Größer, internationaler und noch mehr PV: Die Intersolar 2008

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Wenn der Münchner Stadtrat Gäste von Rang und Namen empfängt, lädt er in das Alte Rathaus am Marienplatz ein. Die Bayerische Staatsregierung mag es prunkvoller. Sie bittet in den Kaisersaal der Residenz am Münchner Odeonsplatz. Die Residenz war der Wohn- und Regierungssitz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige. Der Kaisersaal ist der größte und bedeutendste Festsaal des ehemaligen Herrschersitzes und ein „Ort von höchstem zeremoniellem Rang“, schreibt die Bayerische Schlösserverwaltung auf ihrer Website. In dem gold erstrahlenden Saal, inmitten von Wandteppichen und Deckengemälden, wird Umweltstaatssekretär Marcel Huber am 12. Juni die Intersolar, die europäische Leitmesse für Photovoltaik, Solarthermie und solares Bauen, offiziell im Freistaat Bayern willkommen heißen. Diese Ehre wird nicht vielen Messen zuteil. „Von zehn bis zwölf Messen im Jahr findet im Schnitt für ein bis zwei ein Staatsempfang statt“, berich tet Gregor Kuhl, der Protokollchef der Messe München GmbH. Ein Grußwort von Marcel Huber, anschließend ein Sektempfang mit geladenen Gästen: Damit wird die neue bayerische Heimat der Intersolar besiegelt.

München und Bayern können sich über den Zuwachs freuen. Wieder eine Messe mehr, die die Landeshauptstadt als internationalen Messestandort stärkt und die jedes Jahr zigtausende Gäste aus aller Welt in den Freistaat lockt. Doch auch Markus Elsässer, Geschäftsführer der Pforzheimer Solar Promotion GmbH, die die Fachmesse veranstaltet, hat Grund zur Freude. Noch bevor die Intersolar, die vom 12. bis 14. Juni erstmalig auf der Messe München stattfindet, ihre Tore öffnet, kann er bereits Superlative bei den Ausstellerzahlen und gebuchten Flächen vermelden. Und noch besser: Anders als in Freiburg kann er hier die Wünsche der Aussteller nach größeren Flächen oder gar neuen Messeständen erfüllen. Droht der Platz knapp zu werden, bucht er einfach eine Messehalle dazu.

Über 1.000 Aussteller

„Mit so einem großen Zuwachs hatten wir nicht gerechnet“, sagt Elsässer, selbst ein wenig erstaunt. Bis Anfang Mai hatten sich 1.021 Aussteller angemeldet. Das sind 60 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, als sich 640 Firmen und Dienstleister auf der Intersolar präsentierten. Dementsprechend stieg der Platzbedarf. „Zu Anfang haben wir fünf Messehallen geplant, im November haben wir die sechste angemietet, Anfang April kam die siebte Halle dazu, und auch die ist schon gut belegt“, erzählt der Initiator der heutigen Solarleitmesse. Elsässer hob den Vorläufer der Intersolar, die „Solar ’91“, vor 17 Jahren als Tagung mit fünf Ausstellern aus der Taufe. Zum ersten Mal seit zwei Jahren könne sein Team wieder ausreichend Fläche anbieten, freut er sich jetzt. Im Moment können die Aus steller sich auf 73.000 Quadratmetern in sieben Hallen und 3.000 Quadratmetern im Freigelände ausbreiten. Im Vergleich zu 2007 sind dies 124 Prozent mehr Fläche. Das gefällt den Firmen. So bedauert Andrea Ocker, Pressesprecherin der Freiburger Solar-Fabrik, zwar, dass das Unternehmen seinen Heimvorteil verliere, trotzdem meint sie: „Bei den logistischen Problemen in Freiburg war es die einzig richtige Lösung, nach München zu gehen.“ Auch Hermann Iding, Leiter Kommunikation der Oldenburger Aleo Solar AG, ist „sehr froh“, dass die Intersolar nun in München ist. „Ich bin sicher, dass nun alles einfacher und übersichtlicher für die Aussteller wird“, sagt er. Beide Unternehmen planen, ihre Messestände zu vergrößern, und rechnen mit einem höheren Besucheransturm.

Zu den Besucherzahlen hat Solar Promotion noch keine neue Schätzung abgegeben. 2007 waren es fast 32.000 Fachbesucher aus 112 Nationen. Noch rechnen Elsässer und sein Team mit über 40.000 Messegästen. Rund ein Viertel des Fachpublikums sind Installateure. Daneben besuchen hauptsächlich Hersteller, Händler und Großhändler, Architekten, Planer und Energieberater die Intersolar.

Noch stärker als in den Vorjahren wird die Solarstrombranche die Intersolar dominieren. „In diesem Bereich haben wir das stärkste Wachstum“, sagt Elsässer. Vier von sieben Hallen belegen die PV-Aussteller komplett allein. In zwei Hallen stellen Unternehmen wie Großhändler aus, die Solarstrom und Solarwärme anbieten. Die reinen Solarthermie-Anbieter füllen nur eine Halle.

Über 40.000 Quadratmeter nur PV

Um den Besuchern eine bessere Orientierung zu ermöglichen, hat Solar Promotion die Bereiche stärker thematisch gegliedert. Das gilt für die Hallen, aber auch für Themeninseln in den einzelnen Messehallen. In Halle C4 finden die Besucher Wechselrichterhersteller und Photovoltaiksystemanbieter. Die Wechselrichteranbieter nutzen allein zwei Drittel der 10.000 Quadratmeter Fläche. In Halle B4 präsentieren sich Zellen- und Modulproduzenten, in Halle B5 die Anbieter von Nachführsystemen und Produktionstechnik sowie Montagesystemhersteller. Halle B6 ist die zuletzt angemietete Halle. Hier finden die Nachzügler aus der PV-Branche Platz, die sich erst in den letzten Wochen angemeldet haben.

Innerhalb der Photovoltaik legen die Aussteller aus den Sparten Dünnschichttechnik, Nachführsysteme und Produktionstechnik in diesem Jahr am deutlichsten zu. Von den Ausstellern in der Halle B4, Zellen und Module, gehören die meisten zur Dünnschichtbranche. „Hier sind auch die, die neu in den Markt gegangen sind“, sagt Elsässer. Erstmals als Aussteller dabei sind zum Beispiel die US-amerikanischen Firmen Global Solar Energy Inc. und EPV Solar Inc. Die US-Firma United Solar Ovonic Inc., die flexible Dünnschichtlaminate anbietet, ist zum dritten Mal hier präsent. „Die Intersolar ist unsere europäische Hausmesse“, erzählt Andrea Bodenhagen, Marketing-Mana gerin für Europa. In München will das Team von United Solar Ovonic seine Partnerfirmen dabei unterstützen, Kunden zu gewinnen, indem es mehr über das Laminat, das erst noch zu einem Endprodukt weiterverarbeitet werden muss, informiert. An der Intersolar schätzt Bodenhagen, dass sie keine rein deutsche Messe ist, sondern ein internationales Publikum anzieht.

Mehr Anlagenbauer

Wo viel Solarstrom erzeugt werden soll, müssen Milliarden von Wafern, Zellen und Modulen hergestellt werden. Dafür liefern immer mehr Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau zu. Die Nachfrage nach Lösungen für eine rationellere PV-Fertigung beschert ihnen die derzeit vollen Auftragsbücher. Laut Elsässer ist ein Viertel der Halle B5 mit Anbietern von Produktionstechnik belegt. Zu ihrem Angebot gehören beispielsweise Automatisierungslösungen, Prozessüberwachungs- und Messeinrichtungen. Ungefähr genauso viel Platz in derselben Messehalle beanspruchen die Anbieter von Nachführsystemen für sich. Sie nutzen zusätzlich noch die Freifläche.

Dünnschichttechnik und Nachführsysteme: Das klingt nach Großanlagen in sonnenreichen Regionen wie Spanien und den USA und zeigt, dass sich die Hoffnungen der Aussteller erfüllt haben. „Die Intersolar wird dieses Jahr noch deutlich internationaler“, sagt Solar-Pro motion-Chef Elsässer. Einen überdurchschnittlich hohen Zuwachs verzeichnet er bei den Ausstellern aus China. Ende April hatten sich 113 chinesische Firmen angemeldet. Damit hat sich diese Zahl gegenüber 2007 bereits verdoppelt.

Einen Sprung machen auch die Aussteller aus den USA. Dies führt Elsässer auf Synergie-Effekte mit der Intersolar North America zurück. Der amerikanische Spross der deutschen Solarmesse findet vom 15. bis 17. Juli 2008 erstmals in San Francisco, Kalifornien, statt. Durch die Werbetrommel, die das Team am Pazifik dafür rührt, sei die Wahrnehmung der deutschen Intersolar gestiegen, erklärt Elsässer das steigende Interesse von US-Firmen. Außerdem sorgten auch die Auslandsvertretungen, die der Pforzheimer Messeveranstalter in China, Italien, Südkorea und Taiwan gegründet hat, für mehr Aussteller und Besucher aus dem Ausland. Länder wie Frankreich, Spanien, Taiwan, Südkorea und China präsentieren sich unter anderem auf Gemeinschaftsständen.

Auf der Website www.intersolar.de waren Anfang Mai 39 Länder registriert. Doch nicht nur darüber gibt die Suchfunktion Auskunft. Besucher können ihren Messeaufenthalt schon vorher in Ruhe planen, indem sie auf der Website nach Ausstellern und Produkten suchen. Alle Aussteller sind alphabetisch aufgelistet und können nach Namen, Land oder Halle gesucht werden. Neu sind die Suche nach Produktkategorien wie Modulen und Wechselrichtern und die Suche nach Produkten.

Erstmals in diesem Jahr sind die Neuheitenbörsen für Solarthermie und Photovoltaik getrennt. Die Unternehmen aus der PV-Branche präsentieren sich jeweils ganztägig von Donnerstag bis Samstag, 12. bis 14. Juni, in Halle B5. In 15-minütigen Vorträgen stellen die Firmenvertreter Neuheiten und Branchentrends vor. Die Zuhörer können direkt Fragen stellen oder nach dem Vortrag Kontakt aufnehmen.

Stellenbörse mit F.A.Z.

Auch bei der Jobbörse, die 2007 zum ersten Mal stattfand, gibt es eine Änderung. Das dürfte alle freuen, die neu in die boomende Branche einsteigen wollen oder die schon darin tätig sind und sich beruflich verändern wollen. In Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zei tung (F.A.Z.) weitet Solar Promotion sein Angebot aus. Die Partner belegen zusammen einen Stand in Halle C3, an dem Jobsuchende Stellenangebote der ausstellenden Firmen einsehen können. Die F.A.Z. richte ihren Stellenmarkt bereits im Vorfeld auf die Intersolar aus, sagt Elsässer. Ein neuer Service sind die Karriereberatungsgespräche am Stand. Interessierte haben dort die Möglichkeit, Personalverantwortliche aus Solarunternehmen zu treffen. Von ihnen erfahren sie Einzelheiten über Jobprofile, Voraussetzungen für die jeweiligen Positionen und Erfolg versprechende Bewerbungen. Termine können vor der Intersolar beim F.A.Z.-Stellenmarkt unter der Telefonnummer 069 / 75 91-30 00 vereinbart werden.

PV Industry Forum

Wie schon in den Vorjahren, rundet ein Konferenzprogramm die Fachmesse ab. Bereits fest etabliert darin ist das „PV Industry Forum“. Die Tagung, die am Dienstag, 10. Juni, von 12.30 bis 18.00 Uhr, und am Mittwoch, 11. Juni, von 10.00 bis 17.00 Uhr, im Internationalen Congress Center München (ICM) auf dem Messegelände stattfindet, richtet sich an Hersteller, Lieferanten, Händler, Verbände und Investoren. Im Mittelpunkt der Vorträge stehen die Fragen, welche Länder in den kommenden Jahren gute Perspektiven bieten und welche Technologien an Bedeutung gewinnen.

Ein Themenblock werden die Mittelmeerländer Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland sein. In einem anderen Block geht der Blick nach Asien. Dann dreht es sich um China, Taiwan, Südkorea und Malaysia. Passend zur Ausstellerentwicklung auf der Messe werden Dünnschichttechnologien und solare Großanlagen thematische Schwerpunkte sein. Eine dritte Session befasst sich mit der ländlichen Elektrifizierung durch Solarstrom. Programm und Gebühren sind auf der Website www.pvindustry.de zu finden.

Ein weiterer Kongress speziell für die PV-Branche ist das Seminar „Power Electronics for Photovoltaics“ (Grundlagen der Leistungselektronik für Photovoltaik), das ebenfalls am 10. und 11. Juni im ICM stattfindet. Themen sind der aktuelle Stand der Technik bei Halbleitern, Induktoren und Kondensatoren, netzlose Leistungselektronik und Wechselrichter. Darüber hinaus wird es sich um Netzintegration in der Leistungselektronik, elektromagnetische Verträglichkeit, Regelsysteme und um die Interaktion zwischen Modul und Wechselrichter drehen. Diese Tagung richtet sich an Planer, Produzenten, Ingenieure und Wissenschaftler, Hersteller und Zulieferer von Leistungselektroniksystemen und Energiespeichertechnologien sowie Energieberater. Veranstalter ist das Ostbayerische Technologie-Transfer-Institut e. V. (OTTI).

Für alle, die erst am 12. Juni vor Ort sind, bietet OTTI an dem Donnerstag mehrere eintägige Seminare an. Im Angebot sind beispielsweise „Export Erneuerbarer Energie-Systeme“, „Monitoring von PV-Systemen“ und „PV-Anlagen: Erträge – Recht – Finanzierungen – Steuern – Versicherungen – Garantien“. Informationen über die Gebühren und Veranstaltungsorte sowie das komplette Kongressprogramm gibt es im Internet unter www.intersolar.de.

PV-Meer auf Messedach

Ein Messebesuch ist anstrengend, die Zeit ist kostbar. Trotzdem, wer einmal frische Luft braucht und sich nicht allzu weit von der Photovoltaik entfernen will, dem sei ein Abstecher auf das Dach der Messe München empfohlen. Auf den nördlichen Hallen B1 bis B6 ist seit elf Jahren die erste Megawatt-PV-Anlage Deutschlands in Betrieb. Zu der Anlage gesellte sich 2002 das „Sonnendach Messe München“, eine Beteiligungsanlage von Phoenix Sonnenstrom mit weiteren 1,058 Megawatt PV-Leistung auf den Hallen A1 bis A6. Der Blick über das Meer von PV-Modulen lohnt sich. Möglich macht dies der Solarenergieförderverein (SEV) Bayern e. V. Er lädt von Donnerstag bis Samstag, jeweils um 11.00, 13.00 und 15.00 Uhr, zu einer kostenfreien Besichtigung ein. Ein Solarfachmann des Vereins berichtet über die Langzeiterfahrungen mit der ersten Megawattanlage. Treffpunkt ist der Messestand des SEV.

Wer noch ein bisschen mehr sehen möchte, der mache einen kurzen Spaziergang zum Bauzentrum der Landeshauptstadt München an der Willy-Brandt-Allee, etwa zehn Minuten zu Fuß vom Messeeingang. Das Bauzentrum versteht sich als die „Anlaufstelle Nr. 1“ für Hausbesitzer und Fachleute, die sich für Energieeinsparung und erneuerbare Energien interessieren. Bei schönem Wetter können Besucher hier vom sechsten Stock aus den Blick auf das PV-Dach der Messe München, die Stadt und die Berge genießen. Diesen Luxus hatten nicht einmal die Könige und Kaiser in der Residenz.

Intersolar München: www.intersolar.de

Intersolar North America: www.intersolar.us

PV Industry Forum: www.pvindustry.de

OTTI e. V.: www.otti.de