind aus unserer Sicht ungerechtfertigt.

Ein wichtiges Betreiberthema dürfte die Umsatzsteuer auf den selbst verbrauchten Strom zu sein. Wie ist da der Stand?

Es ist definitiv so, dass die Umsatzsteuerpflicht besteht. Unklar ist derzeit, zu welchen Beträgen der Eigenverbrauch bei Neuanlagen seit April 2012 zu versteuern ist. Das angekündigte Schreiben des Bundesfinanzministeriums hängt in der Abstimmung mit den Ländern. Betreiber sollten sich derzeit an den Empfehlungen der Landesfinanzbehörden von Bayern und Baden-Württemberg orientieren.

Viele können ja gar nicht messen, wie groß der Eigenverbrauch ist, weil sie dafür keinen Zähler haben.

Dann wird das Finanzamt eine Schätzung vornehmen. Man wird eine Eigenverbrauchsquote angeben müssen, und darauf wird dann pauschal die Umsatzsteuer erhoben. Man kann aber auch die Messungen der Wechselrichter für die steuerliche Schätzung heranziehen.

Stimmt es eigentlich, dass viele zu viel für ihre Versicherung zahlen?

Nein, das kann man so nicht sagen. Es gibt allerdings verschiedene Angebote, die uns zugetragen werden. Es gibt Bandbreiten von Beiträgen, die reichen von häufig 0,3 Promille oder 1,85 Promille bis zu Prozentbeträgen von der Bausumme, die die Anlage ursprünglich gekostet hat.

Aber der Wert ist wegen der stark gefallenen Preise ja viel geringer. Müssten Versicherungen da nicht runtergehen.

Ältere Versicherungsverträge beziehen sich noch auf die damaligen hohen Investitionssummen. Hier lohnt es sich, mit dem Versicherer zu verhandeln, um eine Beitragsberechnung auf dem aktuellen Kostenniveau von Neuanlagen zu erreichen. Der Versicherer muss im Schadensfall die Anlage ja auch nicht zum alten Preis ersetzen, sondern zum aktuell viel günstigeren. Dennoch beharren viele Versicherer auf den ursprünglichen Anschaffungskosten, daher lohnt eine gründliche Recherche.

Wie können Sie als DSC bei den Problemen, die Sie gerade angesprochen haben, unterstützen?

Wir nehmen uns der Probleme von Anlagenbetreibern an. Wenn technische Probleme auftreten, vermitteln wir einen technisch versierten Installateur. Bis zu einem gewissen Punkt bieten wir auch eine Rechtsberatung im Rahmen unserer Möglichkeiten. Bei weitergehenden Schwierigkeiten verweisen wir dann an versierte Anwälte, mit denen wir eine entsprechende Kooperationsvereinbarung haben.

Ähnlich wie bei der Mieterberatung ehrenamtlich?

Genau. Bei uns ist das ehrenamtlich. Daher sind Leute, die sich für so etwas interessieren, natürlich auch aufgerufen, bei uns mitzumachen.

Machen Sie auch noch Arbeit darüber hinaus und verhandeln zum Beispiel mit Netzbetreibern, wenn sie in größerem Maßstab solche strittigen Rechnungen verschicken?

Wir haben schon Mitglieder dabei unterstützt, als es Streit gab über hohe Abrechnungskosten für geringen Bezugsstrom von PV-Anlagen. Gerade hat der Betreiber einer größeren Anlage erreicht, dass der Netzbetreiber einlenkt, und der Betreiber hat jetzt einen Vertrag mit einem günstigen Drittanbieter. Wir geben diese Erfahrungen auch an andere Mitglieder weiter. Wir haben uns auch sehr intensiv an der EEG-Novelle beteiligt und zwei ausführliche Stellungnahmen eingereicht.

Wie entwickelt sich die Mitgliederzahl beim DSC?

Wir haben seit Jahresanfang wöchentlich zehn neue Mitgliedsanträge. Wir haben Leute, die sich engagieren. Und es gibt jetzt eine neue Arbeitsgruppe zur Mitgliederwerbung. Da geht es insbesondere darum, zusätzliche Angebote zu entwickeln. So gibt es jetzt auch die Möglichkeit, günstig über ein Online-Portal eine Steuererklärung zu machen. Unsere Mitglieder bekommen einen besonderen Bonus. Auch für Reinigungsleistungen und Schulungsmaßnahmen gibt es einen Bonus.

Wie viele Mitglieder haben Sie schon?

Einige Hundert Mitglieder und Interessenten. Natürlich ist das noch viel zu wenig angesichts der Vielzahl an Betreibern. Der Club befindet sich eben im Aufbau. Wir haben zu einem großen Teil Betreiber von kleinen Anlagen als Mitglieder. Die Bedürfnisse von kleinen und großen Anlagenbetreibern unterscheiden sich eben doch etwas. Man muss mit einer Zielgruppe anfangen und erst einmal deren Bedürfnisse erfüllen. Da sind kleine Anlagen einfacher. Ich persönlich würde es bevorzugen, wenn wir auch mehr im Bereich der mittleren und größeren Anlagenbetreiber tätig werden. Da gibt es viel mehr Themen, insbesondere zu Betriebsführung und Wartung, zu Steuern, zu Kauf und Verkauf. Wir haben jetzt auch eine ganze Reihe von neuen Betreibern von größeren Anlagen.

Ist Betriebsführung ein Thema für Sie?

Für Einfamilienhausbesitzer ist das in der Regel kein Thema, da die Anlagen zu klein sind. Da lohnt es sich nicht, über Betriebsführung und Wartung wie für einen Solarparkbetreiber nachzudenken. Es ist viel einfacher, wenn der Anlagenbetreiber im Einfamilienhausbereich einfach losgeht, regelmäßig wöchentlich oder monatlich seinen Zählerstand überprüft und selbst kontrolliert, ob seine Wechselrichter funktionieren. In der Regel reichen die Möglichkeiten, die die Wechselrichter zur Überwachung mitbringen, dafür aus. Ein professionelles Monitoring ist nach unserer Ansicht wirtschaftlich kaum zu bezahlen und zu betreiben. Dafür gibt es noch keine vernünftige Lösung. Beim Thema Wartung empfehlen wir, alle zwei, spätestens alle vier Jahre eine Wartung vornehmen zu lassen. Das kann man von einem Elektroinstallateur machen lassen. Auch eine Reinigung der Photovoltaikanlage im Einfamilienhausbereich ist wirklich nur dann sinnvoll, wenn eine sehr starke Staubquelle in der Nähe ist. Was wirtschaftlich sinnvoll und vertretbar ist, wird in der Branche sehr kontrovers diskutiert.

Man hört derzeit oft, dass jetzt und in den nächsten Jahren große Qualitätsprobleme sichtbar werden, weil in der Boomzeit so schnell, billig oder vielleicht in letzter Minute gebaut worden ist. Sehen Sie das bei Ihren Mitgliedern schon?

Ja, das sehen wir. Wir haben jetzt zum Beispiel einen Kunden, der hat eine Altanlage gekauft. Jetzt zeigt sich, dass alle Module ohne Label sind, und wir sehen, dass Wasser in die Module zwischen das Laminat und das Glas eindringt. Wir sehen manchmal auch, dass Kabelkanäle falsch verlegt oder Wechselrichter nicht sachgerecht angeschlossen wurden. Wir sehen auch Probleme mit Gewährleistungsansprüchen, weil Firmen, die Anlagen errichtet haben, nicht mehr da sind. Das sind so die Probleme, mit denen Mitglieder konfrontiert sind.

Das Gespräch führte Michael Fuhs.

Die Website des DSC finden Sie unter:http://www.solarbetreiber.de/