Solarworld-Chef enttäuscht von Bundesregierung

„Ganz ehrlich: Ich bin zutiefst enttäuscht von der mangelnden Solidarität in Politik und Wirtschaft. Wir erleben gerade ein folgenreiches Einknicken von Bundespolitik und deutschen Verbänden vor der neuen Wirtschaftsmacht China – mit fatalen Folgen weit über die Solarbranche hinaus“, sagt Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe). China versuche mit „illegalen Methoden“ eine Dominanz auf den weltweiten Photovoltaik-Märkten zu erreichen. Die Bundesregierung wolle aber dennoch Anti-Dumpingzölle in Europa für die Hersteller kristalliner Photovoltaik-Produkte aus China verhindern, so Asbeck weiter. „Die Bundesregierung darf nicht vor dem Druck aus Peking einknicken. Sie muss diesem Monopolstreben die rote Karte zeigen und dagegenhalten. Und zwar sofort“, forderte Asbeck weiter. Aus seiner Sicht sei die Solarindustrie nur das erste Opfer der chinesischen Politik. Danach seien Industriezweige wie Maschinenbau, Telekommunikation und auch die Autobranche an der Reihe.

Asbeck weist auch die Argumentation der Bundesregierung zurück, sie wolle einen Handelskrieg mit China vermeiden. Mit Blick auf die Haltung des federführend verantwortlichen Wirtschaftsministers Philipp Rösler (FDP) sagt der Solarworld-Chef im Interview: „Das ist nun wirklich unglaublich dumm und undiplomatisch für einen Minister. Mit der Festlegung sind die gerade beginnenden EU-Verhandlungen mit Peking geschwächt. Mal abgesehen davon: Der Handelskrieg ist doch längst da. Nicht wir zetteln ihn an, sondern China tut das.“ Asbeck wirft China vor, seit drei Jahren das Dumping seiner Photovoltaik-Hersteller zu stützen. Dies wolle Solarworld mit Anti-Dumpingzöllen in der EU korrigieren und die Bundesregierung schütze nur die Täter. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich, dass dieImportzölle auch gegen den Willen der Bundesregierung in Europa kommen werden. Falls nicht, würde dies weitere Insolvenzen europäischer Photovoltaik-Unternehmen bedeuten. Die Solarindustrie könnte ohne Zölle weitgehend aus Europa verschwinden. „Die Zeche würden langfristig vor allem die Verbraucher und Stromkunden zahlen. Denn in einem Monopolmarkt sind die Preise hoch – Solarstrom würde teurer“, so Asbeck weiter.

Mit Blick auf den geplanten Kapital- und Schuldenschnitt sowie den Einstieg eines Investors aus Katar sagte Asbeck, dass Solarworld dennoch weiter seinen Hauptsitz in Deutschland haben werde. Auch die Produktionsstätten hierzulande und in den USA blieben erhalten. Es sei aber möglich, dass eine Fabrik im Nahen Osten gebaut werde. Die Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen. Asbeck stellte aber klar, dass er auch nach der Restrukturierung der Finanzverbindlichkeiten und dem Einstieg des Investors aus Katar weiterhin das Steuer bei Solarworld fest in der Hand halten will. „Mich wird man hier so schnell nicht los. Ich bin bereit, noch fünf Jahre dranzuhängen. Es gibt wohl auch keinen Chef, der so billig zu haben ist. Ich habe mich ja verpflichtet, kostenlos für Solarworld zu arbeiten – bis wir wieder in ruhigem Fahrwasser sind“, sagte der Solarworld-Chef.

200 Gigawatt Photovoltaik-Leistung für Deutschland

Das Potenzial der Solarenergie in Deutschland hält Asbeck noch für sehr hoch. Photovoltaik habe das Potenzial, ein Drittel des deutschen Stromverbrauchs zu decken. Dafür müssten genug Speichermöglichkeiten vorhanden sein und insgesamt200 Gigawatt Photovoltaik-Leistung installiert werden.  Ein Ziel, dass die Bundesregierung ebenfalls nicht zu teilen scheint, da die Solarförderung in Deutschland beim Erreichen einer installierten Photovoltaik-Leistung von 52 Gigawatt auslaufen soll. Er sieht ein, dass beim EEG in der Vergangenheit Fehler gemacht worden seien. So hätten die Vergütungskürzungen und Beschränkungen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen bereits viel früher kommen müssen. Doch auch hier pocht Asbeck auf die Wirksamkeit der Anti-Dumpingmaßnahmen: „Wir haben jetzt drei Jahre hintereinander 7,5 Gigawatt hinzugebaut, den Großteil davon aus China. Die Hälfte wäre vernünftig gewesen. Antidumpingmaßnahmen würden auch dieses Problem lösen. Dann würde nicht auch noch das unsinnigste Projekt realisiert.“ (Sandra Enkhardt)