Erneuerbare stärken Wirtschaftsstandort Deutschland

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Erneuerbare Energien haben sich in den vergangenen Jahren zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor in Deutschland entwickelt. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat in einem Hintergrundpapier zahlreiche Aspekte und Fakten zusammengetragen, die die Bedeutung von Photovoltaik, Windkraft und Biomasse für den Wirtschaftsstandort Deutschland untermauern. Die beeindruckensten Zahlen dabei: Pro Jahr tragen die erneuerbaren Energien dazu bei, dass zehn Milliarden Euro an Importkosten für fossile Energien eingespart werden und sorgen zudem für eine inländische Wertschöpfung von etwa 17 Milliarden Euro. „Erneuerbare Energien und Industrie sind zwei Seiten derselben Medaille“, sagt deshalb auch AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer. Es sei umso unverständlicher, wenn von manchen Kritikern versucht werde, einen Gegensatz zwischen erneuerbaren Energien und Industrieproduktion in Deutschland aufzubauen: „Es ist widersinnig, den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen zu wollen, um den Industriestandort Deutschland zu stärken“, sagt Vohrer weiter.

Die Industrie profitiert in mehrfacher Hinsicht vom Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland. Photovoltaik, Windkraft und Biomasse senkten den Strompreis für die Industriebetriebe spürbar. „Der Industriestrompreis für die energieintensiven Unternehmen ist in Deutschland nicht zuletzt dank der Erneuerbaren Energien mittlerweile niedriger als in den meisten europäischen Nachbarstaaten“, sagt Vohrer. Die energieintensiven Unternehmen kauften ihren Strom zumeist direkt an der Strombörse. Am Spotmarkt habe eine Kilowattstunde im vergangenen Jahr 3,78 Cent gekostet. In Frankreich, Italien und Großbritannien habe der Börsenstrompreis teilweise deutlich höher gelegen. Auch in den USA würden die Börsenstrompreise seit 2012 wieder ansteigen und in manchen Regionen über dem deutschen Niveau liegen, heißt es im AEE-Hintergrundpapier. In Deutschland dagegen sinke nicht nur der Börsenstrompreis, sondern auch die Lieferpreise im außerbörslichen Handel. Bei direkten Lieferverträgen werden dem Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) die Strompreise für 2015 bis 2017 zwischen 2,68 und 4,29 Cent je Kilowattstunde liegen. In dem Hintergrundpapier beziffert die AEE die Strompreise inklusive aller Steuern und Abgaben für Unternehmen mit einem Verbrauch von weniger als 500 Megawattstunden durchschnittlich mit 21,85 Cent je Kilowattstunde, Industriebetriebe mit einem Verbrauch zwischen 500 und 2000 Megawattstunden zahlten 18,79 Cent je Kilowattstunde. Für die großen Unternehmen mit einem Verbrauch bis zu 150 Gigawattstunden habe der Preis bei noch 13,39 Cent je Kilowattstunde gelegen. Tatsächlich habe Deutschland in diesen Segmenten einen der höchsten Strompreise in Europa, obwohl die Erzeugungskosten im Gegensatz zu fast allen anderen europäischen Ländern gesunken seien.

In Deutschland könne die energieintensive Industrie durch die Industrieprivilegien bei der EEG-Umlage zudem weitere Milliarden Euro sparen und die Stromkosten senken. Anders sehe die Situation beim industriellen Mittelstand und dem produzierenden Gewerbe aus, die wie Privatpersonen Steuern, Abgaben und Umlagen oftmals in voller Höhe entrichten müssten, heißt es bei der AEE weiter. Allerdings spielten die Energieausgaben zumeist nur eine untergeordnete Rolle für die Unternehmen und seien nicht das einzige Kriterium für die Standortwahl. „Standortentscheidungen fallen stets auf der Grundlage mehrerer Faktoren. Deutschland kann mit entscheidenden Schlüsselqualitäten punkten: Eine leistungsfähige Infrastruktur, hoch qualifizierte Arbeitskräfte, eine innovative Forschungslandschaft und ein dichtes Netzwerk aus Zulieferbetrieben. Auch die Versorgungsqualität der deutschen Stromnetze ist weltweit Spitze“, sagt Vohrer. In Deutschland gebe es etwa pro Jahr nur rund 15 Minuten Stromausfall. In den USA seien es 240 Minuten, was nach Regierungsangaben einen volkswirtschaftlichen Schaden von mehr als 60 Milliarden US-Dollar jährlich verursacht.

Keine Belege für schleichende Deiundustrialisierung

Der AEE-Geschäftsführer weist den Vorwurf einer Deindustrialisierung Deutschlands durch den Ausbau der erneuerbaren Energien entschieden zurück. Der Industrieanteil an der deutschen Wirtschaft gemessen an der Bruttowertschöpfung sei zwischen 2000 und 2012 sogar noch leicht angestiegen, während europaweit ein Rückgang zu verzeichnen gewesen sei. „In allen einschlägigen Rankings zur Attraktivität der internationalen Wirtschaftsstandorte schneidet Deutschland hervorragend ab. Die Wettbewerbsfähigkeit ist in den vergangenen Jahren sogar gestiegen. Von einem schleichenden Niedergang der deutschen Wirtschaft kann – auch dank der Erneuerbaren Energien – keine Rede sein“, sagt Vohrer weiter.

Wie wichtig die erneuerbaren Energien als Wirtschaftsfaktor sind, zeigt sich in den Investitionssummen. Allein 2013 seien von Unternehmen und Privatpersonen etwa 16,3 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert worden; davon rund 5,1 Milliarden Euro in Photovoltaik. Davon profitierten Anlagenhersteller und Zulieferer sowie Projektierer. Die Summe sei zwar seit drei Jahren rückläufig. Dies sei aber vor allem auf die stark gesunkenen Preise für Photovoltaik-Anlagen zurückzuführen, heißt es in dem AEE-Hintergrundpapier. Die Photovoltaik habe die größten Kostensenkungen aller Erneuerbaren realisieren können. Jede Verdoppelung der weltweit produzierten Menge an Solarmodulen habe eine Preisrückgang um 15 bis 20 Prozent bewirkt, wie es in dem AEE-Papier heißt. Habe im Jahr 2000 der Preis für eine 10-Kilowatt-Dachanlage noch bei 7000 Euro gesunken, seien es im ersten Quartal 2014 noch 1640 Euro gewesen. Die Stromgestehungskosten für neue Photovoltaik- und Windkraftanlagen würden sich bereits auf dem Niveau neuer Kohle- und Gaskraftwerke bewegen, berichtet die Agentur mit Verweis auf das Fraunhofer-ISE weiter. Der wachsende Anteil an erneuerbaren Energien führe zudem zu steigenden Umsätzen durch den Betrieb der Anlagen. Im Jahr 2013 beziffert die AEE diesen Markt mit 15,2 Milliarden Euro, wobei gerade hier eine Wertschöpfung direkt in Anlagennähe generiert werde. (Sandra Enkhardt)