Stagnation und Euphorie

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Es ist schon erstaunlich. Man kann kaum noch die Zeitung aufschlagen, das Radio oder den Fernseher einschalten, ohne etwas von der bevorstehenden Energiewende zu lesen, zu hören oder zu sehen. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Studie oder ein Positionspapier dazu erscheint. Und es ist ja auch sehr erfreulich, dass sich die Regierung die Energiewende hin zu Erneuerbaren auf ihre Fahnen geschrieben hat. Sie will sich sogar beeilen und bis 6. Juni die EEG-Novelle für 2012 beschließen. Es ist eine große Chance, dass die EEG-Novelle mit der angekündigten Energiewende zusammenfällt, könnte man meinen. Doch dann macht stutzig, was das Bundesumweltministerium mitteilt. Die Photovoltaik werde bei dem ersten Entwurf für die EEG-Novelle, den die Referenten des Ministeriums gerade vorgelegt haben, „weitgehend verschont“.

„Verschont“ werden kann man doch nur bei einem Angriff. Mit einem Angriff auf das EEG und die Erneuerbaren macht man aber nun einmal keine Energiewende. Und „weitgehend“ bedeutet eben, dass auch die Photovoltaik nicht ganz ungeschoren davonkommt. So ist der erste Entwurf aus Sicht der Solarwirtschaft zwar keine Katastrophe, aber ein großer Wurf für die Energiewende ist er auch nicht. Nicht einmal die Ausbauziele für Photovoltaik werden angehoben. Stattdessen steckt er voller Details, die je nach Anlagentyp zu um einige Prozent höheren Kosten von Photovoltaikanlagen oder zu einer niedrigeren Förderung führen, was beides Solarstrom unrentabler macht (Seite 20).

Das Gegenteil solcher Zaghaftigkeit lässt sich auf der Intersolar in München erwarten, die zwei Tage nach dem anvisierten Kabinettsbeschluss beginnt. Sie bricht, was Fläche und erwarteteBesucherzahl angeht, wieder einmal ihren eigenen Rekord. Die Redaktion hat über 150 Zuschriften von Firmen bekommen, die neue Produkte vorstellen, von denen eine erstaunlich hohe Zahl sehr innovativ ist (Seite 160 bis Seite 237). So steigen etwa die Wirkungsgrade der Wechselrichter weiter an, das erste Gerät mit höheren Systemspannungen soll jetzt wirklich auf den Markt kommen (siehe auch Seite 126), es gibt einige Speichersysteme für Eigenverbrauch und Anlagen, die Photovoltaik nutzbar machen, um Elektroautos so zu laden, dass das Stromnetz entlastet wird.

Erfreulicherweise tut sich endlich auch wieder etwas bei den Modulen. Sie werden nicht nur leistungsfähiger, viele Hersteller haben sich wirklich etwas Neues einfallen lassen. Seien es Folien, die Erträge steigern, Technologien, die gegen spannungsinduzierte Degradation schützen, Module in neuen Designs, in neuen Formen und anderen Materialien. Der Wettbewerb nimmt auch bei den flexiblen Modulen zu. Das ist gut für die Betriebe, die auf statisch schwachen Industriedächern installieren möchten (Seite 136). Und die nächsten Neuerungen stehen schon an, darunter Module, die ohne Folie verkapselt werden (Seite 100).

Auch die Redaktion ist auf der Intersolar wieder vertreten. Wenn Sie vor Ort sind, besuchen Sie uns in Halle A4 am Stand 440. Das ist ziemlich genau in der Mitte der Halle.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Michael Fuhs (Chefredakteur)