Das Spiel wird ernst

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Wer wartet, gewinnt? Oder gewinnt, wer sich schnell regt? Die Photovoltaik könnte den Wissenschaftlern, die sich mit der sogenannten Spieltheorie befassen, ein dankbares Forschungsgebiet bieten. Die Spieltheorie untersucht, was auf einem Markt geschieht, auf dem sich verschiedene Marktteilnehmer rational verhalten. Was rational ist, bestimmen dabei die Regeln. Nicht selten ist das Resultat absurd.

Kurz vor Redaktionsschluss der vorliegenden Ausgabe erschütterten zwei Meldungen die Branche. Schon länger war bekannt, dass der BSW-Solar mit dem Bundesumweltminister über eine vorgezogene Kürzung der Einspeisevergütung diskutiert. Am 20. Januar wurde dann offiziell: Beide wollen eine Reduktion zum 1. Juli, die sich an der Menge der zwischen März bis Mai zugebauten Anlagen bemisst und bis zu 15 Prozent betragen kann.

Wie absurd das ist, zeigt eben die Spieltheorie. Am sinnvollsten wäre es, Interessierte und Installateure würden sich darauf verständigen, im ersten Halbjahr möglichst nicht zu bauen, um dann im zweiten Halbjahr bei gesunkenen Preisen die Zubauraten zu einem neuen Höhenflug zu bringen. Stattdessen wird jeder kluge Kunde vor dem ersten Juli bauen wollen, um nicht durch eine mögliche Absenkung Geld zu verlieren. Der Höhenflug wird also früher einsetzen und zu deutlich größeren Einschnitten führen. Gut wäre allerdings keine der beiden Varianten. Denn statt Höhenflug braucht die Branche stetiges, nachhaltiges Wachstum. Wie das geht, haben beispielsweise die Grünen vorgeschlagen (siehe Stellungnahmen ab Seite 18).

Die zweite Meldung kam von überraschender Seite. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, der das Ziel einer vollständigen Versorgung aus Erneuerbaren für möglich hält, will den Photovoltaikzubau auf ein Gigawatt deckeln. Selbst wenn man die Unkenrufe aus der Vergangenheit über den Untergang der Branche nicht immer ernst nehmen konnte: Dieses Mal geht es ums Ganze. Ein Deckel, noch dazu bei einem Gigawatt, würde das Erreichte zerstören: die Entwicklung eines Marktes und die Bildung von Know-how, ohne das Wirtschaft nicht funktioniert.

Ganz offen spricht der Umweltrat dabei aus, worum es geht. Deutschland habe genug getan, jetzt seien andere Länder dran. Hierzulande könne man wieder investieren, wenn die Technologie noch billiger geworden sei. Doch wie soll sie billiger werden? Die Spieltheorie lehrt, dass vordergründig kein Land aus rationalen Motiven das Wachstum finanziert, mit dem entsprechend der Lernkurve die Preise weiter sinken. Das macht nur, wer überzeugt ist von der Technologie und den Chancen, die sie bietet. Oder wer darauf setzt, dass es ökonomisch von Vorteil ist, von Anfang an mit dabei zu sein und Unternehmen im Lande zu haben, die mit führend in dieser Technologie sind.

Übrigens ist auch das Vorgehen des BSW-Solar an sich ein gewagtes Spiel. Politisch hielt es der kleine Zirkel der Verantwortlichen für sinnvoll, keine Diskussion aufkommen zu lassen. Auf der Strecke blieb die Mitbestimmung der Mitglieder wie der Nicht-Mitglieder, die es in der Solarwirtschaft schließlich auch noch gibt. Ob das Konzept aufgeht, ohne Diskussion eine schnelle und für die Branche gute Einigung zu erreichen, steht in den Sternen. Die Gegner der Photovoltaik werden das Entgegenkommen nicht würdigen, sondern ausnutzen. Wenn selbst die Frösche im Teich nach Trockenlegung rufen, dann liegen die Dinge offensichtlich sehr im Argen, heißt es von dieser Seite. Im Argen liegt vor allem die offene Diskussion, bei der nicht, wie zurzeit üblich, vorgebliche Verbraucheranliegen instrumentalisiert werden, um die Interessen der großen Energiekonzerne durchzusetzen. Das Spiel wird ernst.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Michael Fuhs

Chefredakteur

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