Die globalen jährlichen Investitionsausgaben (CAPEX) für Photovoltaik-Produktionsmittel erreichten 2025 ein Volumen von rund 16,6 Milliarden Dollar. 2035 werden es 43,8 Milliarden Dollar sein. Dieses Wachstum um 264 Prozent prognostiziert die „European Photovoltaics Machinery and Equipment Study“, die das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE und das ISC Konstanz im Auftrag von VDMA Services durchgeführt haben. Der VDMA als Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, genauer: seine Untergruppierung VDMA Photovoltaik Produktionsmittel wollte dabei, wie schon der Titel der Studie sagt, vor allem auch die Chancen europäischer Unternehmen beleuchtet wissen.
Nach Angaben des VDMA bestätigt die Studie, dass Europas Aussichten zur Teilhabe an dem prognostizierten Boom gar nicht einmal schlecht sind. „Dank jahrzehntelanger Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie hoher ingenieurstechnischer Kompetenz“ habe die europäische Industrie zumindest derzeit noch „eine führende Rolle bei Hightech-Solarfertigungstechnologien“. Zuverlässigkeit, Prozessstabilität und lange Lebensdauern stehen demnach auf der Haben-Seite.
Fehlender Heimatmarkt und strukturelle Defizite
Es gebe aber, so ein wenig überraschender Befund, einen Nachteil durch den fehlenden Heimatmarkt. Die industrielle Massenfertigung spiele sich vor allem in China sowie in Indien und den USA ab, wobei sie auch in den beiden letztgenannten stark durch industriepolitische Maßnahmen unterstützt werde. „Europa entwickelt weiterhin hocheffiziente Produktionstechnologien für die Photovoltaik. Ohne eine großskalige industrielle Umsetzung im eigenen Markt ist die Wettbewerbsfähigkeit jedoch gefährdet“, konstatiert Ralf Preu, Bereichsleiter Photovoltaik am Fraunhofer ISE.
Es geht dabei nicht einfach nur um fehlende Abnehmer in der eigenen Region. Die europäische Industrie habe, wie aus Interviews mit internationalen Fabrikbetreibern hervorgegangen sei, auch strukturelle Defizite: lange Reaktionszeiten, höhere Investitionskosten sowie ein begrenztes Angebot an Turnkey-Lösungen sind Nachteile im Wettbewerb mit der zumeist asiatischen Konkurrenz. Beim CAPEX hätten die europäischen Anbieter das Problem, „mit stark subventionierten asiatischen Wettbewerbern zu konkurrieren“.
Auch der Photovoltaik-Weltmarkt wächst um das Zweieinhalbfache
Das prognostizierte Marktwachstum für Produktionsequipment bedient der Studie zufolge einen globalen Photovoltaik-Markt, der ebenfalls um das Zweieinhalbfache wachsen und 2035 jährliche Neuinstallationen von 1,65 Terawatt erreichen wird. Bis dahin würden Zelltechnologien wie Topcon, Backcontact, Heterojunction (HJT) und Tandemzellen dominieren. Auch hieraus ergäben sich für europäische Produktionsequipment-Hersteller gute Chancen, so Radovan Kopecek, Mitgründer des ISC Konstanz, denn sie hätten „ihre Stärke bereits bei der aktuellen Topcon-Technologie unter Beweis gestellt.“ Beim weiteren technologischen Wandel sei aber die Geschwindigkeit entscheidend: „Kunden fokussieren sich zunehmend auf kurze Amortisationszeiten, integrierte Lösungen und schnelle Reaktionsfähigkeit.“
Die Studie hat ein breites Spektrum, den Angaben zufolge analysiert sie alle Prozessschritte von der Polysiliziumherstellung über Kristallziehen und Waferprozesse bis hin zur Zell- und Modulproduktion. Zu den untersuchten Schlüsseltechnologien gehören demnach unter anderem Nanobeschichtung, Prozessautomatisierung, Silizium-Kristallziehanlagen, nasschemische und thermische Prozesse, Messtechnik, Stringer und Laminatoren. In den letzten zehn Jahren seien hier bereits riesige Fortschritte erzielt worden, Durchsatz und Produktivität hätten sich teilweise um den Faktor sechs erhöht.
Europäisches Marktpotenzial und globale Exportmärkte
„Wir sind stolz auf die Ergebnisse dieser wichtigen Studie, die die aktuelle Situation der europäischen Photovoltaik-Produktionsmittelindustrie realistisch einordnet“, sagt Peter Fath, CEO des Planungs- und Ingenieurunternehmens für Photovoltaik-Fabriken RCT Solutions und Vorsitzender der Fachabteilung VDMA Photovoltaik Produktionsmittel. Mit den europäischen Kompetenzen in Maschinenbau und Forschung lasse sich auch eine wettbewerbsfähige europäische Solarindustrie aufbauen. Es fehle aber ein globales Level Playing Field, deshalb seien „gezielte industriepolitische Maßnahmen und wirksame Finanzierungsinstrumente für den EU-Markt sowie für exportrelevante Regionen wie Indien und die USA erforderlich“.
Die auch beim möglichen Aufbau einer europäischen Industrie weiterhin hohe Relevanz des Weltmarkts für die Produktionsequipmenthersteller betont Puzant Baliozian, Leiter der Fachabteilung VDMA Photovoltaik Produktionsmittel: „Die Studie zeigt neben dem großen europäischen Marktpotenzial insbesondere die Bedeutung der Exportmärkte mit einem erwarteten jährlichen CAPEX-Volumen von über 40 Milliarden Dollar.“ Europäische Hersteller seien „mit ihren Alleinstellungsmerkmalen, ihrer Erfahrung und globalen Reichweite bereit, Marktanteile zu gewinnen. Konsortien und Turnkey-Lösungen für Ingot-/Wafer-, Zell- und Modultechnologien sind bereits in Vorbereitung.“
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