Drum prüfe, wer sich bindet

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Liebe Leserin, lieber Leser!

Haben Sie auch eine Photovoltaikanlage? Und? Haben Sie dafür einen Vertrag mit Ihrem örtlichen Netzbetreiber geschlossen? Nein? Dann seien Sie froh!

Wenn doch, sind Sie keinesfalls allein. Im Netzgebiet der EnBW unterschreiben immerhin 80 Prozent der Anlagenbetreiber einen Einspeisevertrag. Und das obwohl ein solches Schriftstück im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gar nicht vorgesehen ist. Das gesetzliche Recht auf Einspeisevergütung besteht sowieso. Aus dieser Verpflichtung kommt kein Netzbetreiber raus. In der jüngst verabschiedeten EEG-Novelle steht jetzt sogar ganz ausdrücklich drin, dass ein Vertrag nicht erforderlich ist. Unterschreibt der Anlagenbetreiber trotzdem, können ihm zahlreiche Nachteile entstehen. Angefangen bei unüblichen Gebühren bis hin zu Problemen mit der eigenen Haftpflichtversicherung (Seite 84).

Einen Vorteil kann ein Vertrag mit dem Netzbetreiber allerdings schon haben: Er könnte die Einspeisung nach Ablauf der im EEG garantierten 20 Jahre gesetzlicher Vergütung regeln. Ansonsten gibt es für den PV-Strom vielleicht keinen Cent mehr. Wirklich gute Verträge sind aber leider die Ausnahme.

Allerdings stellt sich die Frage, ob eine Regelung für die Einspeisung nach 20 Jahren überhaupt noch nötig ist. Denn das novellierte EEG sieht ab 2009 auch eine Vergütung für den Eigenverbrauch vor. Die soll bei 25 Cent liegen. Damit ist die Differenz zum Einspeisetarif für Dachanlagen nur unwesentlich größer als der Preis für konventionellen Strom. Steigt der Strompreis in Zukunft also auch nur leicht an, ist man eh am besten beraten, sich vom eigenen Dach zu versorgen.

Für Solarfreunde in Spanien mögen solche Probleme im Moment eher trivial anmuten. Auf der iberischen Halbinsel steht derzeit die ganze PV-Branche auf dem Spiel. Das spanische Energieministerium hat nämlich im Juli einen neuen Entwurf des Real Decreto ins Gesetzgebungsverfahren eingebracht, der vorsieht, die Einspeisevergütung um rund 35 Prozent zu kürzen. Experten sehen ein großes Unternehmenssterben voraus. Investitionen von rund vier Milliarden Euro stehen auf dem Spiel (Seite 46).

Spannend wird auf jeden Fall, wie sich die Lage in Spanien auf den deutschen Markt und die hiesigen Preise auswirkt. Die könnten nun schlagartig sinken, wenn der spanische Markt fast wegbricht. Hinzu kommen wahrscheinlich noch Absagen, die aus Mehrfachbestellungen resultieren und die Preise zusätzlich unter Druck setzen (Seite 33).

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Karsten Schäfer

Chefredakteur

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