Photovoltaik-Markt in der Türkei noch in Lauerstellung

Steigende Energiepreise, ein großer Energiehunger, Einspeisetarife von etwa 10 Cent je Kilowattstunde und hohe Einstrahlungswerte bieten gute Voraussetzungen für die Installation von Photovoltaik-Anlagen in der Türkei. Bislang gibt es aber zahlreiche Hürden, wodurch die installierte Photovoltaik-Leistung bei gerade einmal 12 Megawatt liegt. Der türkische Solarmarkt biete große Chancen, sei aber kein Ort für schnelle Geschäfte“, lautete daher auch ein Ergebnis der Konferenz „PV Power Plants – Turkey“ in Instanbul mit rund 200 Teilnehmern. Experten schätzten das Potenzial für Photovoltaik-Anlagen in der Türkei auf rund 500 Gigawatt. Bis zum Jahr 2023 sei mit der Installation von sieben bis zehn Gigawatt zu rechnen, sagte Sener Oktik, Präsident des türkischen Solarenergie-Industrieverbands GENSED.

Das große Interesse ist durchaus da. Dies zeigte die erste Runde zur Lizenzvergabe im vergangenen Jahr. Es seien dabei Anträge für Photovoltaik-Projekte mit mehr als einem Megawatt Leistung eingereicht worden, die sich auf insgesamt neun Gigawatt Leistung kumulierten. Die von der Regierung vorgesehene Obergrenze von 600 Megawatt sei damit bei weitem überschritten worden. Allerdings sei bislang auch noch keine Lizenz für ein Projekt mit einer Leistung von mehr als einem Megawatt vergeben worden.

Die türkische Regierung strebt nach Aussagen der Experten für dieses Jahr einen Zubau von 100 bis 200 Megawatt an. Die treibende Kraft dafür seien die lizenzfreien Projekte unter einem Megawatt. Dabei wird oftmals auch auf die Nutzung von Eigenverbrauch abgezielt. Insgesamt seien mehr als 357 Megawatt an lizenzfreien Projekten beantragt worden, erklärt Yalcin Kiroglu vom Verband für unlizensierte Stromgewinnung (LI-DER). Aber auch diese nicht-lizenzierten Solarprojekte müssten verschiedene Bewerbungs- und Genehmigungsstufen auf lokaler und nationaler Ebene durchlaufen, hieß es auf der von der Solarpraxis und der pv magazine group veranstalteten, zweitägigen Konferenz.

Die Bürokratie sei dabei das Haupthindernis für eine schnellere Entwicklung des Photovoltaik-Marktes in der Türkei. Für internationale Projektierer seien zudem auch Partner vor Ort ratsam, die über Kontakte zu den Behörden und rechtliche Kenntnisse verfügten. Ein weiteres Hemmnis sei die Verfügbarkeit von Freiflächen, da Solarparks in der Türkei nicht auf landwirtschaftlichen Flächen errichtet werden dürften. Zudem seien die Projektfinanzierung, Netzanschluss und Qualitätsschicherung bei Photovoltaik-Projekten oftmals schwierig. Nach der Überwindung der Anlaufschwierigkeiten erwarten türkische Unternehmer wie Mustafa Tiris von T-Dinamik aber, dass es ab 2016 eine neu installierte Photovoltaik-Leistung von mindestens 500 Megawatt jährlich in der Türkei geben werde, sagte er auf der Konferenz. (Sandra Enkhardt)