Centrosolar beantragt Schutzschirmverfahren

Die Centrosolar Group AG, die Centrosolar AG sowie die Centrosolar Sonnenstromfabrik GmbH haben beim Amtsgericht Hamburg die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens nach deutschem Insolvenzrecht beantragt. Auf diesem Wege hoffe der Vorstand auf eine schnellere Umsetzung der geplanten Restrukturierung, teilten die Photovoltaik-Unternehmen mit. Ursprünglich war eine Sanierung und Entschuldung im Rahmen des laufenden operativen Betriebs geplant. Die notwendige Zustimmung der Anleihegläubiger und Aktionäre für einen Kapital- und Schuldenschnitt lag bereits vor. Allerdings begründet die Unternehmensspitze den Antrag auf ein Schutzschirmverfahren, das erst seit dem vergangen Jahr im dem deutschen Insolvenzrecht möglich ist, mit der schleppenden Verbesserung der Marktbedingungen. Diese „vollzieht sich deutlich langsamer als vorhergesehen“. Der Centrosolar-Vorstand sehe daher die erweiterten Möglichkeiten eines Schutzschirmverfahrens als „deutlich vorteilhafter“ an.

Das Amtsgericht Hamburg muss nun über den Antrag entscheiden. Im Falle einer Genehmigung bleiben Vorstände und Geschäftsführung der Unternehmen im Amt. Sie bekommen dann einen Sachwalter zur Seite gestellt, der die Interessen der Gläubiger wahren soll. Der Geschäftsbetrieb an den betroffenen Standorten Hamburg, Wismar, Paderborn, Kempten und München soll zunächst uneingeschränkt fortgesetzt werden, wie es weiter hieß. Weitere Tochtergesellschaften im Inland sowie im Ausland seien von dem Schutzschirmverfahren nicht betroffen. „Die Renusol GmbH, Centrosolar America Inc. und Centroplan GmbH sind kein Teil des Schutzschirmverfahrens, sondern bestehen unverändert weiter. Diese Unternehmen haben keine wesentlichen Finanzschulden bei Dritten, arbeiten profitabel bzw. nahe an der Profitabilität und sind voll finanziert“, teilte die Centrosolar Group AG weiter mit. Erst am Montag musste die noch im Mai an einen belgischen Konkurrenten verkaufte ehemalige Tochter Centrosolar Glas überraschend Insolvenz anmelden. Mit Eröffnung des Schutzschirmverfahrens hat Centrosolar drei Monate Zeit, einen tragfähigen Sanierungs- und Zukunftsplan vorzulegen. Solarwatt und Centrotherm ist im vergangenen Jahr bereits die Sanierung in Eigenverwaltung gelungen.

Im dritten Quartal hat Centrosolar nach vorläufigen Berechnungen einen Umsatz von 27,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies sei 40 Prozent weniger als noch im Vorjahreszeitraum und habe unterhalb der Erwartungen, die das Photovoltaik-Unternehmen in seinem Restrukturierungsplan angegeben hatte, gelegen. In den ersten neun Monaten 2013 belaufe sich der Umsatz damit bei 85 Millionen Euro; nach 145 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) habe nach ersten Berechnungen im dritten Quartal -4,4 Millionen Euro und in den ersten neun Monaten -18,2 Millionen Euro. Der Verlust hat sich jeweils nochmals erhöht gegenüber dem Vorjahr. (Sandra Enkhardt)