Photovoltaik-Rekordzubau in Nordrhein-Westfalen für 2022 auf altem Rekordniveau erwartet

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Nach einer Analyse der Landverbands Erneuerbare Energien (LEE NRW) hat das Bundesland im vergangenen Jahr wieder an die Rekordzubauzahlen bei Photovoltaik-Anlagen aus den Jahren 2010 und 2011 anknüpfen können. Es werde eine neue installierte Photovoltaik-Leistung von 913 Megawatt für das Jahr 2022 erwartet. Dies wäre soviel wie 2011 und mehr als die 891 Megawatt aus dem Jahr 2010. Im Vergleich zu 2021 sei der Photovoltaik-Zubau deutlich um fast 40 Prozent gestiegen, so der Verband weiter. Er hat die Zahlen aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur für seine Erhebung ausgewertet.

Der LEE NRW sieht die Entwicklung im Land als „positives und überfälliges Signal“. Der Anstieg gegenüber 2021 entspreche in etwa dem Bundestrend und sei vor allem die Folge der gestiegenen Energiepreise und dem Wunsch vieler Menschen, sich mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach unabhängiger zu machen.

Trotz des deutlichen Anstiegs des Photovoltaik-Ausbaus in Nordrhein-Westfalen und im ganzen Land reicht dies nicht aus, wenn die 215 Gigawatt installierte Leistung bis 2030 erreicht werden sollen. Dafür braucht es eine weitere Steigerung des Photovoltaik-Zubaus in den kommenden Jahren. Bundesweit müsse er auf 22.000 Megawatt neu installierte Photovoltaik-Leistung jährlich in den nächsten Jahren steigen. „Auch NRW muss seine Anstrengungen im Solar-Sektor deutlich steigern“, unterstreicht LEE-NRW-Vorsitzender Christian Mildenberger, „um die eigenen Ziele beim Klimaschutz und beim Ausbau Erneuerbarer Energien zu erreichen, ist ein jährliches Plus von mindestens 2.000 Megawatt Solarleistung unverzichtbar.“

Der Zubau in den Städten fällt nach der Analyse des Verbands sehr unterschiedlich aus. So hätten Köln, Dortmund und Essen im vergangenen Jahr kräftig zugelegt und eigentlich habe es nur in Düsseldorf unter den größeren Städten eher eine Stagnation gegeben. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl sind Paderborn und Bielefeld mit jeweils 11,4 Megawatt Photovoltaik führend. Nachholbedarf sieht der LEE NRW auch vor allem bei Freiflächenanlagen. Die Zahl der Solarparks sei gegenüber 2021 nur um ein Prozent gestiegen, bei der Leistung seien es immerhin sieben Prozent gewesen. „In diesem Segment müssen wir schnell aufholen, da die Verdoppelung der jährlichen Ausbauleistung nicht ohne solare Freiflächenanlagen zu schaffen ist“, so Mildenberger. Immerhin gebe das aktuell größte Bauprojekt Hoffnung. Im Westmünsterland entstehe derzeit ein Solarpark mit 65 Megawatt, der mit zwei weiteren Bauabschnitten noch auf eine Leistung von 180 Megawatt ausgebaut werden könnte. Die Investitionskosten gibt das Unternehmen mit rund 125 Millionen Euro an.

Bestehende Hindernisse beseitigen

Der LEE NRW fordert von der schwarz-grünen Landesregierung die nach wie vor bestehenden Hindernisse für den Photovoltaik-Ausbau aktiv zu beseitigen. Mit Blick auf Photovoltaik-Freiflächenanlagen heißt es, dass die Bestimmungen im geltenden Landesentwicklungsplan (LEP), der eine solare Freiflächennutzung im Außenbereich nur unter absolut restriktiven Bedingungen zulässt, beseitigt werden müssten. Zudem würden die reichlich vorhandenen Flächen in Industrie- und Gewerbegebieten bisher nur unzureichend für Photovoltaik genutzt. Im LEP sollte daher ein Grundsatz verankert werden, dass diese Bereiche im Regelfall für die Errichtung von Erneuerbaren-Anlagen genutzt werden sollten. „Vor allem für die Freiflächenanlagen sind die Rahmenbedingungen im Zuge der Änderung des Landesentwicklungsplans deutlich zu verbessern, denn ohne Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen sind die eigenen Ziele der Landesregierung nicht zu erreichen“, betonte Mildenberger.

Für Dachanlagen fordert der LEE NRW die Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten landesweiten Solarpflicht. Als erstes sollte diese Vorschrift für alle öffentlichen Liegenschaften kommen und eigentlich schon seit 1. Januar 2023 in Kraft sein. Doch bislang haben CDU und Grüne nicht mal eine gesetzliche Grundlage für eine Solarpflicht vorgelegt. Zudem fordert der Verband die Aufhebung der Abstandsregeln zu sogenannten Brandwänden. Dazu gab es im Dezember bereits einen Erlass, doch die finale Anpassung der Landesbauordnung sei noch nicht erfolgt.

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