McKinsey erwartet für 2030 Erneuerbaren-Anteil am globalen Strommix von 50 Prozent

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Nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey gewinnt die Energiewende global an Tempo. So dürfte sich der Anteil der Erneuerbaren an der weltweiten Stromerzeugung bis 2035 verdoppeln, während der Einsatz von Kohle 2020 seinen Höhepunkt überschritten hat. Bereits heute seien 61 Prozent der neu installierten Erneuerbare-Kapazitäten preiswerter als die fossilen Alternativen. Die Erneuerbaren würden 2030 rund 50 Prozent und 2050 rund 80 bis 90 Prozent der weltweiten Stromerzeugung ausmachen. Das geht aus der Analyse „Global Energy Perspective 2022“ von McKinsey hervor.

McKinsey zufolge wird die weltweite Nachfrage nach Öl 2025 ihren Zenith erreichen. Der Erdgas-Bedarf werde dagegen noch mindestens 10 bis 15 Jahre weiter steigen, um insgesamt etwa zehn Prozent. „Kurzfristig ist Gas der widerstandsfähigste fossile Brennstoff, da es die geringste Kohlenstoffintensität aufweist und in allen Sektoren weit verbreitet ist“, erläutert Alexander Weiss, Senior Partner aus dem Berliner Büro von McKinsey & Company und Leiter für den  Energiebereich in der EMEA-Region. Längerfristig seien die Elektrifizierung, die Nutzung erneuerbarer Energien und die Einführung von grünem Wasserstoff die wichtigsten Ersatzstoffe für Gas.

Die Experten haben ihre Berechnungen vor Beginn des Kriegs in der Ukraine durchgeführt. Deshalb spiegeln sie derzeit noch nicht die Auswirkungen des Kriegs auf die globalen Energiemärkte wider.

Wasserstoff deckt 2050 ein Zehntel des Endenergiebedarfs

Die globale Stromnachfrage wird sich der Analyse zufolge bis 2050 voraussichtlich verdreifachen, da die Sektoren elektrifiziert werden und der Marktanteil von Wasserstoff und wasserstoffbasierten Kraftstoffen steigt. Trotz einer Verdoppelung des Weltwirtschaftswachstums und eines erwarteten Bevölkerungsanstiegs um zwei Milliarden Menschen bis 2050 werde sich der Primärenergieverbrauch aber nur um 15 Prozent erhöhen. Dies sei vor allem auf Fortschritte bei der Energieeffizienz in Gebäuden, im Verkehr und in der Industrie sowie auf die Elektrifizierung zurückzuführen.

Die Wasserstoffnachfrage wird bis 2050 um das Vier- bis Sechsfache zunehmen, prognostiziert McKinsey, vor allem im Straßenverkehr, in der Schiff- und in der Luftfahrt. Der Anteil von Wasserstoff und aus Wasserstoff gewonnenen synthetischen Kraftstoffen werde von heute rund einem Prozent bis 2050 auf etwa zehn Prozent des weltweiten Endenergieverbrauchs steigen.

Für die Klimaziele reicht das Tempo nicht

Die Analyse zeigt aber auch, dass trotz einer Beschleunigung der globalen Energiewende das Tempo nicht ausreicht, um das angestrebte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Selbst mit den aktuellen Regierungsverpflichtungen der 64 Länder, die mehr als 89 Prozent der weltweiten Emissionen abdecken, sowie den prognostizierten Technologietrends wird die globale Erwärmung bis 2100 je nach Szenario voraussichtlich 1,7 bis 2,4 Grad betragen.

Daher muss die Transformation des Energiesystems erheblich schneller erfolgen, fordert McKinsey. Dafür seien sektorübergreifend erhebliche Investitionen in neue Technologien zur Energieversorgung und zur Dekarbonisierung in der Energieerzeugung nötig – weltweit bis zu 1,6 Billionen US-Dollar jährlich, umgerechnet 1,5 Billionen Euro. Die Investitionen in Energieerzeugung müssten jährlich um vier Prozent steigen.

Zugleich müsse die Weltgemeinschaft massiv auf CCUS setzen (Carbon Capture Utilization and Storage, also die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlenstoff). Allerdings weisen die McKinsey-Autoren auf die aktuelle Unsicherheit hinsichtlich der Rentabilität hin, da die in den unterschiedlichen Szenarien angenommenen Kohlendioxidpreise nicht ausreichen, um CCUS allein zu skalieren.

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