Energiemanager: Schritt für Schritt zur eigenen Steuerung

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Es ist gar nicht so kompliziert für Unternehmen, ein eigenes Energiemanagementsystem anzubieten. In so einem Fall kann es gut sein, dass die White-Label-Lösung von GridX dahinter steckt. Um sie zu nutzen, benötigt man als Hardware die Gridbox. Diese kann zum Beispiel Batteriespeicher, Wärmepumpen und Wallboxen integrieren und verbindet sich mit der Cloud, über die dynamische Tarife abgewickelt werden.

Will ein Unternehmen die Gridbox als White-Label-Produkt anbieten, muss zunächst der Umfang festgelegt werden. In welchen Ländern soll es angeboten werden, was sind die Anwendungsfälle. „Unsere Kunden haben unterschiedliche Ziele“, sagt Geschäftsführer Tobias Mitter. Manche, wie Viessmann, streben eine hohe Kundenzufriedenheit beim Hardwarekauf an und wollen ein gutes Monitoring der Komponenten. Andere, wie zum Beispiel der niederländische Lade­infrastrukturbetreiber Fastned oder der deutsche Anbieter von erneuerbaren Energielösungen Wegatech, sehen sich eher als Energieservice-Unternehmen.

Von den Zielen hängt nicht zuletzt ab, ob das System mit oder ohne Cloud angeboten werden soll, ob auch die GridX-App genutzt werden soll, oder eine eigene. Die Kunden müssen außerdem eine Vorstellung haben, welche Hardwarekomponenten eingebunden werden sollen. „Für viele haben wir bereits Schnittstellen“, sagt Mitter. Wenn nein, kümmert sich GridX darum, diese meist in Kooperation mit den Hardware-Anbietern zu entwickeln. Zur Intersolar will Mitter das Label „Ready for gridX“ etablieren. Eines der ersten Geräte, das dann mit dem Label zertifiziert sein wird, ist der Kostal-Hybridwechselrichter.

pv magazine Focus Event am 2. Tag der The smarter E

Am zweiten Tag der The smarter E können Sie mehr über das System von GridX und andere Systeme erfahren. Wir laden ein zum pv magazine Focus „Qualität von Energiemanagementsystemen für Wohngebäude“:

Zeit: Donnerstag, 20. Juni, 14:00 bis 16:00 Uhr

Ort: Konferenzzentrum auf dem Messegelände in München

Thema: Diskussion zu Qualität von Heim-Energiemanagementsystemen, mit Informationen unter anderem zu: Produktüberblick, dynamischen Stromtarifen, Paragraf 14a, Heimspeicher-Unterschiede, Wärmepumpenintegration. Mit: Fraunhofer ISE, Hochschule Ansbach, HTW Berlin, 1Komma5, Fenecon, GridX u.a.

Mehr Informationen und kostenfreie Anmeldung

Wenn die Beteiligten die Ziele definiert haben, installieren sie das System bei einigen Testkunden. Danach folgt die Markteinführung, für die dann auch der Name festgelegt werden muss. Einige kommunizieren offen, dass sie die Gridbox nutzen, andere vermarkten es unter einem eigenen Namen. Ob da Raum für ein Alleinstellungsmerkmal bleibt? Mitter denkt, ja. „Es ist sowieso schwierig, sich über die Hardwareintegration zu unterscheiden, denn die Verbraucher erwarten sowieso, dass diese funktioniert“, sagt er. Ein Beispiel für ein Alleinstellungsmerkmal sei zum Beispiel die Kombination mit digitalen Energy Communities wie bei Viessmann.

Wärmepumpen können nicht nur über SG-Ready eingebunden werden, sondern auch über eine bidirektionale Kommunikation wie zum Beispiel EEBus oder Modbus. Sie meldet der Gridbox ihren Fahrplan, diese gibt Signale, wann sie bevorzugt mit wie viel Leistung betrieben werden sollte. So kann überschüssiger Solarstrom vom Dach vorausschauend zur Warmwasserbereitung genutzt werden.

Tobias Mitter, Geschäftsführer (CTO) von GridX

Foto: gridX

„Den Hut hat aber der Wärmepumpenmanager auf“, sagt Mitter. „Denn eine direkte Steuerung könnte bei den Geräten auch etwas kaputt machen.“ Daher gebe es keine festen Leistungsvorgaben, sondern einen Austausch von Fahrplänen zwischen Wärmepumpe und Energiemanagementsystem. Eine Ausnahme bildet zukünftig das Dimmen nach Paragraf 14a.

Dynamische Stromtarife kann das System ebenfalls anbieten. „Unsere Stärke ist die Vorhersage des Haushaltslastgangs für den Pool der Kunden, für die ein Stromanbieter einen dynamischen Stromtarif anbietet“, sagt er. Wegatech bietet jetzt zum Beispiel auf Basis von GridX und in Zusammenarbeit mit dem Stromlieferanten Rabot Charge einen dynamischen Stromtarif an. Es gibt eine Schnittstelle zwischen Energiemanagementsystem und Stromlieferanten, über die die Vorhersagedaten weitergegeben werden und der Stromlieferant auch Steuersignale geben kann, um Prognosefehler zu vermeiden.

Auch kurzfristiger Handel am Strommarkt möglich

„Wir sind unter anderem auch in Schweden und den Niederlanden aktiv“, sagt Mitter. Dort kann das System sogar auf kurzfristigeren Märkten im Sekundenbereich handeln und steuern. In Deutschland könnte als nächster Schritt folgen, dass der Stromeinkauf nicht nur am Day-Ahead-Markt, sondern auch auf dem Intraday-Markt optimiert wird. Prinzipiell ist es möglich, auch die Einspeisung des Solarstroms darauf zu optimieren, wann die Spotmarktpreise hoch sind. Doch wenn man die Batterie sowohl dazu nutzt, günstigen Strom aus dem Netz zu speichern als auch um Solarstrom zur späteren Einspeisung zwischenzuspeichern, verliert man die EEG-Vergütung und Marktprämie. „In Deutschland befinden wir uns in einer Übergangsphase: Bisher war dies nicht sinnvoll, aber mit dem Solarpaket 1 gibt es jetzt den Auftrag an die Bundesnetzagentur, die flexible Nutzung von Speichern zu ermöglichen (Multi-Use). Dafür soll das sogenannte Ausschließlichkeitsprinzip angepasst werden“, sagt Mitter.

Relevanter sind in Deutschland derzeit die Regelungen im Zusammenhang mit dem Paragrafen 14a. Die Gridbox verfügt über eine EEBus-Schnittstelle, mit der sie an eine Steuerbox angeschlossen werden kann, wenn diese in naher Zukunft vom Netzbetreiber eingebaut werden. Wenn es so weit ist, wird man darüber auch dynamische Netzentgelte berücksichtigen können. Wenn sich Verbraucher für die pauschale Gutschrift für steuerbare Wärmepumpen entscheiden (siehe „Dimm dich„, pv magazine Februar 2024, Premium Content) lässt sich das auch einfach über die Gridbox abwickeln.

Wie komplex solch eine Steuerung ist, zeigt die Fülle der zu berücksichtigenden Daten. In die Optimierung fließen ein: die Photovoltaik-Erzeugungsprognose, die Börsenpreise, die Vorhersage des Haushaltsverbrauchs, Wetterdaten, der vom Wärmepumpenmanager gemeldete Wärmefahrplan und noch diverse Benutzereinstellungen. Alle 15 Minuten werden diese mit Vorhersagen-Updates und Zählermessungen abgeglichen und die Optimierung angepasst.

Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunktes „Energiemanagement für zu Hause“, der in der pv magazine Ausgabe Juni (02/2024) erscheint. 

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