Bauernschlau mit PV

Die Landwirtschaft gilt schon seit Jahren als ein wichtiger Treiber des PV-Marktes. Genauere Untersuchungen und aktuelle Zahlen zu diesem Kundensegment suchte man jedoch bisher vergeblich. Diese Lücke füllt nun die erste deutschlandweite Studie „Photovoltaik in der Landwirtschaft – Renaissance eines Marktsegments in Deutschland?“, die EuPD Research zusammen mit dem BSW-Solar und der Solarpraxis AG vorlegte.

„Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs wird es zusehends wichtiger, die einzelnen Märkte besser zu kennen und die Kundengruppen richtig anzusprechen“, sagt Karl-Heinz Remmers, Vorstandsvorsitzender der Solarpraxis AG. „Mit der Studie wollen wir vor allem Herstellern und Großhändlern Unterstützung bei ihrer strategischen Unternehmensausrichtung in Hinblick auf Käuferstruktur und Absatzmarkt geben“, ergänzt Sebastian Fasbender, Sprecher des BSW-Solar.

Potenzial von über 22 Gigawatt

374.500 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von mindestens zwei Hektar gibt es in Deutschland. Beinahe ein Drittel von ihnen konzentriert sich in Bayern, danach folgen Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Um das nutzbare PV-Potenzial auf den Gebäuden dieser Betriebe hochzurechnen, berücksichtigte EuPD Research auch die Betriebsgröße und die Art der Bewirtschaftung, denn in einer tierintensiven Landwirtschaft gibt es mehr Ställe und Lagergebäude für Futter.

Spitzenreiter ist wiederum mit Abstand Bayern mit 6,26 Gigawatt, dahinter folgen Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Für die gesamte Bundesrepublik errechneten die Bonner Marktforscher ein Potenzial von 22,27 Gigawatt Photovoltaikleistung auf Dachflächen von landwirtschaftlichen Gebäuden. „Wir konzentrierten uns auf Aufdachanlagen, weil Landwirte wegen der weniger attraktiven Einspeisetarife und der vorhandenen Dachgrößen kaum Freiflächenanlagen bauen“, erklärt Studienautor Christian Schossig.

Bundesweit beträgt die PV-Marktsättigung – gemessen an der Anzahl der Anlagen je Betrieb in Relation zum errechneten Potenzial – circa 8,5 Prozent. Vor allem in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und in den östlichen Bundesländern liegt die Sättigung in vielen Landkreisen noch auf einem sehr niedrigen Niveau, ergab die Untersuchung. Dagegen liegt die Quote vor allem in Teilen von Baden-Württemberg und Bayern bereits sehr viel höher. So gibt beispielsweise der Maschinenring Schwäbisch-Hall an, dass 40 Prozent seiner 760 Mitglieder bereits eine PV-Anlage besitzen (siehe photovoltaik01/2009).

Keine Kreditklemme

Ein eigenes Kapitel der Studie beleuchtet die Finanzierungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Photovoltaikanlagen. Bauern haben demnach – zumindest bisher – einen relativ günstigen Zugang zu Krediten. „Gründe für die vergleichsweise hohe Bonität liegen in den guten Möglichkeiten der Landwirte zur Stellung von Sicherheiten und in dem verlässlichen Ruf, den diese Kundengruppe offensichtlich bei vielen Finanzierern genießt“, sagt Schossig. Günstige Solarkreditprogramme werden insbesondere von spezialisierten Banken wie der Landwirtschaftlichen Rentenbank und der Umweltbank sowie der KfW-Bankengruppe angeboten. Doch auch Sparkassen sind regional wichtige Geldgeber. Durch die sinkenden Systempreise würden die Investitionen in PV-Anlagen auch für Landwirte zusehends rentabler, unterstreicht der EuPD-Research-Analyst.

Maschinenringe als Mittler

Eine wichtige Rolle bei der Distribution von PV-Anlagen im landwirtschaftlichen Bereich spielen die Maschinenringe, in denen sich viele Bauern zusammenschlossen, um Landmaschinen gemeinsam zu nutzen oder günstiger zu erwerben. Zurzeit gibt es in Deutschland 258 Maschinenringe, in denen über 54,7 Prozent aller deutschen Landwirte organisiert sind. Diese gründeten oftmals Tochterunternehmen, die im Bereich PV oder direkt im Installationsgeschäft aktiv sind oder sich ganz auf die Beratung spezialisiert haben.

Manche Maschinenringe besitzen zudem feste Vertragspartner, welche die Lieferung, Montage und den Anschluss der Photovoltaikanlagen übernehmen. „Um den landwirtschaftlichen Kunden zu erreichen, führt in vielen Regionen Deutschlands der Weg ausschließlich über die lokalen Maschinenringe. Sie sind der wichtigste Mittler in der Distributionskette“, betont Studienautor Christian Schossig. Als regionale Anlaufstellen und Interessenvertreter der Landwirte steigern sie sowohl die Bekanntheit als auch die Verbreitung von Solarstromerzeugung unter Landwirten.

Gefragter Service

Mehr als 90 Prozent der befragten Landwirte fühlen sich gut bis sehr gut über die Möglichkeiten der Solarstromerzeugung informiert und können mit dem Begriff Photovoltaik etwas anfangen. Über 80 Prozent stehen dieser Technologie positiv gegenüber. Zwei Drittel der Landwirte sind grundsätzlich daran interessiert, sich eine PV-Anlage anzuschaffen.

Immerhin 14 Prozent der Befragten planen ganz konkret, in der nahen Zukunft in eine PV-Anlage zu investieren. Erwartet wird eine Rendite von mindestens sechs Prozent, rund ein Drittel fordert eine Rendite von mindestens acht Prozent. Bei den Kaufentscheidungen der Landwirte für PV-Komponenten spielen laut Studie allerdings nicht nur eine attraktive Rendite und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis eine entscheidende Rolle, sondern auch ein guter Service. „Besonders Landwirte haben hohe Ansprüche, was die Serviceleistung der Installateure und Hersteller betrifft, sei es in Form von Beratung, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Wartung oder Garantieansprüchen“, unterstreicht

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ERHEBUNGSMETHODE DER STUDIE

• 52 Landwirte wurden nach einer standardisierten Methode im Februar 2009 von EuPD Research bundesweit telefonisch befragt.

• Die Anzahl der pro Bundesland befragten Landwirte repräsentiert jeweils die durchschnittliche Anzahl von landwirtschaftlichen Betrieben in dem betreffenden Bundesland.

• Mit Maschinenringen, Bauernverbänden, Distributoren, Sparkassen und Banken wurden qualitative Interviews geführt.

• Ergänzend wurden Daten aus Panelerhebungen von EuPD Research herangezogen, so die Ergebnisse einer Befragung von rund 300 deutschen Installateuren Ende 2008 zum Kaufverhalten verschiedener Kundengruppen.