pv magazine-Marktübersicht Heimspeicher: Mehr Sicherheit, kleinere Preise, Augen auf bei Garantie

Ohne einen Blick auf das Kleingedruckte sollten Sie die Datenblattwerte zur Speicherkapazität verschiedener Heimspeichersysteme nicht vergleichen. Foto: HTW Berlin

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Batteriespeicher sind günstiger geworden, und zwar deutlich. Ob sie sich „lohnen“, hängt stark vom Nutzungsgrad ab. Das Laden aus dem Netz über einen dynamischen Stromtarif kann die Wirtschaftlichkeit eines Photovoltaik-Heimspeichers begünstigen. Aber nicht jeder Speicher garantiert genügend Energiedurchsatz, um diese Betriebsweise zehn Jahre lang umzusetzen. Das sind einige Erkenntnisse aus unserer pv magazine-Marktübersicht für Heim- und Kleingewerbespeicher, die wir für unsere Juni-Ausgabe 2024 aktualisiert haben.

In der Marktübersicht haben in diesem Jahr 44 Hersteller insgesamt 552 verschiedene Systeme, genauer gesagt einzelne Batterien oder Wechselrichter, eingetragen. Im Vergleich zur Marktübersicht aus dem vergangenen Jahr zählen wir 10 neue Hersteller und über 120 neue Produkte in unserer Datenbank. Zu den wichtigsten Trends, die wir beobachten konnten, gehören überarbeitete Energiemanagementsysteme, die den Ladevorgang der Batterie mit dynamischen Stromtarifen abstimmen können, und das Thema Sicherheit.

Sicherheit

Das Thema Sicherheit spielt bei vielen Herstellern eine wichtige Rolle in der Art und Weise, wie sie ihre Produkte mit neuen Funktionen ausstatten und bewerben. So zum Beispiel auch der Hersteller Huawei, der jetzt mit dem Kürzel „-S1“ seiner Luna2000 Batterie ein Update verpasste, das seit Mai erhältlich ist. Der Heimspeicher ist in den Größen von 7, 14 und 21 Kilowattstunden verfügbar und besteht aus einer Steuerungseinheit sowie einzelnen Batteriemodulen, die bei der Installation übereinandergestapelt werden.

Huawei bewirbt seine neue Batterie mit dem Versprechen von hoher Sicherheit. Gleich fünf unabhängige Sicherheitssysteme hat der Hersteller installiert. Ein verbessertes, stabileres Gehäuse schütze vor Stößen und sogar Hochwasser. Eine Temperaturüberwachung auf Zellebene sowie ein aktiver Überstromschutz würden ein elektrisch provoziertes thermisches Durchgehen der Batterie verhindern. Und wenn sich ein Unglück trotzdem nicht vermeiden lässt, soll eine Pumpe den Sauerstoff oder andere brennbare Gase aus dem Gehäuse der Batterie saugen. Wenn das nicht reicht, gibt es noch einen integrierten Feuerlöscher, der automatisch auslöst.

Neue Wettbewerber im Feld

Auch der Hersteller Sigenergy hat bei seinem Produkt an die Sicherheit gedacht. Wie beim upgedateten Huawei-Batteriespeicher gibt es auch hier gleich fünf Funktionen, die für die Sicherheit sorgen sollen. Eine Isolierung aus Aerogel zwischen den Zellen soll verhindern, dass ein Überhitzen einer einzelnen Zelle zum Problem benachbarter Zellen wird. Hinzu kommen zahlreiche Temperatursensoren, zusätzliche Isolierungen im Batteriegehäuse, ein integrierter Feuerlöscher und ein Dekompressionsventil.

Das Unternehmen ist zum ersten Mal in unserer Übersicht vertreten und wurde erst 2022 gegründet. Seither legte Sigenergy eine Skalierung im gewohnten China-Tempo hin und verschifft seine Batterien in über 20 Märkte. Die jährliche Produktionskapazität der Fabrik in Shanghai beträgt nach Hersteller­angaben zwölf Gigawatt und sechs Gigawattstunden. Bei dem Produkt „Sigenstor“ handelt es sich um ein DC-gekoppeltes Komplettsystem.

Preise

Beim Preis zeigt sich, dass die gesunkenen Kosten für Batteriezellen nun auch bis zum Endverbraucher vordringen. Wir haben die Preise beliebter Komplettsysteme, bestehend aus europäischen oder asiatischen Komponenten, ermittelt. Bei den Systemen handelt es sich um Zehn-Kilowatt-Hybridwechselrichter mit Zehn-Kilowattstunden-Batterien. Wenn von März bis Oktober zur Eigenverbrauchsoptimierung ein Zyklus pro Tag gefahren wird und die garantierte Lebensdauer der Batterie berücksichtigt wird, ergeben sich die Kosten für eine Kilowattstunde ein- und wieder ausgespeicherten Stroms, die im besten Fall bei vollkommener Ausnutzung der Zyklen erreicht werden kann: Bei dem günstigsten System sind das 0,22 Euro, beim teuersten 0,39 Euro und im Schnitt 0,32 Euro. Die zuletzt 2022 von uns berechneten Preise für Speichersysteme zwischen fünf und zehn Kilowattstunden ergaben einen Durchschnittspreis von 0,40 Euro pro ein- und ausgespeicherter Kilowattstunde. Im günstigsten Fall waren es 0,23 Euro, im teuerste 0,61 Euro.

Kleingedrucktes bei Garantie

Mit den dynamischen Stromtarifen können eventuell noch mehr Zyklen realisiert werden, da der Speicher auch im Winter genutzt wird. Nutzt man einen Speicher also sowohl für Eigenverbrauch als auch zum Zwischenspeichern von Netzstrom, liegen die Speicherstromkosten zwischen von 0,14 bis 0,32 Euro pro Kilowattstunde. Bei der Rechnung zeigte sich eine Sache deutlich: Wer in Zukunft mit seinem Photovoltaik-Heimspeicher Netzstrom speichern will, sollte nicht nur auf die Garantie in Jahren achten, sondern auf den mindestens garantierten Energieumsatz. Bei der Garantie geben die meisten Hersteller zehn Jahre an. Beim Energieumsatz unterscheiden sich die Hersteller stark. Die Spanne reicht von einem garantierten Energieumsatz von 13 Megawattstunden, womit sich unsere Annahmen für die Nutzung dynamischer Strom­tarife nicht über den Garantiezeitraum hinweg realisieren lassen, bis zu 70 Megawattstunden. Mit letzterem sollte eine zyklische Alterung trotz starker Benutzung nicht vor der kalendarischen Alterung eintreten.

Die Datenbank mit bis zu 100 Spezifikationen der Produkte ist unter www.pv-magazine.de/batteriespeicher zu finden.

Ein ausführlicherer Begleitartikel aus unserem Magazin findet sich hier. (Abo)

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