OTTI-Symposium mit aktuellen Prognosen für 2011

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Der Analyst der BHF Bank AG, Götz Fischbeck, hält einen teilweisen Zusammenbruch des Photovoltaik-Marktes in Deutschland im kommenden Jahr für möglich.  Wenn es in diesem Jahr einen ähnlichen Zubau wie 2010 gebe, also zwischen 7000 und 7500 Megawatt, dann kommt „der investorengetriebene Photovoltaik-Markt 2012 mehr oder weniger zum Erliegen“, sagte Fischbeck auf der Auftaktveranstaltung des 26. Symposium Photovoltaischen Solarenergie in Bad Staffelstein. Der Analyst hält eine neu installierte Leistung in einer Größenordnung wie 2010 für möglich. Der Markt sei unbeeindruckt von den geplanten Kürzungen der Solarförderung für dieses Jahr. Er habe in einem einfachen Szenario die Zahlen analysiert und mit jenen aus dem Vorjahr abgeglichen. Bei einer ähnlichen Entwicklung des Photovoltaik-Marktes stünde zur Jahresmitte eine vorgezogene Kürzung der Solarförderung in Höhe von sechs Prozent an. Relevant dafür wird die neu installierte Leistung in den Monaten März bis Mai sein, die dann von der Bundesnetzagentur zu einer Jahresprognose hochgerechnet werden. Für das Gesamtjahr 2011 geht Fischbeck von einer Kürzung der Photovoltaik-Einspeisetarife um 18 bis 21 Prozent aus. Damit würde die Rendite für Photovoltaik-Projekte 2012 unter den Schwellwert von sieben Prozent sinken, der aus Sicht des Analysten notwendig ist, damit der Markt funktioniert und Investoren ihr Geld in Photovoltaik-Projekte stecken. Dabei geht er davon aus, dass die Preise für Solarmodule nicht entsprechend fallen, um weiterhin eine entsprechende Rendite zu erzielen, sagte Fischbeck auf dem Otti-Symposium weiter.

Die Entwicklung des Photovoltaik-Marktes in Deutschland und anderen Ländern werde aber auch maßgeblich von den weiteren politischen Entscheidungen bei der Solarförderung abhängen. Entsprechend unsicher sind die Prognosen. Er sieht insgesamt für die nächsten zwei Jahre eine Stagnation des Photovoltaik-Marktes.

BSW-Solar scheut konkrete Prognose für 2011

Der weltweite Markt für netzgekoppelte Photovoltaik-Systeme in den vergangenen Jahren extrem gewachsen. Allein in Deutschland stieg die Gesamtleistung der Anlagen im vergangenen Jahr auf mehr als 16 Gigawatt. Damit trage die Solarenergie in Deutschland mit etwa  2 Prozent zur Stromproduktion bei. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar), Carsten Körnig, geht davon aus, dass es Ende des Jahres bereits drei Prozent sein werden. Dies sei trotz einer Beruhigung des Marktes, von der der Verband ausgeht, zu realisieren, sagte er auf einer Pressekonferenz in Bad Staffelstein. Konkrete Prognosen für den Zubau in diesem Jahr wollte er aber nicht abgeben, da der Verband in der Vergangenheit schon häufiger danebengelegen hätte.

Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-ISE in Freiburg, sieht ebenfalls ein leichtes Abflauen der Nachfrage in Deutschland. „Trotz Marktberuhigung stehen wir weltweit am Beginn einer Revolution“, sagte er. Künftig gehe es nicht um den Zubau im zweistelligen, sondern im dreistelligen Gigawattbereich bei der Photovoltaik. Bislang sei eine „Verflachung der Lernkurve“ nicht eingetreten. Die Kosten für die Photovoltaik fielen weiter rapide, sagte Weber in Bad Staffelstein.

Investitionen am Standort Deutschland

„Die deutschen Photovoltaik-Hersteller entlang der Wertschöpfungskette planen in den kommenden drei Jahren allein am Standort Deutschland insgesamt fünf Milliarden Euro zu investieren“, sagte Körnig weiter. Dies zeige, dass trotz des zunehmenden Fokus der Photovoltaik-Firmen auf ausländische Märkte, der Standort Deutschland nicht vernachlässigt werden wird. Körnig und Weber forderten gerade vor diesem Hintergrund die Bundesregierung zu einem maßvollen Handeln bei der weiteren Ausgestaltung  der Solarförderung auf. Die Entwicklung der Branche dürfe nicht gefährdet werden – nur so könnten die Früchte der bisherigen Investitionen geerntet werden.  Außerdem seien die Einspeisetarife für Photovoltaik-Anlagen schon so weit gesunken, dass sie sich nicht mehr gravierend kostensteigend auf die EEG-Umlage auswirkten. Dabei sei nicht ausschlaggebend, ob der Zubau in Deutschland künftig wie von der Bundesregierung gewünscht bei 3,5 Gigawatt oder vom Verband erwartet bei fünf Gigawatt liegt, so das Fazit. (Michael Fuhs/William Vorsatz/Sandra Enkhardt)