„Kleinere Anlagen sind immer teurer“

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Die Prognosen über die Entwicklung eines Käufermarkts in der Photovoltaik haben sich bestätigt: Die Modulpreise sinken und Lieferengpässe sind passe. Viele Endkunden warten derzeit auf noch weiter fallende Preise, wie eine aktuelle Branchenumfrage zum Modulmarkt der photovoltaik ergab. Die Auswertung können Sie in unserem nächsten Heft nachlesen, das am 5. Februar erscheint. Im Folgenden finden Sie ein Interview mit André Hückstädt, Teamleiter Solarfinanzierung der Umweltbank, zu diesem Thema.

Durch die EEG-Novelle sinkt die Einspeisevergütung. Lohnen sich Photovoltaikanlagen jetzt weniger?

Irgendwo muss die Rendite purzeln. Die Frage ist nur wo – beim Endverbraucher, beim Installateur oder beim Lieferanten. Wir haben den Eindruck, dass die Preise für Module sinken. Allerdings muss man da kleine, mittlere und große Anlagen unterscheiden.

Wie hoch liegen denn jetzt ungefähr die Investitionskosten?

Wir beobachten, dass sie für kleine Anlagen unter 4000 Euro pro Watt liegen. Kleine Anlagen sind aber immer teurer, da sie spezifisch höhere Installationskosten verursachen. Bei mittleren Anlagen zwischen zehn und 70 Kilowatt, die zum Beispiel Kapitalanleger oder Landwirte bauen, beobachten wir Kosten von rund 3500 Euro pro Kilowatt und bei noch größeren Anlagen von rund 3000 Euro.

Wie wichtig ist die Rendite für den Endverbraucher überhaupt?

Je kleiner die Anlage ist, desto weniger spielt die Rendite eine Rolle. Besser gesagt, die kaufmännische Rendite. Die emotionale Rendite kann ja trotzdem hoch sein. Der Nachbar oder Freundeskreis bewundert die Anlage. Der erzeugte grüne Strom gibt das Gefühl einer CO²-neutraleren Lebensweise. Es kann der eigene Strom produziert werden, so dass eventuell später keine Abhängigkeit vom Energiepreis mehr besteht. Allerdings ist dieses Klientel verunsichert durch die Wirtschaftkrise. Wer Angst um seinen Job hat, baut vielleicht keine Solaranlage.

Nehmen wir an, eine Anlage lässt auch unter den neuen Bedingungen eine ansehnliche Rendite nach der Methode des internen Zinsfußes erwarten. Gibt es Pferdefüße bei der Renditerechnung?

Sie müssen zum Beispiel eine Annahme darüber treffen, wie hoch die Einnahmen verzinst werden. Auch können Sie die Erträge einfach schön rechnen. Wenn Kredite dazu kommen, kann man mit der Laufzeit von Darlehen tricksen.

Wie machen sie das, wenn sie über die Kreditvergabe entscheiden?

Wir richten uns nach der Nullrendite, d.h. wir schauen uns an, ob die erwarteten Zahlungsüberschüsse ausreichen, den Kredit zu tilgen. Der Kunde bekommt keinen höheren Kredit als er mit den Einnahmen aus der Anlage zurückzahlen kann.

Und wie würden Sie für sich privat entscheiden, ob sich eine Anlage lohnt?

Ich mache eine einfache Rechnung. Wenn die Summe der jährlichen Zahlungsüberschüsse nach Kreditverpflichtungen (Zins&Tilgung) nicht wesentlich mehr als dreimal so hoch sind, wie das eingesetzte Eigenkapital, ist es uninteressant.

Das Interview führte Michael Fuhs.