Enervis PPA-Price-Tracker für Photovoltaik: Rückgang der langfristigen Terminmarkpreise lässt PPA-Preis-Index im Juni 2022 leicht zurückgehen

Im Juni 2022 sind die Preise für Strom im Terminmarkt ausgehend von dem bereits außergewöhnlich hohen Niveau für die kurzfristige Erfüllung (Monate/Quartale/Jahre 2023/2024) aufgrund der Sorge um die kurzfristige Gasversorgungslage nochmals etwas angestiegen. Allerdings gab es etwas Entspannung am „langen Ende“, die Preise für die langfristigen Lieferjahre gingen leicht zurück. Durch diese gegenläufige Entwicklung ist […]
Copyright Paul-Langrock.de. Errichtung EnBW Solarpark Werneuchen. Bundesland Brandenburg. 12. August 2021 | Foto: Paul-Langrock.de/EnBW

Im Juni 2022 sind die Preise für Strom im Terminmarkt ausgehend von dem bereits außergewöhnlich hohen Niveau für die kurzfristige Erfüllung (Monate/Quartale/Jahre 2023/2024) aufgrund der Sorge um die kurzfristige Gasversorgungslage nochmals etwas angestiegen. Allerdings gab es etwas Entspannung am „langen Ende“, die Preise für die langfristigen Lieferjahre gingen leicht zurück. Durch diese gegenläufige Entwicklung ist im Mittel des Juni 2022 der für 10-jährige Photovoltaik-PPA relevante Mischpreis im Terminmarkt erstmals seit Jahresbeginn 2022 gegenüber dem Vormonat zurückgegangen – wenn auch nur leicht. Der Terminmarkt-Mischpreis für einen 10-jährigen PPA mit Start im Frontmonat lag bei gut 145 Euro pro Megawattstunde. Der im enervis PPA-Preismonitor auf dieser Basis berechnete faire Wert eines 10-jährigen Photovoltaik-PPA lag bei rund 100 Euro pro Megawattstunde (Mitte des Preiskorridors).

Die von Enervis für den Juni 2022 berechneten Preise für einen 10-jährigen Photovoltaik-PPA mit Start im Frontmonat liegen unter Berücksichtigung der üblichen Abschläge für Photovoltaik-Profilwerte, PPA-Abwicklungs- und Risikokosten sowie marktüblichen Erlösen für Herkunftsnachweise bei rund 93 bis 107 Euro pro Megawattstunde und damit leicht unter dem Vormonatsniveau.

Auch weiterhin sind im deutschen PPA-Markt erhebliche Risikoabschläge aufgrund des hohen Preisniveaus und der Volatilität zu beobachten. Einige Marktakteure auf der PPA-Abnehmerseite, vor allem Akteure im Energiehandel, sind zudem aktuell zurückhaltend, was den Abschluss neuer PPAs betrifft oder haben das Geschäft sogar vorübergehend komplett ausgesetzt. Dies ist unter anderem den durch die Preisbewegung deutlich umfangreicheren Anforderungen an Ausfallsicherheiten (Margining) geschuldet, wodurch bei Energiehändlern und Energieversorgern umfangreich Liquidität beansprucht wird.

Methodische Erläuterung: Der Enervis PPA-Price-Tracker zeigt auf Basis typischer PPA-Bewertungsparameter einen monatlichen Preiskorridor für Photovoltaik-PPAs im deutschen Strommarkt. Ausgangsbasis der Berechnung des generischen PPA-Preises ist ein Mischpreis der Terminmarktnotierungen des vergangenen Monats für die angenommene PPA-Laufzeit. Hierfür werden die in der angenommenen PPA-Laufzeit liegenden Monats-, Quartals- und Jahresprodukten der EEX für die deutsche Preiszone herangezogen. Für den generischen Photovoltaik-PPA werden 10 Jahre Laufzeit mit Beginn im Frontmonat unterstellt. Darauf wird der mittlere erwartete Abschlag des technologiespezifischen Referenzmarktwertes und ein Ab- oder Aufschlag aus projektspezifischen Einflüssen (Standort, Anlagentechnologie, Parklayout, Wetterjahr) für die angenommene PPA-Laufzeit angewendet. Dieser stammt aus unseren eigenen szenariobasierten Strommarktmodellierungen. Die Streuung des spezifischen Marktwertes um den erwarteten Referenzmarktwert herum wird auf Basis unseres PPA-Atlas abgebildet. Aufsetzend darauf wird die typische Streubreite für Abwicklungs- und Risikokosten eines PPA berücksichtigt. Abschließend wird die Streubreite von Erlösen für Herkunftsnachweise preiserhöhend berücksichtigt. Der dargestellte Korridor der ermittelten PPA-Preise basiert auf einer Kumulation der in der Berechnung unterstellten Schwankungsbreiten. Hinweis: Soweit gesetzlich zulässig schließt Enervis jegliche Haftung für Schäden aus, die aus der Verwendung dieser Dokumentation entstehen. Enervis übernimmt keine Gewähr oder Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der in dieser Dokumentation enthaltenen Daten und Ergebnisse.

Quelle: Enervis

— Der Autor Nicolai Herrmann ist Partner beim energiewirtschaftlichen Beratungshaus Enervis und Spezialist für die Vermarktung erneuerbarer Energien in Strommärkten. Er hat umfangreiche Erfahrung in der Beschaffung, Bewertung und Verhandlung von Power Purchase Agreements für Abnehmer und Erzeuger in den europäischen PPA-Märkten. https://enervis.de/ —-

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Kommentare

Thomas.I
Jul 25, 2022

Und wie werden da die Benutzung der Stromtrassen in Rechnung gestellt?
Durchleitungssentgelte?
Ich halte von solchen Vertragskonstuktionen nicht viel, da diese offensichtlich auf dem Rücken der Verbraucher zum wirtschaftlichen Optimum geführt werden.

Ernst Gruber
Jul 18, 2022

Hallo Thomas, es wäre schön wenn PPA Verträge nur geschlossen würden wenn im dezentralen Bereich alles mit erneuerbaren Energien versorgt ist. EnBW hat im Norden von Berlin über eine Million Module verbaut. Sie liefert den Strom aber nicht in die Stadt Berlin, sondern mit PPA Verträgen nach Dänemark oder in das Ruhrgebiet. Die Stadt Berlin muss weiter mit dreckiger fossiler Energie leben.

Thomas.I
Jul 13, 2022

Mhm; und nu?
Was will und der Profi mit dem Artikel vermitteln?
Trotz dreimaligen Lesens bin ich noch nicht schlau geworden.

PV wird weiterhin als ein herrauragendes Standbein der Energieversorgung der Zukunft bewertet.
Ein PPA tritt nur ein, wenn anderweitige Abnahme, Förderung, nicht mehr zutrifft oder vereinbart werden kann.

Ein bisschen mehr Drumherum mit zu teilen würde nicht schaden.