Ursprünglich forderten zehn Projektierer von großen Batteriespeichern die Bundesnetzagentur auf, von ihren Plänen einer rückwirkenden Einführung von Netzentgelten abzusehen. Ihre gemeinsame Erklärung vor zwei Wochen Bundesnetzagentur-Präsidenten Klaus Müller. Mittlerweile haben sich zahllose Unterstützer der Initiative gefunden. Nach Angaben von Trianel fordern nun mehr als 150 Stadtwerke, Investoren, Speicherprojektierer und Verbände den „Vertrauensschutz für Speicher“.
Hintergrund ist eine Aussage der Bundesnetzagentur von Ende Januar, dass sie eine rückwirkende Einführung der Netzentgelte erwägt. Nicht nur diese Ankündigung erschüttert das Vertrauen von Investoren, sondern auch, dass die geplante Höhe und Ausgestaltung der Netzentgelte für Batteriespeicher bislang völlig unklar ist. Nach dem Verständnis der Speicherbranche besteht bis 2029 eine Befreiung von den Netzentgelten für Batteriespeicher, die dann auch 20 Jahre gilt.
„Mit dem Plan, alle Speicher mit Netzentgelten – zudem in unbekannter Art und Höhe – zu belasten, wird bei zahlreichen bestehenden, in Realisierung befindlichen und geplanten Projekten nachträglich in die Geschäftsgrundlage eingegriffen“, sagt Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH, die die Initiative mit startete. Investoren werde die notwendige Planungssicherheit entzogen. Investitionsentscheidungen könnten und würden auf dieser Basis nicht erfolgen.
„Die Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik ist ein berechtigtes Anliegen, aber sie darf nicht zur Investitionsbremse für fortgeschrittene Projekte werden. Für Investitionen sind verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend. Wenn der Vertrauensschutz fällt, fällt die Investitionsbereitschaft gleich mit“, sagt Becker weiter. Die Resonanz auf die Initiative zeige, wie wichtig das Thema sei. Wenn die Bundesnetzagentur ihr Vorhaben durchziehe, sei der Schaden für die Energiewende und den Investitionsstandort Deutschland immens, so Becker. Sein Unternehmen plant aktuell gemeinsam mit dem Schweizer Energiekonzern BKW und Luxcara den Bau eines Batteriespeichers mit 900 Megawatt Leistung und 1800 Megawattstunden Kapazität. Ein Beschluss über das 500 Millionen Euro teure Investment ist für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen.
Tesvolt schlägt alternatives Finanzierungsmodell vor
Erst zu Beginn der Woche besuchte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den Batteriehersteller Tesvolt in Wittenberg und nahm dort an einem Roundtable mit 52 Unternehmern aus der Region teil. Auch dabei war der neue sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Sven Schulze. In der Diskussion ging es dann auch um die Zukunft der Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher.
„Wenn die Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher in Frage gestellt wird, trifft das eine Branche, die für die stabile Energieversorgung in Deutschland systemrelevant ist. Schon die aktuelle politische Diskussion führt zu einer erheblichen Verunsicherung bei Banken, Projektierern und Investoren“, sagte Daniel Hannemann, CEO und Co-Founder von Tesvolt. Auch er forderte klare und verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik. Hannemann schlug in dem Gespräch vor, netzbezogene Infrastrukturkosten nicht über zusätzliche Belastungen für Speicherprojekte zu finanzieren. Sie sollten aus dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes bezahlt werden. Hannemann zufolge würde das dem Systemnutzen von Speichern gerecht werden und den Ausbau der Speicherinfrastruktur unterstützen.
Unterstützung für seine Argumentation bekam der Tesvolt-Chef von Sven Schulze. „Batteriespeicher sichern unser Stromsystem und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie – gerade hier bei uns im Osten. Wenn privat Milliarden investiert werden sollen, dann braucht es klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Planungssicherheit ist kein Detail, sondern die Grundlage dafür, dass Investitionen in Sachsen-Anhalt stattfinden und nicht anderswo“, sagte der CDU-Politiker.
Ein weiteres großes Thema auf dem Roundtable war die Cybersicherheit im Energiesystem und speziell bei Batteriespeichern. „Wer Zugriff auf Systeme und Updates hat, hat Zugriff auf kritische Energieinfrastruktur. Deshalb brauchen wir im europäischen Binnenmarkt eine verbindliche Whitelist für Unternehmen aus vertrauenswürdigen Ländern und die klare Regel, dass Softwareupdates für kritische Speicher- und Energieanlagen nur von ihnen kommen dürfen“, sagte Simon Schandert, CTO und Co-Founder von Tesvolt. „Der richtige Weg ist ein konsequentes Made in Europe bei intelligenter Steuerungssoftware für Batteriespeicher.“
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Sofern Netzentgelte nur im Raum stehen, würde ich privat keinesfalls mehr einen Speicher anmelden. Entgelte würden
sich zukünftig sicherlich nicht nur auf gewerbliche Speicher beziehen. Vielleicht kommt die Chemikerin auf die Idee Steuern für entgangenen Gewinn der Stromkonzerne zu fordern? Ich empfehle der Wirtschaftsministerin sich als Gasthörer im 1. Semester BWL einzuschreiben. Investitionen mit dem Risiko einer rückwirkenden Belastung in unbekannter Höhe = 0. Zudem sollte der BND angewiesen werden mögliche offene und verdeckte Geldflüsse durch Dritte zu untersuchen. Ein Anfangsverdacht besteht hier offensichtlich.
Das Momentum gegen EE / pro Fossil wird hier gnadenlos kurz und bündig ausgenutzt. Die fossile Lobby macht jetzt Nägel mit Köpfen.
Im Windschaten von Project 2025 werden die Weichen gestellt, während alle Welt von Trump, Iran, Russland etc abgelenkt sind und die Zivilgesellschaft sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks mehr oder weniger stummgeschaltet ist.
Das deutsche Energiedrama rund um Öl und Gas geht wider besseren Wissens und mit voller Absicht in eine neue Runde.
Begriffe wie „Gaspreisdeckel“ machen die Runde. Welch ein ironischer Euphemismus.
Man könnte meinen Frau Reiche versucht die Geschichte von instabilen Netzen (z.B. ihre voreilige und mangelhaften Story zur Begründung des Blackouts auf der iberischen Halbinsel) mit Taten zur Selffulling Prophacy zu machen. Das andere Wort mit „S****age“ nehme ich mal besser nicht in den Mund, das wäre vermutlich justitiabel und damit ein NoGo!
Sie spielt in meinen Augen bewusst und hochriskant mit der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Netze, und erneut wird ein ganzer Wirtschaftszweig zur Geisel ihrer Politik.