Eine Lücke von rund 120 Gigawatt zwischen dem geplanten Ausbau erneuerbarer Energien und der verfügbaren Netzkapazität haben die Energieanalysten von Ember in ihrem neuesten Bericht in den EU-Mitgliedstaaten identifiziert. Der Bericht „Crossed wires: Grid capacity could block EU energy security“ besagt, dass mehr als jedes zweite EU-Land mit Engpässen auf der Übertragungsseite konfrontiert ist, in denen große Photovoltaik- und Windkraftprojekte ans Netz gehen.
Die größten Engpässe bestehen demnach in Österreich, Bulgarien, Lettland, den Niederlanden, Polen, Portugal, Rumänien und der Slowakei, wo die verfügbare Netzkapazität weniger als zehn Prozent der bis zum Ende des Jahrzehnts geplanten Erneuerbaren-Anlagen aufnehmen kann. Die Analysten warnen zudem, dass das Problem EU-weit wahrscheinlich noch größer ist als berichtet, da einige der am weitesten entwickelten Märkte für erneuerbare Energien, wie Deutschland und Italien, keine Daten zur Netzkapazität veröffentlichen.

Grafik: Ember
„Dies ist kein langfristiges Risiko, das langfristige Lösungen zulässt. Ein Vergleich der verfügbaren Netzkapazität mit den sogar noch kurzfristigeren Erwartungen für den Ausbau erneuerbarer Energien bis 2028 zeigt, dass die Netzkapazitätsengpässe wahrscheinlich schon bald sehr deutlich werden“, heißt es in dem Ember-Bericht. „Dies betrifft auch Länder außerhalb der Niederlande, die bereits jetzt Auswirkungen spüren.“
Nicht nur ein Problem für Photovoltaik-Kraftwerke

Grafik: Ember
Das Problem betreffe nicht nur größere Photovoltaik-Anlagen im Kraftwerksmaßstab. Der Bericht von Ember fügt hinzu, dass die begrenzte Kapazität der europäischen Verteilernetze den Ausbau von Photovoltaik-Dachanlagen zu verlangsamen droht. Untersuchungen in 13 Ländern, die Daten zur Netzkapazität für Verteilernetze veröffentlichen, ergaben, dass sechs davon nicht über genügend Spielraum für das erwartete Wachstum im Bereich der kleinen Photovoltaik-Anlagen verfügen. Dadurch seien mindestens 16 Gigawatt an geplanten Photovoltaik-Anlagen in diesem Segment gefährdet. Ember zufolge könnte dies bis zu 1,5 Millionen Haushalte betreffen, wobei das Risiko in Slowenien und Dänemark am größten ist, wo eine unzureichende Netzkapazität 32 Prozent beziehungsweise 19 Prozent aller Haushalte betreffen könnte.
Netzengpässe in ganz Europa werden zudem durch enorme Wartelisten für Netzanschlüsse in einigen Ländern verschärft. Dies bedeutet, dass neue Antragsteller wahrscheinlich mit langen Verzögerungen bei ihren Projekten rechnen müssen. In zehn EU-Ländern – Finnland, Italien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Österreich, Polen, Belgien und Litauen – stehen laut dem Bericht von Ember bereits fast 700 Gigawatt an erneuerbaren Energien auf der Warteliste für den Netzanschluss.
Die Analysten erklärten weiter, dass das zugrunde liegende Problem das Tempo ist: Der Ausbau des Netzes hält nicht mit der Geschwindigkeit der Energiewende Schritt, und die Netze sind nicht auf erneute industrielle Investitionen vorbereitet. Elisabeth Cremona, Senior-Energieanalystin bei Ember und Autorin des Berichts, erklärte auf Anfrage von pv magazine, dass zwei parallele Maßnahmen erforderlich seien.
Schnelle Lösungen erforderlich
„Erstens müssen schnell umsetzbare Lösungen eingeführt werden, mit denen sich Kapazitäten im bestehenden Netz rasch freisetzen lassen, sodass neue Erzeuger und Verbraucher bereits vor dem Bau neuer Leitungen ans Netz angeschlossen werden können“, sagte Cremona. „Da Europa zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren mit einem Preisschock bei fossilen Brennstoffen konfrontiert ist, muss unbedingt sichergestellt werden, dass Haushalte, die sich durch die Installation von Photovoltaik-Dachanlagen vor Preisschwankungen schützen wollen, nicht an der Grenze der begrenzten Netzkapazität scheitern“, so die Analystin. „Zweitens müssen wir die Investitionen in das Stromnetz verstärken – sowohl durch den Ausbau des physischen Netzes als auch durch die Modernisierung bestehender Anlagen –, um dieses Problem wirklich anzugehen.“
Zu den im Bericht hervorgehobenen Empfehlungen gehören kabellose Lösungen wie netzstärkende Technologien und flexible Netzanschlussvereinbarungen, von denen die Internationale Energieagentur IEA zuvor geschätzt hat, dass sie europaweit bis zu 185 Gigawatt an Netzkapazitäten freisetzen könnten. Die Analyse von Ember fügt hinzu, dass nationale Regulierungsbehörden in 15 EU-Mitgliedstaaten bereits bis November vergangenen Jahres Rahmenbedingungen für flexible Netzanschlussvereinbarungen eingeführt hatten. Cremona erklärte weiter, dass die Verantwortung für die Behebung der im Bericht dargelegten Probleme vollständig bei den nationalen Akteuren und nicht bei der EU liege.
„Investitionen in das Stromnetz sind eine Angelegenheit auf nationaler Ebene; daher müssen Maßnahmen zur Beseitigung von Kapazitätsengpässen, die auf historisch unzureichende Investitionen zurückzuführen sind, von den nationalen Netzbetreibern und der Regulierungsbehörde mit Unterstützung der lokalen Entscheidungsträger ergriffen werden“, sagte Cremona. „Das ist eine gute Nachricht, denn es bedeutet, dass Abhilfemaßnahmen jetzt umgesetzt werden können, ohne auf Rechtsvorschriften aus Brüssel warten zu müssen.“
Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: redaktion@pv-magazine.com.







„Die größten Engpässe bestehen demnach in Österreich, Bulgarien, Lettland, den Niederlanden, Polen, Portugal, Rumänien und der Slowakei, wo die verfügbare Netzkapazität weniger als zehn Prozent der bis zum Ende des Jahrzehnts geplanten Erneuerbaren-Anlagen aufnehmen kann.“
In Norwegen (ok, gehört nicht [direkt] zur EU)
bekommen die VNB schon einen Herzkasperl bei 0,9 GW Ausbau (von Politik angedacht/ gewünscht/ Volk verdummt sind bis 2030 -> 8 TWh Solarkraft 🤪)
Hab da ein schönes Beispiel direkt bei mir in der Nachbarschaft (Landwirtschaftlicher Betrieb mit XXX Möglichkeiten in allen Varianten) Mehr als 60 kW PV sind nicht drin. Und er ist nicht der Einzigste in diesem „Stich“