SNEC: Chinas Photovoltaik-Markt steht vor Herausforderungen

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Die 8. SNEC PV Power Expo in Shanghai ging am Donnerstag zu Ende. Mehr als 1.800 Aussteller und 150.000 Besucher wurden erwartet. Die tatsächlichen Besucher- und Ausstellerzahlen wurden bislang noch nicht bekannt gegeben. Es war aber offensichtlich, dass die Zahlen hinter den Erwartungen zurück blieben.

Die internationalen Teilnehmer bekamen an den drei Messetagen einen guten Einblick in Chinas schnell wachsenden Wechselrichter- und Maschinenbau-Markt. Auch neue chinesische Modul-, Komponenten- und Materialhersteller waren vor Ort. Branchenexperte Rene Moerman , CEO der Beratungsfirma Xilia, beschrieb die diesjährige Messe als "boomend", nicht wegen der Zahl der Besucher und Aussteller, sondern wegen der großen Anzahl neuer Branchenakteure in China, die ihren europäischen Rivalen ernsthafte Konkurrenz machen wollen.

Mit Ausnahme von Robotern, Lasern und Vakuum-Beschichtungsofen bieten chinesische Hersteller von Produktionstechnologie inzwischen fast alles an. Dies zeigte sich auch in der überfüllten Messehalle E4 in Shanghais New International Expo Center, die sich direkt neben der E3-Halle befand, in der vor allem internationale Maschinenbauer ihre Produkte präsentierten."Wenn Europa seine Solarmärkte nicht ambitioniert weiter entwickelt und keine aktive Industriepolitik betreibt, werden die europäischen Produktionstechnologie-Hersteller verschwinden, genauso wie die europäischen Solarforschungsinstitute“, sagte ein Branchen-Insider zu pv magazine. Dies liege daran, dass die Industrie immer ihren Kunden und Märkten folgt, wie man es auch in anderen Branchen sehen könne.

Beeindruckend war auch die wachsende Präsenz der chinesischen Wechselrichter-Hersteller in den überfüllten Messehallen E6 und E7. Sungrow stellte zum Beispiel seinen neuen 3-Phasen- String-Wechselrichter S6 50/60 KTL mit einem Wirkungsgrad von 99 Prozent vor. Die Serienproduktion beginnt im Juni. Der chinesische Hersteller investiert mehr als 10 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung und beschäftigt in diesem Bereich mehr als 350 Angestellte, sagt Zheng Guibiao, Vizepräsident und Ingenieur bei Sungrow. Im Jahr 2014 will das Unternehmen Wechselrichter mit einer Gesamtleistung von vier Gigawatt in China und 700 Megawatt weltweit verkaufen. Im Jahr 2013 verkaufte Sungrow 3,5 Gigawatt auf dem Heimmarkt und 350 Megawatt im Ausland.

Auch weitere namhafte chinesische Wechselrichter-Hersteller wie Huawei zogen Menschenmassen zu riesigen Messeständen. Daneben viele neue Namen und Akteure. Trotz der starken chinesischen Konkurrenten zeigte sich beispielsweise Werner Palm, Geschäftsführer des deutschen Wechselrichterherstellers Kostal Solar, zuversichtlich, dass sein Unternehmen bald mit einer eigenen Wechselrichter-Produktionslinie auf dem chinesischen Markt Fuß fassen kann.

Eines der Hauptthemen in diesem Jahr war die Neugestaltung von Chinas Regelungen für kleinere Dachanlagen. Ziel ist es, den solaren Eigenverbrauch und den Zubau von PV-Dachanlagen voran zu treiben. Ein Problem besteht darin, dass sich viele Dächer von chinesischen Gewerbebetrieben nicht in Privatbesitz befinden oder die Besitzer in vielen Fällen nicht registriert sind. Ein weiteres Problem ist, dass es EPC-Unternehmen wie GD Solar oft an Sicherheiten fehlt. Im Durchschnitt schließen chinesischen Fabriken und Unternehmen alle 2,7 Jahre, sagt Lennon Zong, stellvertretender Geschäftsführer von GD Solar. Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation wäre, einen staatlichen Finanzausgleichsfonds zu etablieren, der einspringt, wenn Unternehmen, die Photovoltaik-Anlagen auf ihren Dächern betreiben, Pleite gehen.

In der Zukunft wird es spannend sein zu sehen, wie die chinesische Politik die Regelungen für PV-Dachanlagen anpassen wird. Gelingt dies nicht, werden wahrscheinlich deutlich weniger Anlagen installiert, als es die ambitionierten Ziele von acht Gigawatt im Jahr 2014 vorsehen. (Hans-Christoph Neidlein; übersetzt von Mirco Sieg)