Wettbewerbsfähig durch Kooperation

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Die Exportquote des deutschen Maschinenbaus für Photovoltaik-Produktionsmittel, der rund 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, lag 2010 bei 84 Prozent. Das ist enorm – doch kein Grund, sich bequem zurückzulehnen. So die Essenz der Veranstaltung „Photovoltaik trifft Maschinen- und Anlagenbau“, zu der Ende September 160 Experten in Erfurt zusammenkamen. Für Deutschland hat der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bereits festgestellt, dass die Zahl der Aufträge zurückgeht. Ein Vergleich mit Zahlen des internationalen Halbleiterverbands Semi legt den Schluss nahe, dass das nicht nur einem allgemeinen Auftragsrückgang geschuldet ist, sondern dass die deutschen Maschinenbauer eventuell Marktanteile verlieren.

Das ist nicht ganz verwunderlich. So legte Silvia Roth, Vizepräsidentin für Marketing des Photovoltaik-Anlagenbauers Roth & Rau, dar, dass Maschinenbauer aus Asien bereits mit Geräten für sieben der zehn Prozessschritte aufwarten. „Wir können nur versuchen, neue Technologien anzubieten und den berühmten einen Schritt voraus zu sein“, sagte sie. Potenzial für Verbesserungen gebe es viel. Der Ertrag der Photovoltaik-Produktionsanlagen liege noch weit unter dem, was für die Halbleiterindustrie üblich sei. Beispielsweise sei es sinnvoll, die Produktionsanlagen so zu konzipieren, dass die Wafer seltener von einem Carrier auf einen anderen umgeladen werden müssten.

Design to Cost

Nicht nur die Zell- und Modulhersteller, sondern auch Maschinen- und Anlagenbauer sind einem enormen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Mit den Maschinen müsse bei Zellen und Modulen eine „Preisreduktion von 18 bis 20 Prozent pro Jahr“ möglich sein, sagt Peter Fath, CTO des Anlagenbauers Centrotherm und Vorstand der „Verbandsplattform PV Produktionstechnik“ beim VDMA. Um erfolgreich zu sein, habe er bei Centrotherm gegen viel Widerstand das sogenannte Design-to-Cost-Verfahren eingeführt. Bereits bei der Planung neuer Maschinen werde neben den technischen Spezifikationen die Anforderung an die Kosten definiert. Ein strukturiertes Verfahren ermögliche es, technische Entwicklung und Kostenplan gleichzeitig umzusetzen. Eine Maschine würde nur entwickelt, wenn man damit mindestens 30 Prozent billiger produzieren könne als bisher. Es sei für hiesige Maschinenbauer allerdings ein hoffnungsloses Unterfangen, nur billigere Geräte zu entwickeln. Sie müssten auch besser sein und zum Beispiel schneller produzieren.

Zur Entwicklung sind den Maschinenbauern allerdings die Zellhersteller abhanden gekommen. Die ersten Anlagen haben sie noch zusammen mit den Zellherstellern entwickelt. Nachdem das Know-how mit den Maschinen nach Asien gewandert ist, haben sich die Hersteller hierzulande abgeschottet. Die Lücke füllen Maschinenbauer und Anlagenbauer wie Centrotherm in ihreneigenen Entwicklungsabteilungen. Trotzdem hat sich auch Peter Fath dazu bekannt, dass Photovoltaikproduktion in Deutschland wünschenswert wäre – und nicht unmöglich ist. Er ist der Auffassung, dass sie mit guter Planung durchaus konkurrenzfähig wäre.

Eric Maiser, Geschäftsführer des VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel, rät deshalb zu mehr vorwettbewerblicher Zusammenarbeit zwischen Maschinenbauern und Photovoltaikherstellern. „Sie ist wichtig, um die Photovoltaikindustrie in Europa zu unterstützen“, sagt er. Wie sich das erreichen lässt, ist aber noch nicht klar, da auch das Kartellrecht mit in diese Problematik hineinspielt.

Silvia Roth stellte klar, dass Roth & Rau gerne mit europäischen Herstellern kooperiere. Zum Beispiel bei der sogenannten HIT-Technologie, für die das Unternehmen eine Pilotlinie entwickelt hat (siehe Forschungsmeldungen Seite 48). Das ist die gleiche Zelltechnologie, mit der Sanyo Hocheffizienzzellen herstellt. In Deutschland sei drei Jahre lang kein Unternehmen dazu bereit gewesen, in die Technologie zu investieren. Asiatische Hersteller würden Roth & Rau hingegen die Türen einrennen und irgendwann wolle man dann auch mal verkaufen. Allerdings ist auch für sie klar, dass der größte Erfolgsfaktor der hiesigen Maschinen- und Anlagenbauer das „Dreigestirn“ aus eben diesen Unternehmen, den Zell- und Modulherstellern sowie den Forschungseinrichtungen in der Region sei.

Die Veranstalter Solarinput und VDMA Ost wollten mit dem Treffen genau diese Kooperation fördern. Bei einem Thema schien dies gelungen. Das Berliner Unternehmen IB Vogt optimiert Logistik sowie Ver- und Entsorgung von Produktionsstätten. Bei den Fabriken, die sie bisher unter die Lupe genommen haben, seien durchschnittlich die Kosten für Strom und Kühlung um 33 Prozent, für Abwasser um 50 Prozent und für Abluft um 70 Prozent gesenkt worden. Geschäftsführerin Dagmar Vogt sieht daher grundsätzlich große Einsparpotenziale, und zwar auch in Deutschland. Die Fabriken hierzulande seien in der Boomphase unter der Maßgabe errichtet worden, schnell hohe Produktionszahlen zu erreichen, nicht möglichst sparsam mit Ressourcen umzugehen. Das hat die anwesenden Photovoltaikhersteller sichtlich interessiert.

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