IHS: Weiterer Anstieg der Modulpreise zu erwarten

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Die Preise für kristalline Solarmodule aus China kannten lange Zeit nur eine Richtung – nach unten. Nun scheint der Boden aber erst einmal erreicht. Nach dem jüngsten Bericht von IHS sind die Verkaufspreise chinesischer Module in Europa im Juni um vier Prozent auf durchschnittlich 0,54 Euro pro Watt gestiegen. Mit einer weiteren Verteuerung sei im Juli und dann im September zu rechnen, so dass sie dann bei etwa 0,55 Cent je Watt liegen werden, heißt es im Bericht „PV Price Tracker – Module“ von IHS. Als Grund für den Anstieg sehen die Analysten die Anfang Juni verhängten vorläufigen Importzölle von 11,8 Prozent für kristalline Solarmodule aus China in der EU. Zugleich würden die wieder steigenden Preise aber auch einen schnellen Photovoltaik-Zubau in Europa ausbremsen, heißt es weiter.

„Mit den Plänen der Bundesregierung seit April 2012 die Solarförderung zu senken, übernahmen die billigen Photovoltaik-Module aus China die Vorherrschaft und sorgten dafür, dass der Ausbau der der Photovoltaik in Europa weiterging“, sagt Henning Wicht, Senior Director von IHS. „Jedoch die Ära der billigen Solarmodule aus China ist nun vorbei, nachdem die Preise durch die von der EU verhängten vorläufigen Anti-Dumpingzölle gestiegen sind. Dies wird einen negativen Einfluss auf den Zubau haben und wahrscheinlich dazu führen, dass viele EPC-Unternehmen aus dem Geschäft in diesem Jahr aussteigen werden“, so Wicht weiter.  Nach seiner Ansicht geben die chinesischen Hersteller die Anti-Dumpingzölle direkt an die Käufer weiter, indem sie sie auf die Verkaufspreise aufschlagen.

Für Juli ist IHS zufolge mit einem weiteren Anstieg der Preise zu rechnen. Grund dafür sei, dass mittlerweile durch den EU-Beitritt Kroatiens ein Schlupfloch geschlossen sei, dass viele chinesische Photovoltaik-Hersteller bis Anfang Juni genutzt hätten, um Solarmodule zollfrei in die EU-Staaten einzuführen.  Die weitere Entwicklung der Modulpreise im dritten Quartal werde dann entscheidend davon abhängen, ob sich die EU-Kommission und China auf eine Verhandlungslösung einigen können. Bis zum 5. August bleibt Zeit dafür – ansonsten steigen die vorläufigen Anti-Dumpingzölle danach auf durchschnittlich 47,6 Prozent an. Dies würde auch Sicht der IHS-Analysten zu einer erheblichen Veränderung der Preise für Solarmodule, aber auch für Produkte entlang der Wertschöpfungskette führen.  Es sei dann zu erwarten, dass die chinesischen Hersteller ihre Lieferungen nach Europa dann zunächst aussetzten, so die Einschätzung von Senior Analyst Glenn Gu. Die betroffenen Photovoltaik-Hersteller aus China müssten dann versuchen, die Produktionen teilweise außerhalb Chinas zu verlagern oder Verträge mit nicht-chinesischen Herstellern schließen. Aber allein die zeitweise Unterbrechung der Lieferungen könnte dazu führen, dass die Modulpreise in den folgenden Monaten  um 12 bis 20 Prozent ansteigen, wie es weiter heißt. Am oberen Ende könnte dies zu Modulpreisen von 0,60 bis 0,65 Euro je Watt in Europa führen. Auch ein Engpass für chinesische Solarmodule könnte dann auftreten. Zugleich wären in diesem Preisgefüge aber auch Photovoltaik-Produkte von Herstellern aus Südkorea oder Westeuropa wieder wettbewerbsfähiger. Zumal gerade in Europa die Käufer von Photovoltaik-Anlagen wieder stärker auf Produkte europäischer Anbieter setzen würden.

Historische Tiefstpreise für chinesische Solarmodule in Japan

Die chinesischen Hersteller kristalliner Photovoltaik-Produkte suchen derweil auch emsig nach Alternativen zum europäischen Markt. Japan ist mit seinem rasanten Zubau ein interessantes Ziel. Nach den Erhebungen von IHS sind die Preise für Solarmodule aus China in Japan im Juni erstmals unter durchschnittlich 0,70 US-Dollar (umgerechnet 0,53 Euro) pro Watt gesunken. Dies sei dem harten Preiskampf der chinesischen Hersteller geschuldet. Sie hätten ungeachtet der restriktiven Regulierungen für Importe und Qualität zu diesem massiven Preisverfall in Japan für Solarmodule geführt. (Sandra Enkhardt)

Eine Übersicht von IHS über die Preise für kristalline chinesische Solarmodule auf den verschiedenen Zielmärkten finden Sie auch auf unsererThemenseite „Modulpreisindex“.