Zulauf bei Energiegenossenschaften hält an

Energiegenossenschaften sind ein Weg, wie sich Menschen mit wenig Geld ebenfalls für die Energiewende engagieren können. Mittlerweile haben diese Genossenschaften deutschlandweit mehr als 130.000 Mitglieder, die bereits rund 1,2 Milliarden Euro in erneuerbare Energieprojekte investiert haben. Dies zeigen die am Mittwoch veröffentlichen Zahlen, die der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) erhoben und ausgewertet hat. Die Zahlen sind im ersten Quartal 2013 erhoben worden. Demnach sind allein im vergangenen Jahr 150 neue Energiegenossenschaften in Deutschland gegründet worden. Die Gesamtzahl liege damit bei 656 Energiegenossenschaften am Jahresende 2012, sagte Eckhard Ott, Vorsitzender des DGRV-Vorstands. Die Zahl der Mitglieder in den Genossenschaften sei sogar noch wesentlich stärker gewachsen. Sie sei gegenüber 2011 um 67 Prozent auf 136.000 angestiegen. Im Schnitt würden Energiegenossenschaften damit von rund 40 Mitgliedern ins Leben gerufen, wobei die Zahl der Gründungsmitglieder zwischen fünf und mehr als 400 stark schwanke, fügte Ott hinzu.

Nach der Gründung der Energiegenossenschaften wachse die Zahl der Mitglieder dann aber rasch an. Die durchschnittliche Zahl der engagierten Bürger in den Genossenschaften habe zum Befragungszeitraum bei 208 Personen gelegen. Die größten Genossenschaften verfügten aber über bis zu 7000 Mitglieder, sagte Ott. Dabei seien dies meist Privatpersonen. Nur insgesamt acht Prozent der Mitglieder seien Unternehmen, Banken, Landwirte, Kommunen, öffentliche Einrichtungen oder Kirchen. Nach der Umfrage des DGRV ist in einigen Genossenschaften bereits eine Beteiligung an Bürgerprojekte mit zehn Euro notwendig, bei mehr als zwei Dritteln können sich Mitglieder mit weniger als 500 Euro für die Energiewende engagieren. Die tatsächliche Beteiligung der Mitglieder beträgt nach den aktuellen Zahlen durchschnittlich 3125 Euro. Die Bandbreite der Investitionen in erneuerbare Energie der einzelnen Genossenschaften sei dabei sehr groß – sie reiche von 20.000 bis 30 Millionen Euro.

Ein Merkmal vieler Energiegenossenschaften sei, dass sie über einen hohen Anteil von Eigenkapital verfügten, sagte Ott weiter. Rund die Hälfte starte sogar gänzlich ohne Fremkapital. Mit dem weiteren Wachstum der Energiegenossenschaften sinke das Niveau dann auf etwa 50 Prozent Eigenkapitalanteil ab. Das Fremdkapital werde dabei dann meist bei Genossenschaftsbanken aufgenommen oder stamme aus Förderdarlehen. Insgesamt zahlten 40 Prozent der Energiegenossenschaften Renditen an ihre Mitglieder aus. Diese bewegte sich der Umfrage zufolge im vergangenen Jahr zwischen 0,8 und 7,0 Prozent.

Bei den meisten der mehr als 650 Energiegenossenschaften in Deutschland gehe es um Stromerzeugung. Im ländlichen Raum gebe es auch einige Wärmegenossenschaften. Im Strombereich dominierten bislang vor allem Photovoltaik-Anlagen. Neben Bürgersolarparks sei nun aber auch Windkraft-Projekte zunehmend gefragte, sagte Ott. Durchschnittlich erzeugten die Genossenschaften 1025 Megawattstunden Strom, mit denen sich 290 Durchschnittshaushalte versorgen ließen.

Auch für künftige Investitionen stünden Photovoltaik-Projekte weiter im Fokus, sagte Ott. Rund 53 Prozent der Energiegenossenschaften planen zusätzliche Aktivitäten in diesem Bereich in den kommenden zwölf Monaten. Die Windkraft folge mit 41 Prozent. Allerdings sind diese Investitionen auch von den Rahmenbedingungen abhängig, wie Ott und der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar), Carsten Körnig, betonten. Gerade bei der Photovoltaik  seien derzeit viele Projekte auf Eis gelegt, da sinkende Einspeisevergütung und steigende Modulpreise viele Anlagen unrentabel machten. Körnig forderte daher auch von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und auch die Gesetzgebung gerade mit Blick auf die im kommenden Jahr beschlossene teilweise Direktvermarktung für Solarstrom anzupassen. Dafür werde der Verband auch den Dialog mit der neuen Bundesregierung suchen. Dabei gehe es neben der Direktvermarktung auch um eine Vereinfachung der Durchleitungsgesetze, so Körnig. Alternativ suchten auch die Energiegenossenschaften bereits nach Lösungen – so gingen sie in Sachen Direktvermarktung Kooperationen mit Stadtwerken ein oder verbrauchten den erzeugten Solarstrom direkt. „Die Politik muss gerade Energiegenossenschaften fördern, da sie die Akzeptanz für die Energiewende in der Bevölkerung steigern“, sagte Körnig weiter.

Zur weiteren Entwicklung bei den Energiegenossenschaften zeigte sich Ott zurückhaltend. Er gehe davon aus, dass auch in diesem Jahr mit einer ähnlichen Zahl von Neugründungen wie 2012 zu rechnen sei. Ein Schub könnte durch die neue AIFM-Richtlinie kommen. Dieses Gesetz, dass die Kapitalmarktregulierung geschlossener Fonds beinhaltet, sorgte bereits seit Ende vergangenen Jahres für einigen Wirbel. Nun seien aber entsprechende Ausnahmen für Energiegenossenschaften gemacht worden, die weitere Neugründungen möglich machten. Dennoch sieht Ott mittlerweile einen Trend, dass sich Menschen stärker an bereits bestehenden Energiegenossenschaften beteiligen statt diese neu zu gründen. (Sandra Enkhardt)

„Die Energiewende in Bürgerhand“ hat eine Kampagne gestartet, um gerade im Wahljahr der Energiewende eine starke Stimme zu verleihen. In einergemeinsamen Charta, die auch online unterzeichnet werden kann, sind die Forderungen für eine ökologische, dezentrale und gerechte Energiewende in Bürgerhand formuliert.