Deutsche Maschinenbauer erwarten spürbare Umsatzsteigerung

Angesichts des stark wachsenden globalen Solarmarktes rechnen 90 Prozent der deutschen Photovoltaik-Maschinen- und Anlagenbauer damit, ihr Geschäftsergebnis in diesem Jahr gegenüber 2013 verbessern zu können. Sie erwarten für 2014 gegenüber dem Vorjahr eine 27-prozentige Umsatzsteigerung, so die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), die bei der jüngsten Jahrestagung Photovoltaik Produktionsmittel in Frankfurt präsentiert wurde. Hauptmarkt ist nach wie vor China. Im vergangenen Jahr brach der Photovoltaik-Umsatz der deutschen Maschinen- und Anlagerbauer gegenüber dem Jahr 2012 um 45 Prozent ein und betrug nach VDMA-Angaben nur noch rund 700 Millionen Euro (2012: 1,3 Milliarden Euro). Die Zahl der Mitglieder, die in der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Photovoltaik Produktionsmittel organisiert sind, sank im vergangenen Jahr nach Angaben von Geschäftsführer Florian Wessendorf von 50 auf 45. Am Besten überstehen konnten die Krise jene Maschinenbauer, die das zurückgehende Photovoltaik-Geschäft durch einen verstärkten Absatz für andere Produktbereiche auffangen konnten.

Trotz positiveren Aussichten für das diesjährige Photovoltaik-Geschäft herrschte bei der Jahrestagung trotzdem keine Jubelstimmung. Denn zwar investieren die chinesischen Tier 1-Hersteller als Hauptkunden auch wieder in Kapazitätserweiterungen und neue Linien. Doch die Konkurrenz chinesischer Maschinenbauer wächst und es gibt kein einfaches Patentrezept, wie dem zu begegnen ist. Auf Skepsis stieß der Vorschlag des Unternehmensberaters Thomas Beducker von Simon Kucher & Partners, der den Photovoltaik-Maschinenbauern empfahl, eine „Zwei-Produktlinien-Strategie“ zu fahren und für den „Medium Markt“, etwas abgespeckte Produkte mit verringertem Service anzubieten. Eine ganze Reihe von Firmen, die erfolgreich im chinesischen Markt vor Ort tätig sind, widersprachen hier. „Service, Service und nochmals Service“ sei gerade für das Chinageschäft ein zentraler Erfolgsfaktor, betonte Axel Riethmüller, Geschäftsbereichsleiter Solartechnologie bei Teamtechnik. Der Marktführer für Stringer mit Sitz im baden-württembergischen Freiberg am Neckar fertigt seit 2010 auch im chinesischen Jintan.

Die im Schwäbischen hergestellten Stringer werden dorthin als Bausatz geliefert und zusammen montiert. Die Produkt- und Servicequalität der in China montierten Maschinen unterschieden sich nicht von denen, die komplett in Deutschland gefertigt würden, unterstrich Riethmüller. Allerdings würden in China vor allem Stringer verkauft, die mit der Infrarot-Technologie arbeiteten und nicht mit der teureren und komplexeren Lasertechnologie. „Das Qualitätsbewusstsein in China ist nach unserer Erfahrung hoch, dies heißt jedoch nicht, dass die Produkte over-engineered sein müssen“, betonte Riethmüller im Gespräch mit pv magazine. Ein zentraler Grund, warum Teamtechnik in China fertige, seien vor allem schnellere Lieferzeiten und die Präsenz vor Ort. Deshalb sind auch eine ganze Reihe weiterer deutscher Firmen wie h.a.l.m Elektronik (Zell- und Modulmessgeräte) und Krempel (Backsheets/Rückwandlaminate für Module) in China mit einer Fertigung (Montage) und Niederlassung in China präsent. Sowohl h.a.l.m Geschäftsführer Axel Metz als auch Karl-Heinz Brust, Leiter Anwendungstechnik Solarmaterialien bei Krempel, unterstrichen die hohe Bedeutung der Qualität für ihre chinesischen Kunden. Aus diesem Grunde vertrieben sie in China, als mit Abstand wichtigstem Markt, dieselben Produkte wie in Deutschland.

Ob für weniger entwickelte Märkte, beispielsweise in Indien, eine „Zwei-Produktlinien-Strategie“ sinnvoll sein kann, konnte allerdings bei der Jahrestagung der VDMA Arbeitsgemeinschaft nicht abschließend diskutiert werden. Allerdings wurde deutlich, dass lokale Fertigungen in aufstrebenden Photovoltaik-Märkten wie Südafrika oder Brasilien für Maschinenbauer grundsätzlich als neue Absatzmärkte interessant sein können, doch dass dieses Geschäft mit erheblichen Risiken verbunden sein kann. So betonte Wolfgang Herbst von dem Konstanzer Beratungsunternehmen Viridis.iQ, dass das Geschäftsumfeld – inklusive Zahlungsmoral – und auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit kleinerer lokaler Fertigungen in vielen Fällen kritisch seien. Entsprechende Projekte in diesem Bereich seien meist recht komplex und bedürften einer systematischen Prüfung und Vorbereitung. (Hans-Christoph Neidlein)