Neue Polysilizium-Technologie – Verheißung oder Hype?

Teilen

Die jüngste Ankündigung des US-amerikanischen Herstellers REC Silicon Inc., eine neue Polysilizium-Fabrik mit einer jährlichen Produktionskapazität von 19.000 Tonnen (t) zu errichten, rückt einen aufkommenden Trend in der Polysilizium-Industrie in den Blickpunkt: den Aufschwung der Fließbettreaktor-(FBR-)Technologie. Wie REC bauen auch der weltweit größte Polysilizium-Hersteller GCL-Poly Energy Holdings Ltd. in China und SMP, ein Joint-Venture zwischen dem US-Produzenten Sunedison Inc. (vormals MEMC) und Samsung Fine Chemicals Co., Ltd. in Südkorea, Polysilizium-Fabriken mit FBR-Technologie, die Monosilan als Ausgangsstoff nutzt.

In einem FBR wird das Gas Monosilan durch Düsen an der Unterseite hineingepresst, um ein Fließbett zu bilden, das von oben zugeführte Silizium-Saatpartikel trägt. Silizium scheidet sich aus dem Monosilan an den Saatpartikeln ab, bis sie zu größerem Granulat herangewachsen sind, das dann kontinuierlich aus dem Reaktor entnommen werden kann. Im Vergleich zum etablierten Siemens-Prozess liegen sowohl der Stromverbrauch als auch die Herstellungskosten wesentlich niedriger. Die FBR-Technologie wird definitiv einen bedeutenden Marktanteil gewinnen: Bernreuter Research schätzt, dass sich der FBR-Anteil am weltweiten Polysilizium-Ausstoß innerhalb von fünf Jahren verdoppeln wird von 8 % im Jahr 2012 auf 16 % im Jahr 2017.

Verzögerungen bei neuen FBR-Polysilizium-Fabriken

Ich warne jedoch davor, zuviel Hype um die neue Technologie zu machen. Die Silizium-Abscheidung in einem FBR ist nicht einfach zu beherrschen. Daher rechne ich mit Kinderkrankheiten bei den neuen Fabriken. Sowohl GCL-Poly als auch SMP haben Verzögerungen bei ihren FBR-Projekten erlebt:

  • Nach vier Jahren Forschung und Entwicklung plante GCL-Poly den Start des ersten 10.000-t-Abschnitts seiner neuen FBR-Fabrik im ersten Quartal 2014; mittlerweile wurde er auf die zweite Jahreshälfte verschoben.
  • Die Inbetriebnahme der 10.000-t-FBR-Fabrik von SMP wurde ursprünglich für Mai 2013 angekündigt. Bei der Explosion eines Wassertanks während eines Belastungstests im Juli 2013 kamen jedoch drei Beschäftigte ums Leben; die Fabrik soll nun in der zweiten Hälfte 2014 hochgefahren werden.

Da REC Silicon nicht über genügend eigene Geldmittel verfügt, um seine schon bestehende FBR-Kapazität allein zu erweitern, geht das Unternehmen einen Weg, der dem wenig kapitalintensiven Ansatz von Sunedison sehr ähnelt: Einsparung von Investitionskosten durch ein Joint-Venture mit Shaanxi Non-Ferrous Tianhong New Energy Co., Ltd. in China und Finanzierung des Eigen-kapitalanteils am Joint-Venture durch Einkünfte aus Lizenzgebühren.

Die neue FBR-Fabrik in China wird von niedrigen Arbeits- und Rohstoffkosten profitieren und REC erlauben, im weltgrößten Markt für Polysilizium zu produzieren, ohne Importzöllen unterworfen zu sein. Dennoch gibt es einen wichtigen Standortnachteil: Der Schutz geistigen Eigentums ist für westliche Technologie-Unternehmen in China immer ein Problem. Ich sehe deshalb ein gewisses Risiko, dass das FBR-Know-how von REC im Laufe der Zeit im Land durchsickern wird.