Studie: Batteriespeicher werden Gaskraftwerke bis 2035 nicht vollständig ersetzen können

Reduktion von Strompreisspitzen bis 2035 durch zusätzliche Gaskraftwerke und Batteriespeicher, Quelle: THEMA

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Deutschland wird auf absehbare Zeit Gaskraftwerke benötigen. Mit Batteriespeichern allein, lässt sich eine sichere Stromversorgung über das gesamte Jahr nicht gewährleisten. Zu diesem Schluss kommen die Analysten der Thema Consulting Group in ihrer aktuellen Untersuchung „The Interplay Between Batteries and Gas in Dunkelflaute Events“. Sie haben dabei auch untersucht, wie sich verschiedene installierte Kapazitäten von Gaskraftwerken und Batteriespeichern in Zeiten von Dunkelflauten auf die Strompreise und CO2-Emissionen im Jahr 2035 auswirken.

In ihrem Ausgangsszenario haben die Thema-Analysten dabei angenommen, dass nach 2027 keine neuen Investitionen in Batteriespeicher oder Gaskraftwerke mehr erfolgen. Dann würden sich 2035 an der Strombörse an etwa 400 Stunden Preisspitzen von 1000 Euro pro Megawattstunde zeigen. Gerechnet wurde dies mit den Wetterdaten aus dem Jahr 1985. Diese Preisspitzen würden dabei zwischen Januar und Anfang März sowie Ende Oktober bis Dezember auftreten.

Für ihre Untersuchung haben die Analysten dann weitere Szenarien angenommen, um die Auswirkungen auf die Strompreisentwicklung zu berechnen. So haben Sie einmal den Zubau von Gaskraftwerken von bis zu 30 Gigawatt – jeweils in 5 Gigawatt-Schritten – bis 2035 angenommen. Zudem haben sie einen Zubau von bis zu 90 Gigawatt Batteriespeicher simuliert, wobei sie von 50 Prozent 2-Stunden-Speicher sowie je 25 Prozent 4- und 6-Stunden-Speicher ausgegangen sind. Für die Berechnung haben sie 10-Gigawatt-Schritte implementiert.

Ihre Berechnungen zeigen, dass regelbare Kapazitäten in Form von Gas- oder anderen fossilen Kraftwerken benötigt werden, um die Anzahl der Preisspitzen am Strommarkt deutlich zu reduzieren. „Batteriespeicher können dazu beitragen, die Anzahl der Preisspitzen zu senken, aber Batterien allein reichen nicht aus. Ab einem Level von 70 Gigawatt haben mehr Batterien keinen zusätzlichen Einfluss auf die Versorgungssicherheit“, so die Analysten. Nach ihren Berechnungen würden 20 Gigawatt zusätzliche Gaskraftwerke die Anzahl der Preisspitzen von knapp 400 auf etwa 100 reduzieren, während zusätzliche Investitionen in 90 Gigawatt Batteriespeicher diese Zahl auf nur etwa 200 senke. Der Batteriespeicher-Effekt ist also deutlich begrenzt, obwohl die Analyse von einer Batteriespeicherdauer von 6 Stunden ausgeht. Wenn man einen größeren Effekt auf die Preisspitzen erreichen wolle, müsse somit die Speicherdauer deutlich erhöht werden.

Mit zusätzlich 30 Gigawatt Gaskraftwerken und mindestens 50 Gigawatt Speichern ließen sich die Preisspitzen nach der Thema-Berechnung auf 0 im Jahr 2035 reduzieren. Allerdings merken die Analysten auch an, dass die Gaskraftwerke nur zu wenigen Zeiten gebraucht werden, da sie nur in Zeiten der Knappheit wie Dunkelflauten zum Einsatz kämen. Ihre Auslastung würde Thema zufolge bei etwa 8 bis 14 Prozent liegen. 30 Gigawatt Gaskraftwerke würden eine zusätzliche Erzeugung von etwa 22 Terawattstunden erbringen. Wenn zugleich auf 90 Gigawatt an Batteriespeicher bis 2035 entstünden, würde sich der Gasverbrauch um 14 Terawattstunden reduzieren, um die Preisspitzen abzufangen.

Beim Strompreis würden sich die zusätzlichen Gaskraftwerke auch bemerkbar machen. Eine Preissteigerung von 1 Euro pro Megawattstunde beim Gas würde den Strompreis um deutlich mehr als 1 Euro pro Megawattstunde ansteigen lassen. Allerdings zeigen sich in den Berechnungen auch saisonale Unterschiede. Im Zeiten hoher Erneuerbaren-Erzeugung wären die Auswirkungen marginaler. Auch zusätzliche Batteriespeicher würden in dem Fall die Stunden, in denen die Preissetzung durch Gaskraftwerke erfolgt, reduzieren.

Mit Blick auf die europäischen CO2-Emissionen erwarten die Analysten kaum Auswirkungen durch den Zubau neuer Gaskraftwerke. Zumal neue Gaskraftwerke in Deutschland auch die Erzeugung aus weniger effizienten und CO2-intensiveren Kraftwerken in den Nachbarländern ersetzen würden. In ihrer Betrachtung kommen die Analysten zu dem Schluss, dass die Batteriespeicher die CO2-Emissionen um etwa 10 Millionen Tonnen CO2 reduzieren könnten. Dies bedeutet, 140 bis 200 Tonnen pro installiertem Megawatt an Batteriespeichern. Auch hier ist ein abnehmender Grenznutzen von mehr Batteriespeichern zu beobachten.

Letztendlich sehen die Analysten in ihren Berechnungen aus, dass die Gaskraftwerke genutzt würden, um die Batteriespeicher in Zeiten von Dunkelflauten zu laden. Allein deshalb sei ein sinnvoller Mix beim Zubau notwendig.

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